Auto-Versicherer erhöhen die Preise

Berlin. Bei Autoversicherern deutet sich eine Trendwende an: Jahrelang konnten Deutschlands Autofahrer bei einem Versicherungswechsel zum Stichtag Ende November deutlich sparen. Doch viele unter dem unerbittlichen Preiskampf ächzende Versicherer erhöhen die Tarife - sparen kann man zwar immer noch, aber lange nicht mehr so viel wie bisher

Berlin. Bei Autoversicherern deutet sich eine Trendwende an: Jahrelang konnten Deutschlands Autofahrer bei einem Versicherungswechsel zum Stichtag Ende November deutlich sparen. Doch viele unter dem unerbittlichen Preiskampf ächzende Versicherer erhöhen die Tarife - sparen kann man zwar immer noch, aber lange nicht mehr so viel wie bisher. Auto-Fachmann Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach geht für die nächsten Jahre sogar von einem Preisanstieg von durchschnittlich zehn bis 15 Prozent aus. Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen ist dagegen skeptisch: "Ein Ende des Preiskampfes ist sicher mehr Wunsch als Wirklichkeit." Faktisch steigen die Preise im Neugeschäft, also für Autofahrer, die ihre Versicherung und das Fahrzeug wechseln. Erstmals seit 2005 habe das Vergleichsportal Check24 bis Anfang November einen Prämienanstieg festgestellt - und zwar von vier Prozent im Vergleich zu 2009, sagte Check24-Sprecher Daniel Friedheim. Versicherungswechsler werden dagegen weiter umworben: Die Durchschnittsprämie in der Kfz-Haftpflicht sei seit August etwa 29 Prozent gesunken - allerdings waren es im Vorjahr noch 40 Prozent. In den vergangenen Jahren haben die Autoversicherer deutliche Verluste hinnehmen müssen. Nach Schätzungen des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) haben die Autoversicherer im vergangenen Jahr im eigentlichen Geschäft einen - sogenannten versicherungstechnischen - Verlust von 700 Millionen Euro gemacht. Für 2010 sei sogar ein Minus von 1,1 Milliarden Euro zu erwarten. "Kaum ein Kraftfahrtversicherer schreibt versicherungstechnische Gewinne. Bei vielen Unternehmen setzt daher jetzt ein Umdenken und Gegensteuern ein", sagte GDV-Präsident Rolf-Peter Hoenen. 1980 habe der Durchschnittsbeitrag in der Kfz- Haftpflichtversicherung bei 210 Euro gelegen - bei knapp 27 Millionen versicherten Fahrzeugen. Im vergangenen Jahr waren rund 55,5 Millionen Autos versichert - und der Durchschnittsbeitrag lag bei 219 Euro. Mit dem niederländischen Unternehmen Ineas und LadyCarOnline ging erstmals seit Kriegsende ein in Deutschland tätiger Kfz-Versicherer in die Insolvenz.Nach Einschätzung des ADAC ist der Preiskampf noch längst nicht zu Ende. In der Branche herrsche ein Verdrängungswettbewerb, die Marktbereinigung sei in vollem Gange, sagt ADAC-Sprecher Jochen Oesterle. "Diejenigen, die gezockt haben, müssen nun büßen", sagte er. Der ADAC habe seine Preise "moderat" angehoben. Auch die HUK-Coburg geht davon aus, dass der Preiskampf weitergeht. Die Zahl der Autos steige nur geringfügig, sagte Sprecher Alois Schnitzer. "Wenn aber die Wachstumsmöglichkeiten begrenzt und die Verbraucher preissensibel sind, dann führt dies zu Verdrängungswettbewerb." An sich nötigen Preiserhöhungen seien damit Grenzen gesetzt. Allerdings steige die Zahl der Schäden seit Jahren stärker als der Bestand, dies treibe die Preise eher nach oben. Der Tarif zum 1. Januar 2011 sei etwas günstiger als der aktuelle, liege aber über dem Tarif von Januar 2010. Die Allianz hat ihre Preise im Herbst nach eigenen Angaben "leicht angepasst".

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