Auf dem Weg zu einer besseren Welt

Auf dem Weg zu einer besseren Welt

Eine Reise nach Grootbos macht Hoffnung. Die Menschen an diesem Fleckchen Erde nahe Gansbaai, 170 Kilometer östlich von Kapstadt, versuchen, der rauen Wirklichkeit in Südafrika ein Paradies abzutrotzen, und kommen dabei erstaunlich weit voran. Bei der Ankunft ahnt ein Urlauber davon noch nichts. Mit dem ersten Eindruck sind die üblichen Urlaubswünsche erfüllt

Eine Reise nach Grootbos macht Hoffnung. Die Menschen an diesem Fleckchen Erde nahe Gansbaai, 170 Kilometer östlich von Kapstadt, versuchen, der rauen Wirklichkeit in Südafrika ein Paradies abzutrotzen, und kommen dabei erstaunlich weit voran. Bei der Ankunft ahnt ein Urlauber davon noch nichts. Mit dem ersten Eindruck sind die üblichen Urlaubswünsche erfüllt. Alles entspricht dem, was man von einem Fünf-Sterne-Urlaubsdomizil in einem Naturreservat erwartet: gediegen und großzügig ausgestattete Lodges, feine Küche, zuvorkommender Service und rund um diese Luxuswelt pure Natur. Auch die Aussicht auf die Bucht und das Meer hält, was der Reisekatalog verheißen hat. Und für die nächsten Tage locken allerlei Aktivitäten: Bootstouren, um Wale, Pinguine, Delfineoder Haie zu beobachten, Strandspaziergänge, Wanderungen durch das Naturschutzgebiet sowie Baden und Reiten.Die wahre Entdeckung von Grootbos beginnt, sobald man sich an den geführten Touren beteiligt, zum Beispiel an einer Blumen-Safari. Der 27-jährige Phindile Siko lenkt den Jeep ins Buschland, den Fynbos - ein Wort aus dem Afrikaans, das "feiner Busch" bedeutet. Die gesamte Kapregion ist von hartblättrigen Büschen und vielen Blütenpflanzen wie Geranien oder Gladiolen geprägt, die wir nur aus Gärten kennen. Ein einzigartiges Pflanzenreich, das jedoch in seinem Bestand bedroht ist - von wachsenden Städten, intensiver Landwirtschaft und eingeschleppten fremden Arten.Siko stoppt. Rechts des Wegs leuchtet ein roter Blütenschirm. Eine "Brunsvigia orientalis" - aus der Familie der Amaryllisgewächse, stellt der Tour-Guide fachkundig fest. Phindile Siko ist ein wandelndes Pflanzenlexikon, er kennt alle Arten in Grootbos, immerhin 756 an der Zahl, davon 102, die auf der roten Liste bedrohter Spezies stehen. Das Luxusurlaubsziel ist offenbar eine kleine "Arche Noah". Auf 1800 Hektar wird der ursprüngliche Fynbos bewahrt, auch mehrere Nachbarn machen mit, so kommt man sogar auf 14 000 Hektar, die Privatleute unter Naturschutz gestellt haben. Woher Siko sein enormes Wissen hat? "Das ist mein Job", antwortet er bescheiden. Wer nachhakt, stößt auf eine weitere Dimension von Grootbos. Inhaber und Chef Michael Lutzeyer hat mehrere soziale Hilfsprojekte auf die Beine gestellt. Eines davon heißt "Green Futures" ("Grüne Zukunft"). Junge Arbeitslose aus dem Schwarzenviertel der nahen Stadt Gansbaai können sich in dem Reservat zu Gärtnern und Naturpflegern ausbilden lassen und sich viele weitere nützliche Fähigkeiten und Kenntnisse aneignen: zum Beispiel flüssiges Englisch, einen Führerschein und Wissen darüber, wie man sich vor dem in Südafrika weit verbreiteten Aids-Virus schützt. "60 Schüler haben seit Gründung der Schule 2003 die Prüfungen bestanden, und jeder hat Arbeit gefunden", berichtet Lutzeyer. Das will etwas heißen in einem Land, in dem rund die Hälfte der Schwarzen arbeitslos sind. Welch großen Wert solche Projekte haben, wird dem Gast spätestens klar, wenn er einen der Grootbos-Angestellten daheim besucht. Ein Blick in Richard Gosas karge Hütte aus Holz und Blech genügt: ein Sofa und ein Bett, aber kein Bad, keine Dusche. Eine Toilette muss er sich mit mehr als 100 anderen Bewohnern des Townships teilen. Einziger Komfort ist ein Fernseher. Gosa gehört zu den Bessergestellten, eben weil er einen Job hat. Sein Gehalt muss aber auch für seine Mutter, vier Brüder und zwei Cousins reichen. Die Armut, unter der Südafrika so sehr leidet, bekommt hier Gesichter. Zugleich machen die Urlauber die Erfahrung, dass sich die krassen sozialen Gegensätze mildern lassen, wie das beharrliche und energische Engagement Lutzeyers und seiner Mitstreiter beweisen. Die Erfolge sind sichtbar. Kein Wunder, dass so mancher Gast schließlich mittun möchte, sei es durch eine Spende oder mit Ideen - für einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einer besseren Welt.

Auf einen BlickGrootbos-Inhaber Michael Lutzeyer ist im März von der Zeitschrift "Geo Saison" mit der "Grünen Palme" für sanften Tourismus ausgezeichnet worden. Eine Übernachtung in der Grootbos Nature Reserve in Gansbaai ist beim Fernreisespezialisten Meier's Weltreisen ab 319 Euro pro Person und Nacht mit Vollpension und Aktivitäten wie geführten Wanderungen, Reit- oder Bootsausflügen buchbar.Infos in Reisebüros und bei Meier's Weltreisen, Tel. (0 18 05) 33 74 00 (14 Cent/Minute). Passend dazu bietet der Veranstalter Flüge, Rundreisen, Mietwagen und über 100 weitere Hotels in Südafrika, die flexibel kombiniert werden können.