Wir möchten auf unserer Webseite Cookies und pseudonyme Analysetechniken auch unserer Dienstleister verwenden, um diesen Internetauftritt möglichst benutzerfreundlich zu gestalten.

Außerdem möchten wir und unsere Dienstleister damit die Besuche auf unserer Webseite auswerten (Webtracking), um unsere Webseite optimal auf Ihre Bedürfnisse anzupassen und um Ihnen auf unserer Webseite sowie auch auf Webseiten in verbundenen Werbenetzwerken möglichst interessante Angebote anzeigen zu können (Retargeting).

Wenn Sie dieses Banner anklicken bzw. bestätigen, erklären Sie sich damit jederzeit widerruflich einverstanden (Art. 6 Abs.1 a DSGVO).

Weitere Informationen, auch zu Ihrem jederzeitigen Widerrufsrecht, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

| 20:12 Uhr

Air Berlin streicht 900 Jobs

Berlin. Gerade eine Woche ist seit dem Führungswechsel vergangen, da lässt Air Berlin die Katze aus dem Sack. Rund 900 der etwa 9300 Arbeitsplätze sollen bis Ende 2014 gestrichen werden. Damit bewahrheitet sich, was seit Mitte November bereits als Gerücht im Umlauf war

Berlin. Gerade eine Woche ist seit dem Führungswechsel vergangen, da lässt Air Berlin die Katze aus dem Sack. Rund 900 der etwa 9300 Arbeitsplätze sollen bis Ende 2014 gestrichen werden. Damit bewahrheitet sich, was seit Mitte November bereits als Gerücht im Umlauf war. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Hartmut Mehdorn, der vor gut einer Woche sein Amt abgegeben hat, wollte die schmerzliche Entscheidung nicht mehr kundtun. Diese Rolle übernahm gestern der neue Chef, der Österreicher Wolfgang Prock-Schauer, der zuvor schon im Vorstand für die Strategie zuständig war.Das aktuelle Sanierungsprogramm "Turbine 2013" wurde im vorigen Oktober beschlossen, kommt aber erst jetzt in Schwung. Das Ziel: Einsparungen von 400 Millionen Euro innerhalb von zwei Jahren. Dadurch soll die defizitäre Fluggesellschaft "dauerhaft wettbewerbsfähig" werden.

2011 machte Air Berlin ein Minus von 272 Millionen Euro, ein Rekordwert, nachdem bereits in den drei Jahren zuvor geringere Verluste aufgelaufen waren. 2012 dürfte eine kleine schwarze Zahl herausgekommen sein, aber nur, weil der Konzern kurz vor Weihnachten seinem arabischen Großaktionär die Mehrheit seines Vielfliegerprogramms "Topbonus" verkaufte. Das brachte 185 Millionen Euro in die klamme Kasse. Möglichst bald will und muss die nach der Lufthansa zweitgrößte deutsche Airline im Fluggeschäft wieder Gewinne machen.

Mit "Turbine" soll nun das Spartempo beschleunigt werden. Das Streckennetz wird nochmals ausgedünnt, damit im harten europäischen Wettbewerb nur noch rentable Strecken übrig bleiben. Das werden auch die Kunden zu spüren bekommen, die schon jetzt weniger Auswahl bei den Flugzielen haben als in früheren Jahren. Welche Verbindungen wegfallen, war gestern noch nicht bekannt. Air Berlin teilte nur mit, wohin sie häufiger fliegen wird: nach Mallorca. Und die Drehkreuze Berlin und Düsseldorf würden ausgebaut, hieß es.

Parallel dazu will Air Berlin die Flotte von derzeit 158 auf 142 Maschinen verkleinern. Auf alle Unternehmensbereiche erhöht das Management den Druck: Produktangebot, Vertrieb und Kundenorientierung sollen verbessert, Verwaltung und Arbeitsprozesse schlanker gemacht werden. Etwa jeder zehnte Mitarbeiter muss sich dafür verabschieden. Entlassungen schloss Air Berlin ausdrücklich nicht aus. Persönlich wandte sich der neue Chef Prock-Schauer gestern nicht an die Öffentlichkeit. Das Unternehmen verkündete die Einschnitte in Form einer schlichten Mitteilung. dpa

Foto: Jürgen Weyrich

Meinung

Bitter, aber notwendig

Von SZ-RedakteurVolker Meyer zu Tittingdorf

So bitter der Verlust der Arbeitsplätze und all die anderen Kürzungen sein mögen, sie sind unvermeidlich. Air Berlin kämpft nach wie vor ums Überleben. Deutschlands Nummer 2 hat angesichts der roten Zahlen gar keine andere Wahl, als sich auf rentable Strecken zu konzentrieren. Air Berlin leidet eben immer noch an den Folgen der unausgegorenen Wachstumsstrategie, die Unternehmensgründer Joachim Hunold verfolgte. Der harte Schrumpfkurs ist die einzige Chance für die Fluggesellschaft, sich gegenüber der viel besser dastehenden Konkurrenz von Ryanair bis Lufthansa zu behaupten.