| 00:00 Uhr

Bauunternehmer werden Projektbetreiber

Der Straßenbau ist ein Schwerpunkt des Unternehmens Peter Gross Bau. Foto: Peter Gross Bau
Der Straßenbau ist ein Schwerpunkt des Unternehmens Peter Gross Bau. Foto: Peter Gross Bau FOTO: Peter Gross Bau
St Ingbert. Immer mehr Bauunternehmer werden künftig auch als Betreiber der Bauobjekte auftreten. Dies prognostiziert Philipp Gross, Geschäftsführer des St. Ingberter Familienunternehmens Peter Gross Bau. Von SZ-RedakteurThomas Sponticcia

. Die Bauwirtschaft wird sich in den kommenden Jahren stark verändern. Davon geht Philipp Gross aus, Geschäftsführer in vierter Generation bei dem seit 1885 bestehenden Familienunternehmen Peter Gross Bau. So werde die Zusammenarbeit zwischen Bauherren, Architekten und Planern enger werden. Dabei würden neue Möglichkeiten für Bauunternehmen entstehen, sagt Gross, der die Geschäftsführung gemeinsam mit Steffen Walter innehat. Jüngstes Beispiel im eigenen Unternehmen ist der Bau und gleichzeitige Betrieb des geplanten neuen Homburger Kombibades, ein 20-Millionen-Euro Projekt, bei dem Peter Gross Bau gemeinsam mit Partnern für 25 Jahre auch als Betreiber auftreten wird. Solche neuen Organisations-Modelle hätten auch Vorteile für die Kommunen, da alle Partner gemeinsam auf moderne und kostengünstige Lösungen in sämtlichen Bauphasen achteten, sagt Philipp Gross. Am Ende machten 30 Prozent an einem solchen Projekt die Baukosten aus, während man in der Regel 70 Prozent für den Betrieb einkalkulieren müsse. Das neue Betätigungsfeld bringe aber auch Risiken mit sich, räumt Gross ein. Man müsse deshalb im Vorfeld sehr genau analysieren, ob die Vorteile überwiegen. Gross rechnet mit einem weiteren Wachstum des Unternehmens zwischen fünf und zehn Prozent jährlich. 2012 wurden 255 Millionen Euro Umsatz erzielt. Für 2013 sind 270 Millionen Euro einkalkuliert.

Zu den drei Standbeinen gehören der Tiefbau, der Hochbau sowie der Verkauf von Bau-Produkten wie Beton, Asphalt und Sand. Zu den renommierten Bauprojekten in der Region unter der Federführung von Peter Gross Bau zählen das Saar-Wirtschaftsministerium, die Landesvertretung in Berlin sowie jüngst der Bau der Völklinger Fischzuchtanlage. Hinzu kommen Bürohaus-, Wohnungs- und Straßenbauprojekte.

Die Unternehmenszentrale bleibt auch künftig in St. Ingbert. Mittlerweile macht Peter Gross Bau mit seinen rund 1000 Mitarbeitern jedoch nur noch 20 Prozent seines Umsatzes an der Saar. Der Schwerpunkt der Aufträge hat sich in den Großraum Rhein-Main sowie nach Süddeutschland mit den Einzugsgebieten Karlsruhe, Stuttgart, Freiburg bis nach München verlagert. Diese schon vor einigen Jahren getroffene strategische Entscheidung deckt sich nach Beobachtungen von Philipp Gross mit einem generellen Trend deutscher Bauunternehmen, sich nahezu komplett auf Süddeutschland zu konzentrieren. Von Sonder-Baukonjunkturen in Berlin und Hamburg abgesehen könne man im Norden kaum noch Bewegung in der Baubranche erkennen. Zusätzlich verstärkt hat sich Peter Gross Bau durch die Übernahme von sieben Firmen aus der Insolvenz heraus.

Dabei werde ausdrücklich ein Mehrmarkenkonzept verfolgt, wobei etablierte Firmen nach der Übernahme ihren Namen behalten. Zu den jüngsten Zugängen zählen die Übernahme von Theisinger & Probst Pirmasens mit 100 Mitarbeitern sowie von Füssler in Karlsruhe. Hinzu kommt die Matthias Strobel Tiefbau, die am Bodensee ansässig ist. Insgesamt ist Peter Gross Bau derzeit an 15 Standorten bundesweit vertreten. Auch Personal wird gesucht. Ingenieure sind ebenso gefragt wie beispielsweise Bauleiter und Poliere.