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Auch Max Bahr geht in die Insolvenz

Kirkel. Max Bahr galt als Perle von Praktiker – auch nach der Insolvenz des Mutterkonzerns. Doch nun wurde die gelbe Baumarktkette in den Sog der Krise gezogen und muss ebenfalls Insolvenz anmelden. dpa/jwo

Die Baumarkt-Kette Max Bahr mit bundesweit 132 Standorten ist nach der Insolvenz des Mutterkonzerns Praktiker ebenfalls zahlungsunfähig. Die Geschäftsführer der betroffenen Max-Bahr-Gesellschaften würden beim Amtsgericht Hamburg die Eröffnung von Insolvenzverfahren wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit beantragen, teilte das Unternehmen gestern Abend mit.

Hintergrund sei, dass ein Warenkreditversicherer Lieferanten von Max Bahr nicht mehr unterstützt habe. Dadurch sei die Versorgung der Baumärkte nicht mehr gesichert. Nach SZ-Informationen waren sogar mindestens zwei Versicherer betroffen: Euler Hermes und Coface, hieß es aus dem Praktiker-Konzern.

Das Geschäft der Kreditversicherung ist dabei erklärungsbedürftig. Die Versicherer stehen nämlich nicht mit dem belieferten Unternehmen in einer Geschäftsbeziehung, sondern den Lieferanten. Diese schließen eine Versicherung ab, so dass im Falle eines Zahlungsausfalls der Kreditversicherer für die Bezahlung der gelieferten Ware geradesteht.

Praktiker selbst hatte vor zwei Wochen Insolvenz beantragt. Mit dem Billig-Image ("20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung") hatte der Konzern keinen Erfolg gehabt und hohe Verluste angehäuft. Weiterhin nicht betroffen von den Insolvenzverfahren ist das - inzwischen verkleinerte - internationale Geschäft.

Während für den Baumarkt-Konzern nun ein neues Problem entstanden ist, versuchen die Insolvenzverwalter Christopher Seagon und Udo Gröner die Praktiker-Zukunft zu sichern. Gestern haben sie auf einer Gläubigerversammlung den Stand der Dinge präsentiert. Demnach gibt es für die insolventen Praktiker-Märkte sowohl Angebote von Mitkonkurrenten als auch Investoren-Anfragen.

Jüngeren Informationen zufolge möchte Insolvenzverwalter Christopher Seagon die Praktiker-Kette bevorzugt als Ganzes an einen Investor verkaufen. Mehrere Konkurrenten wie Obi, Hornbach und Hagebau hatten ihr Interesse öffentlich signalisiert, allerdings nur für einzelne Filialen und nicht ein Gesamtpaket. Einige Gläubiger des Unternehmens hatten sich derweil für eine Fortführung ohne Verkauf ausgesprochen.

Wie es mit dem Praktiker-Markt in Saarbrücken weitergeht, ist derweil noch völlig offen. Der Insolvenz-Verwalter hat zwar angekündigt, dass der Verkauf in den Praktiker-Märkten regulär weitergeht. Doch der Saarbrücker Markt ist in einer Sondersituation. Eigentlich sollte der Markt im August in Max Bahr umgeflaggt werden, der Abverkauf der Ware hatte schon begonnen, neue Ware wurde nicht geliefert. Doch auch der Abverkauf stockt, denn die Rabatte werden nicht, wie ursprünglich geplant, wöchentlich erhöht. Stattdessen stagnieren sie bei 50 Prozent. Und weil die attraktivsten Waren bereits weg sind, bleiben nun die Kunden aus: "Hier ist kaum noch etwas los", klagt ein Mitarbeiter der Gartenabteilung.

Bei Max Bahr, das als Hoffnungsträger der Kette galt, soll nun ein Insolvenzplanverfahren durchgeführt werden, hieß es in der Mitteilung von gestern - es hat in der Regel die Sanierung des Unternehmens zum Ziel. Dass eine Tochter durch die strauchelnde Mutter mit in die Insolvenz gerissen wird, ist durchaus kein Einzelfall.