Auferstehungssinfonie mit James-Bond-Thrill

Auferstehungssinfonie mit James-Bond-Thrill

Die Spielzeit der Deutschen Radio Philharmonie ist noch nicht zu Ende, doch mit einer überragenden Interpretation von Mahlers Sinfonie Nr. 2 („Auferstehungssinfonie“) krönte Chefdirigent Karel Mark Chichon nun die Saison.

Der Maestro eilt flinken Fußes zur Congresshalle. Eben so noch just in time - wie man bei einem Briten wohl sagen darf. Das forsche Tempo aber stoppt Karel Mark Chichon rechtzeitig beim Schritt aufs Dirigentenpult. Bei Mahlers zweiter Sinfonie, diesem mit Chor, Gesangssolisten, Fernorchester, Lied, Volks- und Kirchenmusik, weit über die Gattungsgrenzen ragenden Werk, wäre Hatz genauso fatal wie sich Zeit lassen über Gebühr. Wer Zuhörer über 80 Minuten hinweg bannen will, sie bald im Ländler-Takt wiegt, bald mehrfachen Fortissimo-Donnern aussetzt, muss gestalterische Mittel überlegt einsetzen.

Chichon schafft das mit der Deutschen Radio Philharmonie (DRP) am Sonntag mit scheinbar traumwandlerischer Sicherheit. Wüsste man nicht um die intensive Probenarbeit, es hätte was von Hexenwerk. Ja, manchmal verblüfft es auch, wenn der DRP-Chefdirigent den ersten Satz mit dem Thrill eines James-Bond-Soundtracks spielen lässt. So markig die Streicher, so abgründig die Bassfiguren in diesem Satz, der wie ein Solitär in der Sinfonie wirkt. Vielleicht hätte man dieser "Totenfeier" mehr Feierlichkeit, mehr Getragenheit gewünscht, doch wenn ein Orchester so spielt, so - positiv - von seinem Dirigenten gefordert wird, wirkt selbst ein 120 Jahre altes Werk erfrischend neu. Vielleicht ist es dann auch kein Zufall, dass so erfreulich viele junge Zuhörer in der Congresshalle sind.

Die sollten eigentlich mit diesem Konzert für die Leidenschaft Klassik gewonnen sein. Der üppige, auch sinnliche Klang, die enorme Präzison der DRP dabei, die vielen Partitur-Details, die mit Passion herausgearbeitet werden samt der solistischen Glanzleistungen, können, müssen süchtig machen. Dass Gerhild Romberger zudem "O Röschen rot" im vierten Satz mit nobler Stimme und voller Innerlichkeit singt und für den Finalsatz eine zweite exzellente Solistin (Olga Mykytenko) und mit dem Ch{oelig}ur Lorrain ein perfekt vorbereitereter Chor bereit steht, rundet das Bild zur Perfektion.

So mitreißend ist das, dass das Publikum nach dem letzten Takt seiner Begeisterung sofort klatschend Luft machen will, bevor Chichon überhaupt die Hände senkt. Der Dirigent wirkt kurz irritiert - doch kann es ein schöneres Kompliment geben?