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Alleinunterhalter oder Doppel-Pack

Berlin. Stefan Vetter

Eigentlich schien der politische Nachlass schon geregelt zu sein: Im Herbst sollte Gregor Gysi vom Fraktionsvorsitz der Linken abtreten und sich von seinen bisherigen Stellvertretern Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch beerben lassen. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zwar nie. Aber immer wieder Andeutungen. Doch nun, da Wagenknecht Anfang März ihre Ambitionen auf dieses Amt begraben hat, werden die Karten neu gemischt. Bei der Linken stellt sich wieder die Führungsfrage.

Das ist zunächst kein Beinbruch. Der politische Jahreskalender sieht lediglich noch eine Landtagswahl vor. Ein Ergebnis ist erst im Oktober vonnöten. Denn da steht die turnusmäßige Neuwahl der Fraktionsführung an. Ginge es nach dem radikal-linken Flügel, den Wagenknecht repräsentiert, hätte die Fraktion schon längst eine Doppelspitze gehabt. Im Mai 2014 gab es dazu sogar einen Parteitagsbeschluss. Und auch an entsprechenden Vorstößen von Wagenknecht hatte es nicht gemangelt. Genauso so beharrlich hatte Gysi das Begehren aber jedes Mal abgeblockt. Der Fraktionschef und seine Stellvertreterin können partout nicht miteinander. Das zeigte sich erst wieder am Mittwoch, als Wagenknecht vor Journalisten die Frage beantwortete, warum sie bei der Begegnung von Parteichefin Katja Kipping und Gysi mit dem griechischen Regierungschef Alexis Tsipras nicht dabei gewesen war: In der "deutschen Delegation", so Wagenknecht spitz, habe man das nicht gewollt. Jeder wusste, wen sie damit meinte.

Derzeit ist noch nicht einmal klar, ob es im Herbst ein oder zwei Fraktionsvorsitzende geben wird. Selbst wenn Gysi das Feld für seinen pragmatischen Flügel-Genossen Dietmar Bartsch räumen würde, bliebe die Frage, wer den weiblichen Part übernehmen soll. Bei den 64 Abgeordneten der Linksfraktion sind die Frauen zwar in der Mehrheit, aber niemand von ihnen drängt sich für den Co-Vorsitz auf. Auch nicht Katja Kipping , die vor einigen Tagen ihren Verzicht auf den Posten erklärt hatte. Ein Duo Bartsch/Kipping wäre ohnehin schwer durchsetzbar gewesen. Denn neben der Flügel-Arithmetik spielt für manche auch noch die geographische Herkunft eine Rolle. Kipping ist weder den "Reformern" noch den linken Radikal-Ideologen zuzuordnen, und wie Bartsch kommt sie aus dem Osten.

Am Ende könnte dann auch alles wieder auf Gysi als Alleinunterhalter hinauslaufen. Zumal auch Gysis innerparteiliche Gegner anerkennen, dass er für die Außendarstellung der Linken unverzichtbar ist. Mit Wagenknecht an der Spitze hätte die Linke in Umfragen womöglich an Boden verloren. Vielleicht ist das auch ein Teil der Erklärung für ihren Verzicht. Ein anderer ist ihre wenig ausgeprägte Führungsfähigkeit. "Es ist nicht mein Ding, jeden abzutelefonieren", meinte Wagenknecht.

Wer Gysi nach seiner politischen Zukunft fragt, bekommt nur humoristische Antworten ("Sie müssen mich noch fast ewig ertragen"). Dabei liegt es auf der Hand, dass noch am ehesten er die Linke 2017 in eine rot-rot-grüne Bundesregierung führen könnte, so es dafür überhaupt rechnerisch reicht. "Gregor Gysi hat sich durchgesetzt und schwenkt auf einen realpolitischen Kurs ein", meinte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann nach der Verzichtserklärung Wagenknechts. Gysi wird das gern gehört haben.