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| 21:21 Uhr

Aus für Doc-Morris-Apotheke

Saarbrücken. Das saarländische Gesundheitsministerium hat nicht lange gefackelt: Drei Tage, nachdem der Europäische Gerichtshofs (EuGH) das deutsche Fremdbesitzverbot von Apotheken für rechtens erklärt hat, hat das Ministerium gestern der Doc-Morris-Apotheke in Saarbrücken die Betriebserlaubnis entzogen. Nur noch gestern durfte sie geöffnet bleiben Von SZ-Redakteur Joachim Wollschläger

Saarbrücken. Das saarländische Gesundheitsministerium hat nicht lange gefackelt: Drei Tage, nachdem der Europäische Gerichtshofs (EuGH) das deutsche Fremdbesitzverbot von Apotheken für rechtens erklärt hat, hat das Ministerium gestern der Doc-Morris-Apotheke in Saarbrücken die Betriebserlaubnis entzogen. Nur noch gestern durfte sie geöffnet bleiben. Am vergangenen Dienstag hatte der EuGH deutsches Recht bestätigt, nachdem nur Pharmazeuten Apotheken betreiben dürfen (Az: C-171/07 und C-172/07). Apothekenketten, bei denen Pharmazeuten nur angestellt sind, sind demnach verboten. Das aber genau ist in Saarbrücken der Fall. Die Apotheke in der Kaiserstraße gehört zum Doc-Morris-Konzern, Apothekerin Jutta Müller arbeitet als Angestellte.Der Schließungsbeschluss kommt denn auch nicht überraschend: "Dass die Apotheke in Saarbrücken jetzt geschlossen wird, ist der logische Lauf der Dinge nach dem EuGH-Urteil vom 19. Mai." lautet der knappe Kommentar des Doc-Morris-Chefs Ralf Däinghaus. Auch Apotheken-Chefin Jutta Müller sieht die Schließung als eine logische Folge des Urteils: "Wir müssen jetzt sehen, was in Saarbrücken weiter geschehen wird." Sowohl sie wie auch ihre neun Mitarbeiter in der Apotheke und die rund 15 Mitarbeiter im angeschlossenen Versandhandel hätten von Doc Morris eine Beschäftigungsgarantie erhalten, sagte Müller. Weniger als um ihre eigene Zukunft war sie gestern um das Wohl der Patienten besorgt, die noch Rezepte in der Apotheke liegen hatten. Müller hofft, dass eine Art Notabwicklung möglich sein wird.Dass die Apotheke überhaupt seit 2006 betrieben werden konnte, liegt am Widerspruch zwischen dem deutschen Apothekengesetz und dem EU-Recht der Niederlassungsfreiheit. Weil er EU-Recht höher als nationales Recht einschätzte, erteilte der damalige Saar- Gesundheitsminister Josef Hecken (CDU) der Apotheke die Betriebsgenehmigung. Sehr zum Missfallen der saarländischen Apothekerkammer, die postwendend vor dem Verwaltungsgericht Klage erhob. Carsten Wohlfeil, Geschäftsführer der Apothekerkammer, hält es für unabdingbar, dass die Inhaber auch Apotheker sind. Nur dann sei eine verantwortungsvolle medizinische Versorgung gewährleistet: "Wenn Sie mit Ihrem gesamten Vermögen haften, haben Sie einfach eine andere Einstellung und auch weit mehr Verantwortungsgefühl als ein Angestellter." Das wirke als Ausgleich gegen das Gewinnstreben eines Unternehmers, dem sich natürlich auch ein Apotheker nicht entziehen könne.Jürgen Presser, Landesvorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU Saar sieht das Urteil als eine vermeidbare Niederlage für die Landesregierung. Er habe Ministerpräsident Peter Müller (CDU) schon vor drei Jahren darauf hingewiesen, dass das Land dem Bundesrecht folgen muss: "Es wäre sinnvoller gewesen, vor einer Betriebsgenehmigung erst eine Entscheidung aus Brüssel abzuwarten." "Dass die Apotheke in Saarbrücken geschlossen wird, ist der logische Lauf der Dinge nach dem EuGH-Urteil vom 19. Mai." Doc-Morris-Chef Ralf DäinghausMeinung

Schlechter Stil

Von SZ-RedakteurJoachim Wollschläger Apothekerin Jutta Müller musste von der Presse erfahren, dass ihre Apotheke geschlossen wird. Der offizielle Schließungsbescheid kam erst später an. Das ist schlechter Stil, zeigt aber, dass das Gesundheitsministerium bemüht ist, schnell auf das Urteil aus Brüssel zu reagieren. So sehr das Land drei Jahre lang bemüht war, die Betriebserlaubnis der Apotheke in Saarbrücken zu verteidigen, so schnell hat sie diese jetzt entzogen.Die Apotheker haben gesiegt. Die nach ihrer Ansicht beste Versorgung der Kunden hat sich durchgesetzt. Beim Gedanken an große Ketten ohne angestellte Apotheker mögen sie durchaus Recht haben - in der Saarbrücker Apotheke gab es aber kaum Anlass, sich wegen schlechterer Versorgung zu beklagen.