| 00:00 Uhr

Auf dem Jahrmarkt des Todes: Staatstheater zeigt „Black Rider“

Saarbrücken. Für ihre Version des Musicals „The Black Rider“, die am Samstag in Saarbrücken Premiere feiert, haben Daniel Pfluger und Clemens Rynkowski verstaubte „Klangerzeuger“ aus dem Theaterfundus exhumiert. Was haben sie damit vor? Eine Begegnung. Kerstin Krämer

"Nie zwei Mal das Gleiche machen!" lautet das Credo von Daniel Pfluger und Clemens Rynkowski. Tom Waits ' Musical "Alice" schweißte die beiden am Badischen Staatstheater Karlsruhe zusammen. Seither arbeiten sich der Regisseur und der Komponist/Musiker gern gemeinsam an etwas ab, diskutieren über Dinge wie Narration und Strömungswellen und schießen sich die Impulse gegenseitig zu. Nun stemmen die beiden mit ihrer dritten gemeinsamen Produktion wieder einen Waits, diesmal am Saarländischen Staatstheater: Pfluger inszeniert "The Black Rider. The Casting of the Magic Bullets"; Rynkowski hat bei dem Musical von Tom Waits , William S. Burroughs und Robert Wilson die musikalische Leitung.

Pfluger studierte Regie an der Zürcher Hochschule der Künste und wurde für seine Arbeiten mehrfach ausgezeichnet. Außer Schauspiel inszeniert er in letzter Zeit auch verstärkt Musiktheater und gastiert regelmäßig am Badischen Staatstheater Karlsruhe. Clemens Rynkowski studierte an der Universität der Künste Berlin und an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler " Berlin und spielt, komponiert und arrangiert für Orchester und Kammerensembles, Film und Theater. Als musikalischer Leiter, Theatermusiker und -komponist arbeitete er mit namhaften Regisseuren wie Claus Peymann und begleitete als Pianist Sting . Er unterrichtet an der Hochschule für Musik "Franz Liszt " Weimar und beherrscht das seltene elektronische Instrument Theremin. In Karlsruhe brachte er mit Pfluger den "Sommernachtstraum" auf die Bühne, für den er mit seinen beiden Brüdern eigens 60 Instrumente aus Theaterschrott baute. Seitdem ist das Trio unter dem Bandnamen "Herr Rynkowski" für Theaterproduktionen und Konzerte auf der Suche nach neuen Klängen und Medien.

So auch für "The Black Rider", wofür sie nun diverse verstaubte Klangerzeuger, vor allem Tasteninstrumente, aus dem hiesigen Theaterfundus exhumierten. Live unterstützt werden die Drei von vier Gastmusikern. Pfluger pfropft die episodenhafte Handlung, eine morbide Variation der Freischützgeschichte, derweil auf eine Drehbühne: ein Karussell auf dem "Jahrmarkt des Todes", auf dem alle Charaktere im Taumel zwischen Sucht und Befriedigung, zwischen Sehnsucht und Glück vor sich hin delirieren. Damit verzahnt sich nun wiederum die Musik mit ihren vor sich hin eiernden Dreivierteltakten - ein An- und Abschwellen, ein Überlagern mehrerer musikalischer Ebenen und assoziativer Bilderwelten, das einen ganz eigenen Sog entwickeln soll: Bis die Genres ineinander fließen, sich die Grenzen der Rezeption aufweichen und ein logisches Begreifen abgelöst wird von sinnlicher Erfahrung. Weder Pfluger noch Rynkowski sind interessiert an einem "cleanen Klang". Sie freuen sich, in Saarbrücken mit Schauspielern statt mit Musicalsängern arbeiten zu können.

Premiere: Samstag, 19.30 Uhr, im Saarländischen Staatstheater. Karten: Tel. (06 81) 3 09 24 86.