| 20:14 Uhr

Kolumne So kann’s gehen
Baklava und Fleischkäsweck

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Unsere Kollegin wandert gern kulinarisch zwischen verschiedenen Welten und freut sich, dass sie heute so viel Auswahl hat.

Ich weiß, es gibt eine Reihe von Menschen, die würden gern die Zeit zurückdrehen. Zurück zu Mutti am Herd und Kadett oder Käfer vor der Tür. Bei manchen alten Leuten verstehe ich ja sogar, dass sie mit der bunten, neuen, schnellen Welt Probleme haben. Aber ich glaube, diese  Menschen denken zu wenig kulinarisch.


Mal ganz abgesehen davon, dass ich persönlich auf keinen Fall „zurück an den Herd“ möchte: Ich habe noch eine gute Erinnerung daran, wie wenig lukullisch das Nahrungsangebot in meiner Jugend war. Da war eine Pizzeria der Gipfel der  Exotik. Und als meine Mutter mal chinesisch kochen wollte, musste sie ewig suchen, um irgendwo Zutaten zu finden.

Heute dagegen: Ich zucke schon fast gelangweilt mit den Achseln, wenn der nächste Sushi-Laden aufmacht und überlege abends, ob ich lieber zum Mexikaner, zum Italiener, zum Türken, zum Inder, zum Chinesen, zum Griechen oder was weiß ich wem gehen möchte.



In den letzten drei, vier Jahren ist das Essensangebot noch ein bisschen bunter geworden. Entgegen der Behauptung manches politischen Hetzers sind nämlich die allermeisten Menschen, die zu uns geflüchtet sind, hauptsächlich daran interessiert, ein Leben in Sicherheit zu führen und ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Und das zeigt sich auch in den Läden. In Saarbrücken sind zwar die Tante Emma-Läden seit Jahren gestorben, aber mittlerweile  findet man an allen möglichen Ecken Onkel-Ali-Lädchen, wie ich sie gern nenne. Vor denen türmen sich appetitliche Gemüseberge und drinnen duftet es nach ungewohnten Köstlichkeiten.

Am schönsten wurde mir die kulinarische Seite der Zuwanderung aber dieser Tage auf dem Weg zur Arbeit bewusst. Ich wollte mir Proviant für den Tag besorgen und kaufte erstmal einen Sesamkringel und eine köstliche Baklava-Süßigkeit beim neuen arabischen Bäcker in unserer Straße. Und dann marschierte ich zum deutschen Metzger zwei Türen weiter und besorgte mir einen Fleischkäse-Weck. Vor ein paar Jahren noch hätte ich für die Zusammenstellung dieses Menüs ein Flugzeug gebraucht. . .