Bahnrad-WM in Pruszkow: Kluge und Reinhardt holen erstes deutsches Gold

Bahnrad-WM : Kluge und Reinhardt holen erstes deutsches Gold in Pruszkow

Roger Kluge und Theo Reinhardt haben am letzten Tag der Bahnrad-WM im polnischen Pruszkow im Zweier-Mannschaftsfahren für die erste deutsche Goldmedaille gesorgt.

Roger Kluge tauschte die arabische Wüstensonne gegen das Grau des Warschauer Spätwinters - und griff ohne Umwege zum Regenbogentrikot. Der deutsche Radprofi hat trotz Reisestrapazen und einer kurzen Eingewöhnungszeit für das ersehnte erste deutsche Gold bei den Bahnrad-Weltmeisterschaften in Polen gesorgt. An der Seite von Theo Reinhardt siegte Kluge am Sonntag im Zweier-Mannschaftszeitfahren und bescherte dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) einen glanzvollen Abschluss der Titelkämpfe.

Dabei waren Kluge und Reinhardt mit einem Nachteil angetreten. Kluge reiste erst am Sonntagmorgen von der UAE Tour in den Vereinigten Arabischen Emiraten an, wo er auf der Straße für das Team Lotto-Soudal gefahren war. Zwischen der Landung am Flughafen Warschau-Chopin mit Emirates-Flug EK 179 und dem Start des Rennens um 15.07 Uhr lagen nur rund dreieinhalb Stunden.

„Ich bin froh, dass es funktioniert hat. Es war ein großartiger Tag“, sagte Kluge. Reinhardt ergänzte: „Es war nicht einfach, hier den Titel zu verteidigen. Es war ein verrücktes Rennen, wir sind glücklich.“

Das fehlende gemeinsame Training machte sich auf der Bahn nicht bemerkbar, auch Kluge ließ keine Müdigkeit erkennen. Die anfängliche Zurückhaltung legte das Duo nach 50 Runden ab. Gemeinsam mit den Polen forcierten Kluge/Reinhardt eine Attacke und wurden 25 Runden später mit dem ersten von drei Rundengewinnen und 20 Zählern belohnt.

Im weiteren Rennverlauf blieben Kluge und Reinhardt aktiv und sammelten in den Zwischensprints weitere Punkte. In der Schlussphase geriet das BDR-Team durch die Dänen unter Druck, mit dem letzten Rundengewinn fünf Runden vor Schluss war die Entscheidung aber gefallen.

Für den BDR war es die insgesamt sechste Medaille bei den Titelkämpfen in Polen. Zuvor hatte die deutsche Auswahl zwei Mal Silber sowie drei Bronzemedaillen gewonnen. An die Bilanz des Vorjahres (4/0/2) kam der BDR nach dem tragischen Karriereende der zweimaligen Olympiasiegerin und elfmaligen Weltmeisterin Kristina Vogel aber nicht heran.

Ihren Teil zum Erfolg hatten am Samstag Lisa Brennauer und Lisa Klein mit Silber und Bronze in der Einerverfolgung beigetragen. Brennauer (Durach) musste sich im Finale der Australierin Ashlee Ankudinoff geschlagen geben, Klein (Saarbrücken) setzte sich im Duell um Platz drei gegen Kirstie James aus Neuseeland durch.

Brennauer war hin- und hergerissen. „Es ist schon schade. Natürlich wäre es geil gewesen, mit dem Regenbogentrikot nach Hause zu fahren“, sagte sie nach ihrer Finalniederlage. Andererseits sei Silber „etwas ganz Großes“. „Letztlich“, bilanzierte Brennauer, „überwiegt die Freude“.

Den sechsten Podestplatz verpasste Miriam Welte im 500-m-Zeitfahren denkbar knapp. Die Titelverteidigerin fuhr in ihrer Paradedisziplin auf den undankbaren vierten Platz - zwölf Tausendstel lag sie hinter der Australiern Kaarle McCulloch auf dem Bronzeplatz. Gold sicherte sich überlegen die Russin Daria Schmelewa mit 0,295 Sekunden Vorsprung vor Olena Starikowa aus der Ukraine.

Unbefriedigend verlief der WM-Abschluss am Sonntag für die deutschen Sprinterinnen. Im Keirin schied die Teamsprint-Dritte Emma Hinze (Cottbus) bereits im Hoffnungslauf aus. „Ich habe morgens schon gemerkt, dass es schwer wird. Ich habe mich leer gefühlt“, sagte Hinze: „Ich bin enttäuscht, aber ich muss das abhaken.“

Im Punktefahren der Frauen agierte Charlotte Becker (Datteln) glücklos, die 35-Jährige schied beim Titelgewinn der Australierin Alexandra Manly vorzeitig aus.

(sid/seka)
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