| 20:22 Uhr

Alhambra am Rand des Bliesgaus

Der Architekt der Saarland-Therme, Rolf Böker (ganz links), führt durch die neuen Räumlichkeiten. Fotos: Becker & Bredel
Der Architekt der Saarland-Therme, Rolf Böker (ganz links), führt durch die neuen Räumlichkeiten. Fotos: Becker & Bredel
Rilchingen-Hanweiler. Erstmal keine Spur von "authentisch-orientalischer Architektur" im von grummelnden Röhren und Thermostaten durchzogenen Bauch des Gebäudes. Rund 400 Besucher der Besichtigungstour mussten den Wareneingang nehmen, erklärte Roland Eberle, Technischer Leiter der Saarland-Therme. Denn dort, wo ab dem 2 Von SZ-Mitrabeiterin Sabine Graf

Rilchingen-Hanweiler. Erstmal keine Spur von "authentisch-orientalischer Architektur" im von grummelnden Röhren und Thermostaten durchzogenen Bauch des Gebäudes. Rund 400 Besucher der Besichtigungstour mussten den Wareneingang nehmen, erklärte Roland Eberle, Technischer Leiter der Saarland-Therme. Denn dort, wo ab dem 2. September der Vorplatz mit marokkanischem Brunnen die Gäste empfängt, liegt derzeit noch Sand.Dennoch, man ist weiter als es den Anschein hat, beruhigt Andreas Schauer, Geschäftsführer der Saarland-Therme, die Besucher. Der Eröffnungstermin am 2. September, nach zwei Jahren Bauzeit, steht; der Innenausbau von Saunen und Lounges läuft auf Hochtouren, Thermalwasser sprudelt bereits in allen Sitzbecken. Für Andreas Schauer soll der Besuch der Therme für die Kunden "ein Tag Urlaub in der Stadt sein", getragen von der "Leichtigkeit des Südens", und das "wollen wir mit einer maurisch-andalusisch inspirierten Bäderwelt dem Gast auch bieten".


Die Therme, die Kritikern wie ein Fremdkörper am Rande des Biosphärenregion Bliesgau erscheint, hat die Vision einer "authentischen" Architektur vom Kopf auf die Füße gestellt. Indem sie den im Klischee gefestigten Sehnsuchtsbildern vom Urlaub im Süden und aus Tausendundeine Nacht auf 4000 Quadratmetern Gestalt gibt. Dabei folgt man publikumswirksam Allgemeinplätzen. Jedoch, und das macht den Unterschied, nimmt man sie ernst und macht den Stilmix zum Prinzip. Da gibt es keine falschen Kulissen aus Pappe, sondern in Marokko aus Marmorstaub gepresste Wand- und Deckenreliefe, die denen der Alhambra nachempfunden wurden. Die Wände im Treppenhaus überzieht der Farbton Terracotta mit einem sehr kräftigen Rosastich. Maurische Holzbalkone ragen über das große Thermalbecken in der von einem zu öffnenden Glasdach bedeckten Halle; darunter sind orientalische Lampen neben Deckenspots, indische Pfosten auf gekachelten Sockeln. Originalteile wurden eingeflogen oder nachgebaut und "stilvoll eingearbeitet", sagt Roland Eberle. Das empfinde man "nicht als Stilbruch", so sehe es auch das Gros der Besucher. "Jeder findet das geeignete Element", sagt Eberle.

Der gewollte Stilmix ist in gewisser Weise authentisch, denn er ist, geht man nur mit offenen Augen durch das Saarland, hier an und in Privathäusern allgegenwärtig. Der Vorwurf, hier entstehe "Disneylandarchitektur" sei doch recht "abgegriffen", bemerkt Architekt Ralf Böker, dessen Hamburger Büro Geising & Böker als Generalplaner die 12,5 Millionen Euro kostende Saarland-Therme baut und unzählige Bäder mit Wohlfühl- und Saunabereichen errichtet hat. Man hätte auch anders vorgehen und den Bezug zur Gegend suchen können, lässt Ralf Böker anklingen. Aber er weiß, worauf es bei Projekten dieser Art ankommt: Es muss sich rechnen. Böker verweist auf das Bad "Mediteranea" in Bergisch Gladbach mit der republikweit größten Saunalandschaft. Dafür haben Andreas Schauer und Bökers Büro bereits vor zwölf Jahren zusammengearbeitet. Dort verfolgte man ein ähnliches Konzept, einer von der Idee des Südens inspirierten Badewelt. Sie wurde bislang wegen der großen Nachfrage um sechs Bauabschnitte erweitert. "Platz für drei gibt es hinter der Saarland-Therme", meint Andreas Schauer.



Ein Blick auf die Baustelle in ihrer Endphase.
Ein Blick auf die Baustelle in ihrer Endphase.