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Rechtsextremismus-Verdacht
Empörung über früheren Trierer Professor

Wachturm, Stacheldrahtzaun und ein Hund: So stellt sich Martin Wagener wohl Deutschlands Grenze vor (Buchcover).
Wachturm, Stacheldrahtzaun und ein Hund: So stellt sich Martin Wagener wohl Deutschlands Grenze vor (Buchcover).
München/Trier. Der heutige BND-Ausbilder fordert einen Schutzwall rund um Deutschland. Nur die AfD findet das gut. Von Daniel Kirch
Daniel Kirch

Chefkorrespondent Landespolitik

Ein ehemaliger Wissenschaftler der Universität Trier, der bei München heute Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) ausbildet, sieht sich mit Rechtsextremismus-Vorwürfen konfrontiert. Berichten von „Kontraste“ und „T-Online“ zufolge prüft der BND dienstrechtliche Maßnahmen gegen den 47-Jährigen.


Grund dafür ist, dass Martin Wagener in seinem neuen Buch einen „neuen Schutzwall“ für Deutschland fordert. In dem Buch attestiert Wagener Deutschland, die Kontrolle über seine Grenzen verloren zu haben. Auf dem Buchrücken heißt es, „die Vertreter der politisch-medialen Elite“ setzten weiterhin auf jene Instrumente, die mehrfach versagt hätten: den Schutz der EU-Außengrenze und die Integration der Neuankömmlinge. Zudem hofften sie, dass sich die Deutschen an das gewöhnten, was durch offene Grenzen zugenommen habe: „Terroranschläge, Wohnungseinbrüche, Vergewaltigungen und andere Verbrechen.“

Eine BND-Sprecherin erklärte, der Text des Buches werde derzeit geprüft. Wagener gebe darin aber „ausschließlich seine persönliche Meinung“ wieder.



Wagener ist Professor an der Außenstelle der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Haar bei München. Dort befindet sich die Abteilung BND der Hochschule. Zuvor war er von 2001 bis 2012 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Juniorprofessor in der Politikwissenschaft der Universität Trier, Lehrstuhl für Internationale Beziehungen/Außenpolitik. Dort studieren auch viele Saarländer, die etwa Sozialkunde-Lehrer werden wollen.

In Trier galt Wagener als schillernder Dozent, der den Seminarraum statt im bei Politologen üblichen Strickpullover stets im akkuraten Dreiteiler betrat. Bekannt war er für seine hohen Ansprüche und seine konservativen Ansichten. Als er Afghanistan-Veteranen der Bundeswehr zum Vortrag an die Uni einlud, beklagte sich der Asta über „Kriegspropaganda“. Viele linke Studenten mieden Wageners Seminare.

Laut „Bild“ schweben Wagener nun große Grenzübergangsstellen vor, um die Sicherheit sollen sich Wärmebildkameras, Nummern- und Ausweis-Scanner und 90 000 Grenzschützer kümmern. Mit Abschottung habe dies nichts zu tun, so Wagener. Die Kosten für die Grenztruppen beziffert er auf 9,3 Milliarden Euro pro Jahr, für den Bau der Grenzanlage auf 20 Milliarden Euro einmalig.

AfD-Fraktionschefin Alice Weidel lobte, Wageners Vorschlag sei „fundiert und könnte als Blaupause für eine effiziente Kontrolle unserer Grenzen dienen“. Die Linken-Politikerin Martina Renner bezeichnete Wagener gegenüber „Kontraste“ und „T-Online“ hingegen als „Propagandisten der Neuen Rechten“. Seine Aussagen würden „nur so vor Rassismus und Verschwörungstheorien“ strotzen. SPD-Mann Uli Grötsch bezeichnete Wageners Ansichten als „völlig durchgeknallt“ und „krude“.