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Athletisch-poetische Darbietung am Klavier

Saarbrücken. Mit einem Programm rund um das Thema „Tanz“ hat das Saarländische Staatsorchester am Sonntag in der Saarbrücker Congresshalle begeistern können. Beeindruckend in Statur und Spiel war der Solist am Flügel Tzimon Barto.

Auf welch unterschiedliche Weise osteuropäische Volksmusik die Komponisten beeinflusste, haben das Staatsorchester und sein Generalmusikdirektor Nicholas Milton gestern beim 7. Sinfoniekonzert in der Saarbrücker Congresshalle gezeigt. Kodálys Tänze aus Galánta übernehmen Gestus und Tonfall einer Zigeunerkapelle von 1900, nutzen aber den Klang des klassischen Sinfonieorchesters. Milton und sein Orchester betonten den wechselnden Charakter der Tänze bis hin zu ihren clownesk-komischen Elementen.

Ganz anders dann Bartóks 2. Klavierkonzert. Für den vorgesehenen Solisten war binnen zwei Tagen Tzimon Barto eingesprungen, auch als avantgardistischer Dichter bekannt und zugleich, unübersehbar, von intensivem Bodybuilding geprägt. Beides wurde auch hörbar. Barto tauchte tief in die Abgründe des Mittelsatzes, gab im Dialog mit der Pauke dem archaischen Thema eherne Strenge und zeichnete das ins Adagio eingebaute Scherzo als virtuose Groteske. Soweit der Poet. Der Athlet Barto hingegen betonte die maschinenhafte Motorik der Ecksätze, in denen Humor nur als Grimasse vorkommt. Wobei es ihm gelang, selbst das rasend schnelle Figurenwerk klar hörbar zu machen und die dichte Kontrapunktik des Orchesters durch markante Artikulation zu durchdringen. Besänftigende Zugabe: das posthume Chopin-Nocturne cis-moll.

In Rachmaninoffs Sinfonischen Tänzen schwelgte das Orchester, besonders die ausgezeichneten Bläser, zum Schluss in süffigen Melodien und zauberte einen elegischen Valse triste (nicht die einzige Anlehnung des Komponisten an die Musik von Dukas bis Sibelius, aber gut geklaut ist besser als schlecht erfunden). Milton bot Sentiment, aber nie Sentimentalität; wählte straffe Tempi und führte nahtlos vom Dies irae über das vom Komponisten notierte "Hallejuja" in einen grandiosen Schluss.