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Baumarkt zu verkaufen

Kirkel. Wenige Wochen nach Praktiker hat gestern auch die Tochter Max Bahr Zahlungsunfähigkeit angemeldet. Nun suchen die Insolvenzverwalter Käufer für die Märkte oder prüfen eine mögliche Sanierung. Von SZ-RedakteurJoachim Wollschläger

Da war es nur noch eine: Einzig die Baumarkt Praktiker International GmbH, in der die Auslandsmärkte von Praktiker gebündelt sind, bleibt bei der Insolvenz außen vor, der Rest des Praktiker-Konzerns ist pleite: Gestern musste auch die bisher als gesund geltende Tochter Max Bahr Insolvenz anmelden, nachdem Warenkreditversicherer sich zurückgezogen hatten. Wenn Lieferungen nicht mehr versichert werden, gilt dies in der Branche als Todesstoß. Entsprechend ungehalten gab sich gestern Steffi Nutzenberger von der Gewerkschaft Verdi. Es sei skandalös, dass ein Warenkreditversicherer aus kurzfristigem Profitinteresse die Fortführung des Unternehmens gefährde, sagte sie.

Die jüngsten Insolvenzanträge änderten allerdings nichts am weiteren Vorgehen bei den Praktiker-Baumärkten, beeilt sich Insolvenz-Anwalt Christopher Seagon zu versichern. Er betreut die Insolvenzen der Praktiker-Baumärkte und hat gestern zusätzlich 54 Max-Bahr-Märkte zugeschlagen bekommen. Diese waren in den vergangenen Monaten im Rahmen eines Markenwechsels von Praktiker in Max Bahr umgewandelt worden. Die 78 Max-Bahr-Stamm-Märkte, die Praktiker 2007 gekauft hatte, stehen unter der Verwaltung des Hamburger Insolvenz-Fachmanns Sören Schröder. Für die Praktiker AG ist der saarländische Insolvenzverwalter Udo Gröner zuständig.

Seagon kündigte gestern an, sowohl für die Max-Bahr-Märkte als auch für die Praktiker-Märkte einen Investorenprozess, also den Verkauf, einzuleiten. Mehrere potenzielle Käufer hätten bereits Interesse bekundet, nun gehe es darum, realistischen Bietern einen Einblick in die Bücher des Konzerns zu ermöglichen, damit sie dann Angebote abgeben können.

Schröder dagegen setzt auf eine Sanierung und Restrukturierung: "Max Bahr ist eine starke Marke und hat einen guten Ruf am Markt", sagt er. Er sei deshalb zuversichtlich positive Lösungen für alle Beteiligten, vor allem die Mitarbeiter, zu finden.

Doch gerade für die von Schröder betreuten 78 Stamm-Märkte bleibt eine Unsicherheit: Sie sind nämlich im Rahmen eines Kredits verpfändet, den die österreichische Bank Semper Constantia gemeinsam mit der Royal Bank of Scotland organisiert hat. Inwieweit die Kreditgeber nun von ihrem Pfandrecht Gebrauch machen und den Verkauf der Märkte fordern, sei unklar, hieß es gestern aus dem Unternehmen.

Semper-Constantia-Vorstand Dietmar Baumgartner gibt aber vorläufig Entwarnung: Es gelte, erst einmal die Entwicklung im Rahmen der Insolvenz abzuwarten. Auch sei er nicht sicher, ob die Banken ihr Pfandrecht in der Insolvenz noch geltend machen können.

Für die Kunden und Mitarbeiter soll sich vorerst nichts ändern, teilten die Insolvenzverwalter mit. Der Geschäftsbetrieb gehe weiter, im Vordergrund stehe nun, den Waren nachschub zu sichern. Für die 5800 Mitarbeiter der 132 Max Bahr Baumärkte wird nun Insolvenzgeld beantragt.



Zum Thema:

HintergrundMit der Insolvenzanmeldung übernimmt der vorläufige Insolvenzverwalter bei dem Unternehmen die Verantwortung. Sämtliche Zahlungen gehen nur noch an ihn. Seine primäre Aufgabe ist es, Warenlieferungen zu sichern, um das Unternehmen am Laufen zu halten.Gutscheine, die das Unternehmen vor der Insolvenz ausgegeben hat, können nicht mehr eingelöst werden. Rechtlich gesehen, sind die Inhaber nun Gläubiger des insolventen Unternehmens und müssen ihre Forderung anmelden.Waren, die vor der Insolvenz gekauft werden, können danach üblicherweise nicht mehr zurückgegeben werden, auch wenn das vorher üblich war.Garantiefälle werden bei Insolvenz üblicherweise nur noch beim Hersteller geltend gemacht. jwo