Banken sehen Basel III gelassen

Banken sehen Basel III gelassen

Saarbrücken. Bankenverbände waren Sturm gelaufen. Von regulatorischem Blindflug war die Rede, vor einem Einbruch der Kreditvergabe wurde gewarnt. Inzwischen haben sich die Gemüter etwas beruhigt. Die neuen internationalen Bankenregeln (Basel III), die der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht vor wenigen Wochen verkündete, fielen weniger drastisch aus als die Branche befürchtete

Saarbrücken. Bankenverbände waren Sturm gelaufen. Von regulatorischem Blindflug war die Rede, vor einem Einbruch der Kreditvergabe wurde gewarnt. Inzwischen haben sich die Gemüter etwas beruhigt. Die neuen internationalen Bankenregeln (Basel III), die der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht vor wenigen Wochen verkündete, fielen weniger drastisch aus als die Branche befürchtete. Die im Saarland ansässigen Kreditinstitute sehen sich allesamt in der Lage, die strengeren Eigenkapital-Regeln zu erfüllen. Basel III schreibt vor, dass ab spätestens 2019 die Kreditinstitute eine Mindestkapitalquote von 10,5 Prozent (bisher acht Prozent) einhalten müssen. 8,5 Prozent (bisher vier Prozent) müssen Kernkapital sein, also dauerhaft zur Verfügung stehendes Kapital. "Die saarländischen Sparkassen erreichen oder übertreffen die Kernkapitalquoten durch die Bank heute schon", sagt ein Sprecher des Sparkassenverbands Saar. Genaue Zahlen nennt er nicht. Der Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) gibt als bundesweiten Mittelwert 9,7 Prozent an. Bei der größten Saar-Sparkasse, der Sparkasse Saarbrücken sagt Bernd Schaumlöffel, der den Bereich Gesamtbank-Steuerung leitet: "Wir erfüllen die Anforderungen heute schon, ohne zusätzliche Anstrengungen unternehmen zu müssen." Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) nennt für das Kernkapital als Durchschnittswert 8,3 Prozent. "Die Ausstattung mit Eigenkapital ist kein Problem. Denn die Genossenschaftsanteile werden als Kernkapital anerkannt", erläutert eine Sprecherin des auch für das Saarland zuständigen Genossenschaftsverbands in Frankfurt. Die saarländischen Volksbanken geben als Kernkapital-Anteil sogar einen Wert von "deutlich über zehn Prozent" an, wie deren Sprecher, Hans-Joachim Meyer, der Vorstand der Volksbank Dillingen sagt. Basel III schränke demnach "den Spielraum für Kredite" nicht ein. Die größte saarländische Volksbank, die Bank 1 Saar, beziffert ihre Kernkapitalquote mit mehr als neun Prozent. "Wir hätten die Möglichkeit, einige hundert Millionen Euro Kredit mehr auszugeben", sagt Vorstandschef Heiner Löhl.In den beiden Bundesverbänden sieht man aber doch mehr Probleme. "Mussten Kredite bislang effektiv mit sechs Prozent Eigenkapital unterlegt werden, erhöht sich die Anforderung nunmehr auf 7,875 Prozent und damit fast um ein Drittel", heißt es beim DSGV. Dadurch drohten Einschränkungen bei der Kreditvergabe an den Mittelstand. Ähnlich äußert sich BVR-Vorstandsmitglied Gerhard Hofmann: Durch die neuen Eigenkapitalregeln wird "das Verleihen von Geld an den Mittelstand und Private stärker belastet als Kapitalmarktgeschäfte". Damit werde den Banken ein Anreiz gegeben, ausgerechnet in dem Sektor tätig zu werden, der die Finanzkrise ausgelöst habe. In punkto Eigenkapital steht unter den regionalen Banken die Saar-LB offenbar vor den größten Aufgaben. Denn die Saar-LB muss sich wie viele Banken mit Problem herumschlagen, dass befristete stille Einlagen künftig nicht mehr als hartes Kernkapital akzeptiert werden. Ab 2013 verlieren pro Jahr zehn Prozent dieser Einlagen ihre Geltung als Eigenkapital. "Basel III stellt eine Herausforderung dar, der wir uns aber gewachsen sehen", versichert Saar-LB-Chef Thomas Christian Buchbinder. Genaue Angaben dazu, wie die Bank die Kapitalanforderungen erfüllen will, machte er nicht. In der jüngsten Halbjahresbilanz hatte die Saar-LB nach den bisher geltenden Bankenregeln eine Kernkapitalquote von 10,1 Prozent ausgewiesen.

HintergrundDeutsche Banken brauchen wegen der schärferen Regulierung durch Basel III in den kommenden Jahren 90 Milliarden Euro frisches Kapital. Diesen Betrag habe die Bundesbank in einer vertraulichen Studie errechnet, heißt es Medienberichten zufolge in Finanzkreisen. Allein auf die zehn größten Häuser entfielen demnach 50 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank hat kürzlich gut zehn Milliarden Euro an frischem Kapital eingesammelt - um die Übernahme der Postbank zu finanzieren, heißt es offiziell. Beobachter gehen aber davon aus, dass die Kapitalerhöhung auch dazu diente, sich für die Anforderungen von Basel III zu wappnen. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann versicherte, dass sein Institut bis 2013 alle Anforderungen erfüllen wolle. Auch Commerzbank-Chef Martin Blessing nennt das Jahr 2013 als Ziel. Seit Wochen wird spekuliert, ob und wann die teilverstaatlichte Bank eine Kapitalerhöhung ankündigt. Bislang hielt sich Blessing bedeckt.Die Hypo-Vereinsbank (HVB) sieht sich für Basel III gerüstet, glaubt man den Beteuerungen Federico Ghizzonis, des neuen Chefs des HVB-Mutterkonzerns Unicredit. Die Bank könne die strengeren Eigenkapitalregeln erfüllen, ohne die Dividende anzutasten, sagte er der italienischen Wirtschaftszeitung "Il Sole 24 Ore". mzt

Mehr von Saarbrücker Zeitung