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Bahnreisen an Ostern ohne Streik?

Berlin. Der Chef der Gewerkschaft der Lokomotivführer, Klaus Weselsky, will noch vor Ostern einen Flächentarifvertrag für das Zugpersonal aushandeln. Beim Bahnvorstand sieht man diesen Zeitplan skeptisch. Agentur

. Kurz vor dem Beginn der Osterferien und der Osterreise-Welle richten sich viele Augen auf die Bahn. Können die Reisenden mit einer störungsfreien Fahrt in den Urlaub oder zu Verwandten rechnen oder stehen die Zeichen im Bahnverkehr erneut auf Streik?

In die Tarifverhandlungen soll kurz vor der Oster-Reisewelle noch einmal Bewegung kommen. Bahn und Gewerkschaften erhoffen sich Fortschritte bei mehreren Terminen innerhalb dieser Woche. Schon am heutigen Montag setzt sich die Arbeitgeberseite um 15 Uhr in Berlin mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL ) zusammen.

Die GDL hat im Laufe der bisherigen Tarifauseinandersetzung erreicht, dass sie nicht mehr nur für Lokführer verhandelt, sondern auch für weitere Berufsgruppen wie Zugbegleiter und Bordgastronomen. Gewerkschaftschef Claus Weselsky hält es für möglich, noch vor Ostern einen Flächentarifvertrag für das Zugpersonal zu erreichen. Bahn-Personalchef Ulrich Weber erwartet jedoch, dass ein Gesamtergebnis erst nach den Feiertagen möglich ist. GDL und Bahn haben bereits Verhandlungstermine bis Mitte April vereinbart.

Die GDL verlangt für das Zugpersonal fünf Prozent mehr Geld, eine Stunde weniger Arbeitszeit und eine Begrenzung der Überstunden. Die Bahn hatte im Oktober 2014 ein Angebot vorgelegt. Es enthielt eine dreistufige Einkommenserhöhung um insgesamt fünf Prozent bei 30 Monaten Laufzeit und die Einstellung von 200 zusätzlichen Lokführern. Die Bahn will identische Ergebnisse in getrennten Verhandlungen mit der GDL sowie mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) erreichen, mit der die Arbeitgeber am Mittwoch in Frankfurt wieder zusammensitzen. Die EVG hat eine Forderungsliste mit 16 Punkten vorgelegt, darunter neben Entgeltforderungen auch familienfreundliche Arbeitszeitregelungen. Für kommenden Freitag ist eine weitere Verhandlungsrunde mit der GDL geplant. Sie hat in dem seit einem Dreivierteljahr dauernden Tarifstreit bisher schon sechs Mal gestreikt.


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Hintergrund225 Millionen Euro wegen verbotener Preisabsprachen hat die Deutsche Bahn 2014 bei Unternehmen eingetrieben, die ihr wirtschaftlichen Schaden zugefügt hatten. Nach Rückzahlungen an den Bund als indirekt Geschädigten sowie nach Abzug von Ausgaben für Anwälte und Wirtschaftsprüfer blieben dem Konzern von dieser Summe vor Zinsen und Steuern 75 Millionen Euro , schrieb die "Wirtschaftswoche". Der Stahlkonzern Thyssen-Krupp zahlte 160 Millionen Euro , dessen österreichischer Konkurrent Voestalpine 46 Millionen Euro . Beide waren Mitglieder des Schienenkartells, das sich zwischen 2001 und 2011 auf künstlich hochgetriebene Preise für Gleise und Weichen verständigt hatte. dpa