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Athen vergaloppiert sich

Iris Neu

Um eines klar vorwegzunehmen: Wenige Länder haben unter dem Wüten deutscher Truppen im Zweiten Weltkrieg so gelitten wie Griechenland . Dafür wurden die Hellenen mit einer einzigen bescheidenen Wiedergutmachungszahlung abgespeist: Ein Abkommen zwischen Bonn und Athen besiegelte 1960 die Zahlung von 115 Millionen D-Mark, das Geld sollte den Opfern der Nazi-Verfolgung in Griechenland zugutekommen. Mit seiner Unterschrift unter diesen Vertrag verzichtete Athen auf weitere Forderungen. Zumindest nach deutscher Lesart, die jedoch von vielen internationalen Experten geteilt wird. Für die Griechen dagegen war das Kapitel Kriegsschulden nie wirklich erledigt. Sie fühlen sich geprellt und sind verbittert - nicht zu Unrecht.

Auch aus diesem Grund beschäftigt das Thema Reparationen in regelmäßigen Abständen deutsche wie griechische Gerichte. Meist ging die Kontroverse dabei zugunsten der Bundesrepublik aus. Beim Thema Reparationen nämlich verweist Berlin stets auf den Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 zur deutschen Wiedervereinigung, der zugleich auch die durch den Krieg entstandenen Rechtsfragen endgültig klärte. Obwohl das Londoner Schuldenabkommen von 1953 die Reparations-Frage eigentlich an einen Friedensvertrag zwischen Deutschland und den Kriegsgegnern geknüpft hatte. Beim Zwei-plus-Vier-Vertrag aber soll die deutsche Seite den Begriff "Friedensvertrag" bewusst vermieden haben. Mit der Anerkennung des Dokuments seien alle weiteren Forderungen vom Tisch, heißt es. Doch gilt dies auch für den Zwangskredit von 476 Millionen Reichsmark (heute umgerechnet etwa elf Milliarden Euro), den die griechische Zentralbank den Nazis zahlen musste? Berlin jedenfalls beharrt darauf, dass diese Summe unter das Kapitel Reparationen falle - was rechtlich bislang ungeklärt ist. Hier aber kann, hier müsste Berlin über kurz oder lang ein Zeichen setzen. Und dabei tunlichst vermeiden, dass sich Tsipras & Co. als Sieger fühlen dürfen.

Allzu gern zückt die neue griechische Ministerriege freilich die antideutsche Karte, um von der eigenen Fantasielosigkeit bei der Lösung der hausgemachten Krise abzulenken. Denn wirklich zündende Reform-Ideen wurden in Athen seit der Übernahme der Regierungsgeschäfte durch Syriza und Anel noch nicht geboren. Großspurige Rüpeleien gegen Berlin und Pfändungsdrohungen aber kommen allenfalls vorübergehend bei der enttäuschten griechischen Bevölkerung an. Und werden das Schuldenproblem ebenso wenig entschärfen wie die würdelose Instrumentalisierung griechischer Nazi-Opfer als Druckmittel. Auch bei den europäischen Partnern in Brüssel dürfte diese Strategie kaum verfangen. Im Gegenteil: Athen droht sich heftig zu vergaloppieren.