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Batterie-Doktoren von der Saar

Saarbrücken. Die Saarbrücker Firma Novitec vertreibt ein Gerät namens Megapulse, das in schwachen Autobatterien wieder neue Stärke wecken soll. Mit mäßigem Erfolg. Denn statt das Gerät einzusetzen, verkauften die Werkstätten lieber neue Batterien, sagt Geschäftsführer Klaus Krüger. Joachim Wollschläger

Der Schlüssel dreht sich, der Motor nicht. So ziemlich jeder Autofahrer hat das schon einmal erlebt. Klarer Fall. Die Batterie hat den Geist aufgegeben. Für Klaus Krüger ist offensichtlich, was dann passiert: "Der Notdienst oder die Werkstatt verkauft Ihnen eine neue Batterie." Meist unnötig, sagt der 79-jährige Geschäftsführer der Firma Novitec aus Saarbrücken . Denn viele der Batterien ließen sich wiederbeleben. "Aber die Werkstätten machen ein besseres Geschäft, wenn sie neue Batterien verkaufen."

Krüger ist gemeinsam mit seinem Partner Kurt Hebben Missionar in eigener Sache. Novitec vertreibt ein Gerät namens Megapulse, das auch schwache Batterien wieder zum Leben erwecken soll. Das Prinzip dabei ist recht einfach: Batterien bestehen aus Platten aus Blei und Bleioxid, die von wässriger Schwefelsäure umgeben sind. Durch eine chemische Reaktion fließt Strom, gleichzeitig entsteht Bleisulfat, das sich in der Batterie ablagert und durch Laden wieder zerlegt. Wird das Auto aber zu wenig bewegt und die Batterie nicht ausreichend geladen, setzt sich dieses Bleisulfat in dicken Kristallen ab. "Auf diese Weise wird die Batterie immer schwächer", sagt Krüger.

Seit mehreren Jahren gebe es aber mit dem Puls-Verfahren eine Möglichkeit, diese Kristalle wieder zu lösen. Dabei wird beim Laden der Strom mit hochfrequenten Impulsen in die Batterie gebracht und so die alte Kapazität wieder hergestellt. Seit gut 14 Jahren predigt Krüger die Vorteile seines Mega-Puls-Ladegeräts. Der Erfolg, so sagt er selber, sei jedoch bescheiden. In guten Jahren habe er 12 000 bis 13 000 der rund 70 Euro teuren Geräte abgesetzt. 600 000 Euro Umsatz hat Novitec mit seinen fünf Mitarbeitern im vergangenen Jahr gemacht. Zum Programm gehören neben den Megapulsen aber noch weitere Produkte, wie beispielsweise ein Batterie-Tester, ein Starthilfe-Gerät und ein akustisches Diagnose-Gerät.

"Eigentlich wäre es sinnvoll, in jedem Auto einen Megapulse zu haben", sagt Hebben. "Eine gut gepflegte Batterie kann deutlich länger leben als das Auto selbst", ist er überzeugt. Dass aber weder Autoindustrie noch Werkstätten besonders interessiert sind, das Gerät zu verkaufen, vermutet Krüger in deren wirtschaftlichen Interessen: "Lieber verkaufen sie stattdessen drei Batterien." Novitec vertreibt die Geräte vor allem über Katalog-Versender wie Conrad Electronic, Amazon oder Ebay.

Krüger hat sich auch mit dem ADAC angelegt. Der hatte nach einem Test verkündet, das Gerät habe die Ladefähigkeit nicht wesentlich verbessert. Doch Krüger wirft dem Auto-Verband falsche Testmethoden vor und kontert mit einer Studie der Technischen Universität Wien : Die habe 97 Prozent der Batterien mit mittlerer und 75 Prozent der Batterien mit starker Schädigung wiederbeleben können. Gestestet wurden 80 Batterien. Das sei auch unter Umwelt-Gesichtspunkten ein wichtiger Punkt: "Ausrangierte Batterien sind hochgiftiger Sondermüll", sagt er. Und den könne man durch die Technik um mehr als die Hälfte verringern. Im vergangenen Jahr ist der Megapulse sogar mit dem Industriepreis 2014 ausgezeichnet worden. "Den bekommt man ja auch nicht einfach so", sagt Hebben.

Krüger und Hebben handeln aus Überzeugung. Hebben bekommt gar kein Gehalt, Krüger bezeichnet seine Vergütung als eher symbolisch. Beide haben Polster aus ihrer früheren beruflichen Karriere. In einem guten Jahr, so sagen sie, profitieren sie von einer Gewinnausschüttung. Doch die guten Jahre, die Krüger erhoffte, als er sich vor 14 Jahren die Idee von einem australischen Erfinder gesichert hatte, sind rar. "Damals dachten wir, wir werden reich", sagt Krüger. Heute sei es eher Arbeit als Leidenschaft. Oder eben Mission.