Auf den Boulevards der Metropolen

Auf den Boulevards der Metropolen

Gilad Atzmon – Jazzmusiker, Autor und politischer Aktivist jüdischer Herkunft. Aufgewachsen ist er in Tel Aviv, wohnhaft in London, berühmt und berüchtigt ist er bei Landsleuten und Israel-Solidarisierenden.

Nachdem er den Libanonkrieg 1982 als Rettungsassistent der israelischen Armee Gegner des Staates Israels und des Zionismus. In seinen satirischen Romanen greift er die Grundfeste Israels an. Er fordert die Auflösung Israels zugunsten eines gesamtpalästinensischen Staates.

Dass Atzmons Auftritte (auch hierzulande) regelmäßig Proteste heraufbeschwören, mag nicht verwundern. Atzmon hält eben nicht den Mund und will seine Musik als "eine innovative Form des Widerstands" verstanden wissen. Ein Anspruch, der sich im Namen seiner Mitmusiker niederschlägt. The Orient House Ensemble (OHE) spielt auf das frühere PLO-Hauptquartier in Ostjerusalem an und transportiert somit natürlich Solidarität mit den Palästinensern.

Doch auf dem neuesten Album von Atzmon und seinem Ensemble sind derartige Töne nicht zu vernehmen. "Songs of the Metropolis" ist ein unverfänglicher musikalischer Spaziergang durch acht Metropolen. Atzmon brilliert mit seinem einfühlsamen Saxophon- und Klarinettenspiel, das zwischen flehentlich-verzweifelten und leichtfüßig-tänzelnden, getragenen und schnellen Parts hin und her schwankt. Wie ein Spaziergang über belebte Boulevards mit kurzen Abstechern in verlassene Nebenstraßen. Man folgt ihm und dem Ensemble gerne dabei.

Gilad Atzmon & The Orient House Ensemble: Songs of the Metropolis (World Village).

Am 23.4. gastiert Atzmon im L'inoui in Luxemburg, am 26.4., 20 Uhr, im Kulturzentrum Altes Rathaus in Saarwellingen.