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Aus kleinen Anfängen heraus an die Spitze der Macht

Frankfurt. Salopp mit Rucksack wie ein Student, ein breites Lächeln im Gesicht - so smart tritt Anshu Jain gerne auf. Als einer der beiden Co-Chefs der Deutschen Bank ist der gebürtige Inder mit britischen Pass seit Juni 2012 einer der mächtigsten Männer der internationalen Finanzszene

Frankfurt. Salopp mit Rucksack wie ein Student, ein breites Lächeln im Gesicht - so smart tritt Anshu Jain gerne auf. Als einer der beiden Co-Chefs der Deutschen Bank ist der gebürtige Inder mit britischen Pass seit Juni 2012 einer der mächtigsten Männer der internationalen Finanzszene. Im Grunde war er das schon zuvor: Am Kapitalmarkt verdiente er Milliarden für seinen Arbeitgeber - und kassierte selbst schon lange mehr als sein damaliger Chef Josef Ackermann. Am heutigen Montag wird Jain 50 Jahre alt. Gefeiert wird nach Angaben der Bank privat im kleinen Kreis mit Familie und einigen Freunden.Als der "Geldmacher" und langjährige Kronprinz im Juni 2012 auf den Chefsessel des Dax-Konzerns rückte, war der öffentliche Aufschrei groß: Ausgerechnet ein Investmentbanker Londoner Prägung, der nicht einmal Deutsch spricht, sollte Deutschlands größtes Geldhaus führen? Schnell war von "Anshus Army" die Rede, einer Horde zockender Investmentbanker, die die Macht in den Zwillingstürmen im Frankfurter Bankenviertel an sich zu reißen drohe. Doch Jain und sein Partner Jürgen Fitschen lassen seit ihrem Amtsantritt öffentlich keinen Zweifel daran, dass sie an einem Strang ziehen. "Anshu sagte mir einmal, dass er mit mir mehr spricht als mit seiner Frau. Das ist langfristig natürlich gar nicht gut für die Ehe", schilderte Fitschen - und Jain sekundierte: "Das ist tatsächlich vergleichbar mit einer Ehe. Man muss viel einbringen, aber man hat auch gemeinsame Werte."


Erklärtes Ziel der beiden Top-Manager: Die Deutsche Bank wieder näher an die Menschen heranführen und damit auch das ramponierte Image einer ganzen Branche aufpolieren. "Kulturwandel" nennt das Führungsduo dieses Unterfangen. Auch Jain musste sich eingestehen, dass daran kein Weg vorbeiführt: "Wenn Sie in diesen Tagen auf eine Party gehen und sagen, dass Sie Banker sind, wird es ganz still."

Nicht immer drängt sich Jain ins Rampenlicht. Zur Anhörung des Bundestags-Finanzausschusses zu den Manipulationen des Libor-Zinssatzes erschien er nicht, die Bank schickte den für Rechtsfragen zuständigen Vorstand Stephan Leithner. Dafür musste Jain sich anschließend öffentliche Kritik von Vorgänger Josef Ackermann gefallen lassen. Dieser hatte angemerkt, er wäre selbst zur Anhörung gegangen und hätte dies zur Chefsache gemacht.

1963 geboren im indischen Jaipur studierte Anshu Jain Wirtschaft in Delhi und in den Vereinigten Staaten. Seine Karriere begann er bei einer kleinen Investmentbank in New York. 1988 wechselte Jain dann zu Merrill Lynch und kümmerte sich um vorrangig um das Geschäft mit Hedgefonds.

1995 wechselte der Banker zur Deutschen Bank nach London. Gemeinsam mit seinem Förderer Edson Mitchell, der 2000 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, machte er die Deutsche Bank zu einer der führenden Investmentbanken weltweit. Deutsche-Bank-Mitarbeiter beschreiben den Einkommensmillionär Jain als zurückhaltend und unprätentiös. Der verheiratete Vater von zwei Kindern ist Anhänger der indischen Jain-Religion, zu deren wichtigsten Prinzipien die Gewaltlosigkeit zählt. dpa Foto: dpa