Azubis im Saarbrücker Zoo müssen tierlieb und flexibel sein

Azubis im Saarbrücker Zoo müssen tierlieb und flexibel sein

Von wegen den ganzen Tag mit den Affen schmusen: Zu den Aufgaben des Tierpflegers im Zoo gehören auch Gehege putzen und mit rohen Fleischbrocken hantieren. Wer sich für die Ausbildung entscheidet, sollte zuverlässig sein und wissen, worauf er sich bei seinem Traumberuf einlässt.

Mit einem Eimer Salat und einem Dutzend Möhren startet Elisha Hernandez in ihren Arbeitstag. "Als erstes steht das Kontrollfutter an", erklärt die Tierpflegerin-Azubi am Saarbrücker Zoo . "Damit prüfe ich, ob in den Gehegen nach der Nacht alles in Ordnung ist und ob die Tiere heute viel Hunger haben." Hernandez erster Besuch gilt Feuchtnasenaffen aus Madagaskar, den schwarz-weißen Varis. Ihr Hunger hält sich in Grenzen. Bei den Kattas, die auch zu den Feuchtnasenaffen zählen, hingegen ist der Ansturm auf den Eimer groß. Mirabelle, die "Chefin" sucht sich lieber selbst eine Karotte im Eimer aus, statt die zu essen, die die angehende Tierpflegerin ihr reicht. "So ist es eben, eine Möhre ist nicht gleich eine Möhre. Die Tiere haben ihren eigenen Kopf." Wer das verstanden hat, ist in diesem Beruf schon ein Stück weiter. Tiere sind lebende Wesen, die nicht immer so agieren, wie man sich das vorstellt. Wenn es etwas länger dauert, sollte man gelassen bleiben, rät Hernandez.

Die Lust auf die Arbeit im Zoo packte die Saarbrückerin bereits vor zehn Jahren, als sie dort nach der Schule ein Freiwilliges ökologisches Jahr absolvierte. Damals bot der Zoo keine Ausbildungsplätze an, also entschied sie sich anschließend für die Uni. Immer wieder jobbte sie neben dem Jura-Studium im Zoo, organisierte Kindergeburtstage. Als es nach dem Studium "ernst wurde und ich dann entscheiden musste, was ich mein Leben lang machen will, war die Wahl klar".

Jedes Jahr wird ein einziger Ausbildungsplatz am Saarbrücker Zoo angeboten. An Bewerbern mangelt es dagegen nicht. Die 30-Jährige punktete mit ihrer langjährigen Praxiserfahrung und empfiehlt deshalb jedem, der die Ausbildung anstrebt, vorher ein Praktikum zu machen. "Damit kann man sich nicht nur in der Struktur bekannt machen, sondern auch für sich entscheiden, ob der Job wirklich das Richtige ist." Zwar steht der Kontakt zu den Tieren im Mittelpunkt, doch die Pfleger verbringen viele Stunden damit, Gehege sauber zu machen und das Futter für die Tiere zuzubereiten. Dazu gehören auch rohes Fleisch für die Raubtiere und lebende Mäuse für die Schlangen. "Man bewegt sich den ganzen Tag, und es ist nicht immer pünktlich Feierabend", ergänzt Hernandez. Was für sie selbstverständlich ist, sollten sich aber junge Menschen bewusst machen, die manchmal ein idealisiertes Bild von dem Beruf haben. Die Tiere müssen versorgt werden, egal ob Wochenende ist oder draußen Minustemperaturen herrschen. Die Entscheidung sollte also gut überlegt werden - wie bei Elisha Hernandez.

Gerade steht sie in der Küche und schneidet weiteres Gemüse für die nächsten Feuchtnasenaffen. Rund neun Wochen bleibt sie in diesem Revier, dann geht's zu den nächsten Tieren. "Wenn man die gleichen Tiere wochenlang betreut, lernt man jedes einzelne kennen", sagt Hernandez. Mit der Betreuung ihrer Schützlinge erfüllt sie sich nicht nur einen Traum, sondern verfolgt Tag für Tag ein konkretes Ziel: "Ich bin hier, damit sich die Tiere am wohlsten fühlen."

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Auf einen BlickNeben dem Schwerpunkt "Zoo" werden Tierpfleger auch in den Bereichen "Tierheim" und "Forschung" ausgebildet. Im Saarland absolvieren die Azubis zum Zootierpfleger den Praxisteil in Neunkirchen oder Saarbrücken . Der Unterricht findet in Blockseminaren an der Berufsschule in Ettlingen bei Karlsruhe statt. Neben Mathe, Deutsch und Sozialkunde stehen auch Fächer wie Futtermittelkunde, Holz- und Metallarbeiten und Zuchtplanung auf dem Lehrplan. hem