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Ausdrucksstarke Stimmungsbilder der Tastenzauberin Ewa Kupiec

Illingen. Helmut Fackler

In einer Sonntags-Matinée der Musikfestspiele Saar war Ewa Kupiec - Solistin des Eröffnungskonzertes am Samstag - in der Illipse in Illingen zu Gast. Mit ihren Lieblingskomponisten im Programm, das dem trüben Regentag angenehme Wärme verlieh. Vor mystisch blauem Bühnenhintergrund begann die polnische Tastenzauberin mit den "Impromptus D 899", die Franz Schubert ein Jahr vor seinem Tod veröffentlicht hat. Es sind ausdrucksstarke Stimmungsbilder, von Kupiec mit differenzierender Gestaltung in die Nähe romantischer Gestik gerückt, ohne sich in Romantizismen zu verlieren. Sie dramatisierte gemessen, ließ die Melodien strömen und riskierte bei extrem sanft-leisen Feinheiten auch ein paar Webfehler.

Nach der Pause bot sie mit einer Auswahl aus Felix Mendelssohn-Bartholdys "Lieder ohne Worte" eine Rarität im Programm gängiger Klavier-Recitals. Es sind Miniaturen mit reichem Ausdrucksspektrum, das sich durch die geschickte Auswahl meist schneller Titel auch der einengenden Kritik als "pure Gefühligkeit" entzog. Kupiec servierte diese Köstlichkeiten mit musikantischer Freude, technischer Brillanz und reichem Klang. Besonders zu Hause jedoch fühlt sich die Künstlerin bei Frédéric Chopin . Ewa Kupiec blühte hör- und sichtbar auf. Leidenschaft inspirierte und belebte drei "Impromptus", Und als im Fantasie-Impromptus cis-moll die Sechzehntel-Girlanden über den Basssextolen abwechselnd im und gegen den Takt gewoben waren, gab es für das begeisterte Publikum kein Halten. Den Bravos ließ die großartige Chopin-Interpretin das Nocturne cis-moll folgen, ein hoffnungsvoller Sieg der Entschlossenheit über Wehmut und Schmerz.