Alarmstimmung in Beckinger Fabrik

Alarmstimmung in Beckinger Fabrik

Das Management und die Belegschaft von Ruia Global Fasteners sowie die IG Metall wollen die bevorstehende Übernahme der insolventen Schraubenhersteller-Gruppe durch den US-Investor Whitesell verhindern.

Gegen die Übernahme der insolventen Schraubenhersteller-Gruppe Ruia Global Fasteners durch die US-Firma Whitesell formiert sich massiver Widerstand. In einem überraschenden Schulterschluss wenden sich Unternehmensführung, Betriebsrat und Gewerkschaft IG Metall gegen den amerikanischen Investor. Die Übernahme der Ruia-Werke in Beckingen, Neuwied, Schrozberg und Neuss war eigentlich im August ausgehandelt und soll zum 1. Januar vollzogen werden. Wenn es dazu kommt, sehen Management und Arbeitnehmervertreter jetzt "die gesamte Existenz des Unternehmens erheblich gefährdet" - rund 1350 Arbeitsplätze, davon 340 in Beckingen. So heißt es in einer Resolution, die Gewerkschaft und Unternehmensführung gemeinsam unterzeichnet haben.

Heute können sich die Mitarbeiter auf Belegschaftsversammlungen der Resolution mit ihrer Unterschrift anschließen. Am Freitag habe sich die Beckinger Belegschaft bereits einstimmig auf einer Versammlung gegen die Übernahme gewandt, sagt Gerfried Lauer, Betriebsratschef in Beckingen. Die Gewerkschaft droht sogar mit unbefristeten Betriebsversammlungen, die die Werke über Tage lahmlegen können.

Auslöser des Aufruhrs sind offenbar Reaktionen von Kunden auf das Geschäftsgebaren des amerikanischen Investors. Er "hat über 300 Kunden angeschrieben und astronomische Preiserhöhungen angekündigt", heißt es in einer Mitteilung der IG Metall. Angeblich soll er von VW mindestens 25 Prozent mehr gefordert haben. "Die Kunden haben erklärt, bei dieser Geschäftspraxis seitens Whitesell zukünftig kein Geschäft mehr zu platzieren", steht in der Resolution. Whitesell "hat ein Auftreten wie ein Elefant im Prozellanladen", schimpft Guido Lesch, zweiter Bevollmächtigter der IG-Metall-Verwaltungsstelle Völklingen. "Durch Whitesell und die Art, wie ihr Eigentümer gegenüber unseren Kunden aufgetreten ist, sind unsere langjährigen Geschäftsbeziehungen und somit unsere Zukunft gefährdet", sagt Ralf Beuse von der Ruia-Geschäftsführung.

Die Erfolgschancen des gemeinsamen Aufbegehrens gegen Whitesell sind jedoch ungewiss. Dem Vernehmen nach hat Insolvenzverwalter Frank Kebekus eine Exklusivvereinbarung geschlossen. Wenn Whitesell bis Jahresende den Vertrag unterzeichne, sei die Übernahme perfekt. Nach Angaben von Beuse hat das US-Unternehmen, das angeblich 1200 Mitarbeiter beschäftigt und etwa 200 Millionen Dollar Jahresumsatz macht, bislang stets signalisiert, trotz des Widerstands den Kaufvertrag zu unterzeichnen .

Lesch hofft, durch die Betriebsversammlungen auch die Gläubiger, die heute zusammenkämen, gegen den Investor mobilisieren zu können. "Wir wollen, dass Whitesell vom Kauf Abstand nimmt." Dann würde Kebekus die Ruia-Gruppe wie seit der Insolvenz im März 2012 weiter führen und einen neuen Investor suchen müssen. Von dem US-Unternehmen und auch vom Insolvenzverwalter war gestern keine Stellungnahme zu erhalten.