Arbeitslose sollen ihr Leben wieder meistern können

Saarbrücken. "Chancen für arbeitslose Menschen, die ihr Leben neu gestalten wollen" - so ist das Projekt überschrieben, das Peter Hartz (Foto: Ruppenthal) und seine Mitstreiter gestern im Saarland als Pilotregion gestartet haben

Saarbrücken. "Chancen für arbeitslose Menschen, die ihr Leben neu gestalten wollen" - so ist das Projekt überschrieben, das Peter Hartz (Foto: Ruppenthal) und seine Mitstreiter gestern im Saarland als Pilotregion gestartet haben. Peter Hartz, der frühere Personalvorstand des VW-Konzerns und langjährige Arbeitsdirektor in der saarländischen Stahlindustrie, sucht so genannte Minipreneure. Das sind Langzeitarbeitslose, die ihr Schicksal wieder in die eigenen Hände nehmen, ihre Talente neu entdecken wollen. Das Projekt Minipreneure will Menschen, die lange Zeit ohne Beschäftigung waren, aus ihrer Isolation heraushelfen und sie dabei unterstützen, "den Alltag neu zu strukturieren", sagt Hartz. "Die Arbeitslosen sollen aus eigenem Antrieb heraus damit beginnen, wieder etwas zu unternehmen." Melden können sie sich ab sofort über das Internet. Für viele "gibt es kein Zurück in den alten Beruf". Wer bei dem Projekt Minipreneure mitmachen will, dessen Talente werden zunächst einmal herausgekitzelt. Bei der Suche nach einer Arbeit soll ihm ein "Beschäftigungsscanner" helfen. Diese Einrichtung "sucht systematisch das lokale Umfeld nach geeigneten Beschäftigungs-Möglichkeiten ab", erläutert Thomas Heuser, Vorstand der Dr. Heuser AG (Dortmund). Das Unternehmen hat in Dortmund und Wolfsburg nach Beschäftigungskrisen in der Stahl- und Automobilindustrie zahlreiche Menschen in neue Arbeit vermittelt. Das Spektrum der Beschäftigungsmöglichkeiten soll breit gestreut sein. Das kann eine Teilzeit-Arbeit sein, aber auch eine berufliche Selbstständigkeit - beispielsweise als Helfer im Haushalt. Möglich sei auch die Mitarbeit in sozialen und gesellschaftlichen Projekten. Damit die Langzeitarbeitslosen nicht allein dastehen, sollen in einzelnen Gemeinde-Bezirken oder Stadtteilen des Saarlandes "Organisationseinheiten Minipreneure (OE)" gebildet werden. Diese sollen von einem sogenannten A-Trainer betreut werden. Diese Trainer sind ebenfalls Arbeitslose, die die Sorgen ihrer Mitstreiter kennen. Die Gruppen von rund 20 Personen sollen sich regelmäßig treffen und sich in so genannten Polylogs gegenseitig unterstützen oder Gruppenmitglieder bei einem "Durchhänger" stützen und aus dem Tief herausholen. "Dort soll vor allem die Motivation gefördert werden", erläutert Professor Hilarion Petzold, Gründer des "Fritz Perls Instituts für Integrative Therapie, Gestalttherapie und Kreativitätsförderung". "Selbstsicherheit, Zuversicht und Vertrauen sollen zurückgewonnen werden." Damit die Gruppen und die Arbeitslosen nicht allein dastehen, soll ein "Social Franchising" - eine Art soziales Netzwerk - aufgebaut werden. Peter Hartz geht davon aus, dass in der Pilotregion Saarland mit dem Minipreneure-Modell rund ein Drittel der 25 000 der erwerbsfähigen Langzeitarbeitslosen wieder einen Weg in ein geregeltes Leben finden kann. Das Vorhaben soll nicht in Konkurrenz zu anderen Organisationen stehen, die Arbeit im Sozialbereich anbieten. "Wir wollen mit ihnen zusammenarbeiten", sagt Hartz. Außerdem will man den Job-Centern und der Arbeitsagentur Saarland nicht ins Gehege kommen. "Wir wollen sie mit unserem Pilotprojekt vielmehr unterstützen." Öffentliche Gelder gebe es nicht. Meinung

Nicht direkt den Stab brechen

Von SZ-RedakteurLothar Warscheid Das Modellprojekt Minipreneure, das Peter Hartz gestern gestartet hat, kommt nach einigen Geburtswehen jetzt endlich ins Laufen. Bereits im November 2008 wollte er loslegen, wurde aber damals von der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit ausgebremst. Jetzt ist das Saarland erneut Pilotregion. Man kann dem ehemaligen VW-Personalvorstand nur alles Gute wünschen und sollte nicht direkt den Stab über sein Vorhaben brechen. Neu ist vor allem, dass die Langzeitarbeitslosen nicht in irgendeine Maßnahme gedrückt werden, sondern die Möglichkeit bekommen, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Nur auf diese Weise kann das kreative Potenzial der oft tief Enttäuschten gehoben werden. Man darf gespannt sein, ob dieser Ansatz Erfolg verspricht.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort