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Athen hat offenbar plötzlich Zeit

Brüssel. In Brüssel ist die Irritation groß. Athen drängt nun wider Erwarten nicht auf einen zügigen Abschluss der Verhandlungen über die Reformliste. Braucht Griechenland die Hilfsgelder etwa gar nicht so dringend? Detlef Drewes

Das Ringen um Griechenland geht weiter. Zum Erstaunen einiger EU-Diplomaten war auch gestern nicht erkennbar, dass Athen bei der Erstellung der Reformliste allzu große Eile an den Tag legte. Zwar appellierte der außenpolitische Experte der EVP-Fraktion im EU-Parlament, Elmar Brok (CDU ), an Athen : "Es ist Griechenlands letzte Chance, etwas zu liefern." Und auch der Grünen-Finanzexperte Sven Giegold schimpfte: "Griechenland leidet unter schlechtem Regieren genauso wie unter einer ritualisierten Verunsicherungskampagne: Hochkochen von Gerüchten, unverantwortliches Grexit-Gerede, versöhnliche Verhandlungen ." Der Chefsprecher der EU-Kommission, Margaritis Schinas, bemühte sich, die Verärgerung vom Wochenende zu beruhigen: "Die Tatsache, dass die Experten das ganze Wochenende und auch heute arbeiten, ist ein positives Zeichen", erklärte er in Brüssel .

Das rund 100 Seiten umfassende Dokument aus dem Hause von Finanzminister Gianis Varoufakis war am Wochenende zunächst nur digital auf Tablets und in Griechisch vorgelegt worden, was die Unterhändler der Institutionen (EU-Kommission, Europäische Zentralbank und Internationaler Währungsfonds ) verärgert hatte.

Kein Krisentreffen vor Ostern?

Gestern betonten Delegierte aus Athen , die Liste sei nicht in Stein gemeißelt - man könne durchaus einzelne Maßnahmen streichen oder neu aufnehmen. Schwerpunkt solle aber der Kampf gegen Steuerhinterziehung bleiben. EU-Kreise gingen angesichts dieser Unverbindlichkeit davon aus, dass es nicht - wie zunächst erwartet - noch vor Ostern zu einem Krisentreffen der Euro-Finanzminister kommen werde. Die müssten das Papier nämlich auf der Grundlage der Experten-Empfehlung billigen. Erst dann könnte Griechenland Zugriff auf die 7,2 Milliarden Euro bekommen, die dem Land noch zustehen.

Für Überraschung sorgte diese Entwicklung vor allem deswegen, weil es noch vor zwei Wochen geheißen hatte, die Hellenen seien spätestens Anfang April pleite. Ein alarmierender Anruf von Regierungschef Alexis Tsipras bei Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker könne also "unmöglich so ernst gemeint gewesen sein, wie er klang", sagte ein hoher EU-Diplomat.

So konnte es kaum verwundern, dass auch die Spekulationen um eine Bitte Athens an Moskau um weitere Hilfegelder eher als "Warnschuss" eingeordnet wurden. "Russland kann ja nicht einmal der eigenen Bevölkerung eine Perspektive bieten", sagte der CDU-Außenpolitiker Brok. Manfred Weber , Chef der christdemokratischen Mehrheitsfraktion im EU-Parlament, sagte, Tsipras kokettiere mit Russland. Dieses Verhalten erschwere eine "konstruktive Lösung mit Europa in den Finanzfragen". Wie es weitergeht, ist offen. In Brüssel wollte sich gestern niemand festlegen, wann die Reformliste Athens endgültig feststeht.