Auf der Spur der Kreatur

Auf der Spur der Kreatur

Ihre Fotografien von Tieren kann man im „Stern“, in „Geo“ und im „View“ sehen. Eine Auswahl von 100 Bildern der Fotografen Heidi und Hans-Jürgen Koch zeigt nun das Deutsche Zeitungsmuseum in Wadgassen.

Nein, das ist keine Brosche auf einem flauschigen Teppich – sondern das Auge eines Papageis in Nahaufnahme.

Seit 25 Jahren arbeiten Heidi und Hans-Jürgen Koch nun gemeinsam als Tierfotografen. 1990 veröffentlichten die Sozialarbeiterin und der Verhaltensbiologe eine Geschichte über Hausmäuse im "Stern". Die Fotoreportage "Dass uns bloß nie die Mäuse ausgehen" schlug ein wie eine Bombe, das Magazin wurde mit Leserpost überhäuft. Seither veröffentlichen die Kochs in allen großen Illustrierten, darunter "Geo", "mare", "View" und "Stern". Für ihre Fotoreportagen erhielten sie unter anderem den Dr.-Erich-Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie.

Die beiden Berliner reisen für ihre Aufnahmen quer durch die Welt, sie fotografierten Kamele und Nomaden in der Mongolei, eine Tierstation in Afrika, Hamster im Labor, einen Flohzirkus in San Francisco und dokumentierten den Boom großer Schau-Aquarien in den USA und Japan. Das Zeitungsmuseum in Wadgassen ehrt das Paar nun auf zwei Ebenen mit einer Retrospektive aus 100 Fotos. Die Ausstellung zeigt eindrücklich, wie nah Presse- und Kunstfotografie manchmal beieinander liegen. Die Bilder gewähren nicht nur einen tiefen Einblick in die Welt der Tiere und offenbaren so manches Rätsel der Natur, viele Serien haben einen künstlerischen Charakter. Insbesondere die Nahaufnahmen besitzen einen ganz eigenen Charme. Die in allen Blautönen schimmernden Schuppen eines Schmetterlings erinnern an ein Brokatgewebe, ein sich im Wasser spiegelndes Eisbärenfell in Schwarzweiß könnte auch ein abstraktes Gemälde sein; die Makroaufnahme der Facettenaugen einer Libelle wirken wie ein technisches Meisterwerk.

Etwas Besonderes sind die Schwarzweißaufnahmen von Bisons in der Prärie. Gerade erst hat das Paar für einen Bildband über die riesigen Büffel den Deutschen Fotobuchpreis in Gold bekommen. Ästhetisch sind die Fotos sehr reizvoll, genauso wie die Schwarzweißfotos von Eisbären oder die Aufnahmen von Gorillas.

Nur selten ist es aber die Ästhetik alleine, die die Bilder sehenswert macht. Die Bildstrecken erzählen Geschichten. Es ist bemerkenswert, wie die Kochs es schaffen, jedes Mal eine individuelle fotografische Annäherung an die abzulichtenden Kreaturen zu finden. Wohl auch darum möchten sie nicht so gerne als klassische Tierfotografen gesehen werden: Sie bezeichnen sich selbst lieber als "Lebensform-Fotografen".

Bis 29. März. Dienstags bis donnerstags von 10 bis 16 Uhr.