Auge in Auge mit dem Kunstobjekt

Auge in Auge mit dem Kunstobjekt

Saarbrücken. Augen, überall Augen. Gut dreißig Nagetiere auf weißem Grund schauen den Betrachter von den Wänden an. Mal blicken sie niedlich drein, dann wieder stieren sie aus rot glühenden, feurigen Augen. Das "Kleine Monströse'' nennt Vera Kattler ihre kleinformatigen Öl-auf-Papier-Malereien

Saarbrücken. Augen, überall Augen. Gut dreißig Nagetiere auf weißem Grund schauen den Betrachter von den Wänden an. Mal blicken sie niedlich drein, dann wieder stieren sie aus rot glühenden, feurigen Augen. Das "Kleine Monströse'' nennt Vera Kattler ihre kleinformatigen Öl-auf-Papier-Malereien. Wie Mutationen wiederum wirken die Plastiken von Tanja Holzer-Scheer, die die Betrachter aus Glasaugen zu beobachten scheinen, wie sie sich staunend durch den Raum bewegen, den Blick nach oben gerichtet. Denn die Künstlerin hat eine begehbare Rauminstallation geschaffen, in der dutzende ihrer knallbunten, neonfarbenen Phantasie-Objekte an Fäden von der Decke schweben. Man fühlt sich wie in einem Aquarium oder in einer Traumwelt. Anfassen möchte man die zarten spinnenartigen Wesen, die stacheligen Kugeln mit Borsten, Schwänzen, Haaren - kreiert aus allen nur denkbaren Verpackungsmaterialien vom Wischmopp bis zur Bügelperle. Sind es Fische, Quallen oder Amöben? Man möchte gar nicht aufhören zu gucken und wundert sich über die Schönheit dieser seltsamen, filigranen, zerbrechlich wirkenden Kreaturen, die immer dann verstörend wirken, wenn man sie genau studiert und ihnen Auge in Auge gegenübersteht. Tanja Holzer-Scheer hat einen unverkennbaren Stil entwickelt. Ihre äußerst originellen Plastiken wirken nur auf den allerersten, flüchtigen Blick kitschig. Bei genauem Hinsehen sind es komplexe Kunstwerke, die vielfältige Assoziationen hervorrufen.Auch Vera Kattlers Tier-Bilder sind nicht bloß niedlich. Genauso wie es Babys nicht immer sind. Hier entsteht der Bezug zum Titel der Ausstellung: Denn als "Wechselbalg'' bezeichnete man im Mittelalter ein gegen ein menschliches Kind ausgetauschtes dämonisches Wesen. Oft galt ein behindertes oder deformiertes Baby damals als "Wechselbalg''. Die Künstlerinnen interessieren sich für Deformationen, für Abweichungen vom Normalen, für das Abgründige, Unerklärliche in der Natur. Vor diesem Hintergrund macht auch der Titel der Ausstellung Sinn.esb

Oben: Objekte von Tanja Holzer-Scheer. Darunter: Tier von Vera Kattler. Fotos: Kattler/A. Klein.

Läuft bis 4. Dezember. Di-Fr: 10-15 Uhr. Do-So: 16-19 Uhr.