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Merzig
Wie Bits und Bytes die Arbeit verändern

Beim Gruppenbild vor dem gemeinsamen Standort von Voltaris und Energis in Merzig lächelt Ministerin Anke Rehlinger (4. v.l.) in die Kamera.
Beim Gruppenbild vor dem gemeinsamen Standort von Voltaris und Energis in Merzig lächelt Ministerin Anke Rehlinger (4. v.l.) in die Kamera. FOTO: Dieter Ackermann
Merzig. Die Digitalisierung bei Dienstleistern treibt Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger um. Auch bei der Firma Voltaris in Merzig war sie auf Spurensuche.

Die Digitalisierung als vermeintlich globale Herausforderung treibt die Politik um. Dabei stellt sich dieses Schlagwort vielen Bundesbürgern als eher konturloses, schwer zu fassendes Problem dar. Saarlands Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger ist auf der Suche nach Antworten und besucht deshalb mit dem Ver.di-Landesbezirk Rheinland-Pfalz-Saarland seit einigen Wochen Betriebe der Dienstleistungsbranche an der Saar. Als Themen hat sie dabei die Stichworte Digitalisierung, Arbeit 4.0 und den damit verbundenen Wandel der Arbeitswelt im Fokus. Ihre Spurensuche setzte die Ministerin jetzt bei der Voltaris GmbH in Merzig fort.


Das Unternehmen in der Hochwaldstraße 70 betreut aktuell etwa 1 000 000 Strom-, Gas-, Wasser- und Wärmezähler für rund 200 Dienstleistungskunden: Stadt- und Gemeindewerke, Netzbetreiber, Energielieferanten, Erzeuger und Industrie. Und weil auch das Energis-Kundenbüro Merzig am selben Standort in der Kreisstadt vertreten ist, nutzten Geschäftsführer, Betriebsratsmitglieder und weitere verantwortliche Mitarbeiter beider Unternehmen die Gelegenheit, Rehlinger und die mitangereisten Vertreter des Ver.di-Landesbezirks Rheinland-Pfalz-Saarland zum Dialog zu begrüßen.

Mit etwas Jetlag im „Gepäck“ ihrer jüngsten Dienstreise in die USA erinnerte die Ministerin daran, dass die Digitalisierung immer schon ein Thema in der Wirtschaft gewesen sei. Aber inzwischen habe sie auch hierzulande eine völlig neue Dimension gewonnen. Selbst im sonst so ruhigen Mormonenstaat Utah habe sie erst vor wenigen Tagen einen nachhaltigen Eindruck von der Riesendynamik der Digitalisierung in den USA gewonnen. Mit Blick auf das Saarland mahnte sie diesbezüglich eine erhöhte Sensibilität bei den hiesigen Firmen an, wobei Rehlinger sowohl die Geschäftsführungen als auch die Betriebsräte in die Pflicht nahm.



Mit der Vorstellung der Voltaris GmbH eröffneten die Geschäftsführer Karsten Vortanz und Volker Schirra den mehrstündigen Dialog mit der Ministerin. Mit inzwischen 98 Mitarbeitern betreue das Unternehmen für inzwischen fast alle Stadtwerke an der Saar den klassischen Messstellenbetrieb mit einem modernen Gerätemanagement für Zähler und Messeinrichtungen. Wie zufällig fanden die Gäste auf den Tischen vor sich neben leckerem Gebäck moderne Stromzähler, die überhaupt nicht mehr an die von früher vertrauten schwarzen Zählerkästen erinnern.

Als Betriebsrat und Verantwortlicher für Instandhaltung und Qualitätssicherung erläuterte dann Markus Barthel die wachsende Rolle, die die Digitalisierung bei den immer komplexer werdenden Messeinrichtungen übernommen habe. Daraus resultierten auch ganz neue Herausforderungen an die Ausbildenden. Hierbei hakte Anke Rehlinger ein: „Ich will mich grundsätzlich nicht mit den Powerpoint-Dokumentationen von Ingenieuren zufriedengeben, ich will stattdessen konkret wissen, was mit der Digitalisierung wirklich möglich ist.“

Dafür zeigten ihre Gesprächspartner von Voltaris und Energis auch grundsätzlich Verständnis. Sie merkten aber zusätzlich mit verhaltener Kritik an, dass bei diesem Thema schon des öfteren Eingriffe und Vorgaben aus der hohen Politik für Verzögerungen und Behinderungen gesorgt hätten. Auch im Saarland sei ferner seit vielen Jahren die Ingenieursausbildung etwas vernachlässigt worden. Dazu komme der bedauerliche Fakt, dass man heute kaum noch qualifizierte Auszubildende finde. Bei Voltaris arbeite man folglich an einer Betriebsvereinbarung, die die interne Weiterbildung voranbringen soll.

Bevor sich zum Schluss alle zum Gruppenfoto vor dem Eingang versammelten, bekam Rehlinger noch den Hinweis mit auf den Weg, dass die rasant fortschreitende Digitalisierung auch bei der Stromversorgung nicht zuletzt durch Hacker eine Bedrohung für das tägliche Leben aller Bürger mit sich bringen könne. Auch da müsse die Politik für mehr Sicherheit sorgen. Die Ministerin abschließend: „Ich bin froh und dankbar, hier in Merzig weitere Mosaiksteine für meinen Begriff der Digitalisierung in der Arbeitswelt gewonnen zu haben.“

(a-n)