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Flughafen Saarbrücken-Ensheim
Air Berlin muss liefern oder weichen

Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube." Dieses Dichterwort von Johann Wolfgang von Goethe lässt sich auch auf die Zusage der Air-Berlin-Geschäftsführung anwenden, die Wirtschafts-Staatssekretär Jürgen Barke versichert hat, dass die Fluggesellschaft ihre Probleme im Griff hat und es zu keinen Ausfällen mehr kommen wird. Gestrichene Flüge hat es auf der Strecke in die Hauptstadt immer schon gegeben, seitdem Air Berlin diese Destination bedient. Oft waren es die Witterungsbedingungen in Saarbrücken-Ensheim, die ein Starten oder Landen nicht zuließen. Solange der Flughafen Zweibrücken noch offen war, hatte man wenigstens einen Ausweich-Airport in der Nähe. Der Frust war nicht ganz so groß. Seitdem diese Alternative weg ist, heißt es nur noch hop oder top, friss oder stirb. Entsprechend groß ist die Wut, wenn Flüge ausfallen und der Tag damit gelaufen ist.

2017 verschärfte sich die Situation erneut. Von 873 Flügen, die bislang in diesem Jahr hätten absolviert werden müssen, sind 74 ausgefallen - ein auf Dauer untragbarer Zustand. Zwar kann Air Berlin die alte Fußballer-Weisheit bemühen: "Zuerst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu." Denn das Unternehmen ächzt unter einer milliardenschweren Schuldenlast, fährt hohe Verluste ein, spürt ständig das Damoklesschwert der Insolvenz über sich und ist bei Berlin-Tegel mit einem Flughafen geplagt, der aus allen Nähten platzt, wo das Bodenpersonal total überfordert ist und zudem noch tagelang streikt, um für eine Erhöhung seiner dürftigen Löhne zu kämpfen. Doch es hilft nichts. Air Berlin muss trotz all dieser Widrigkeiten sicherstellen, dass die Flugpläne eingehalten und die zugesagten Leistungen erbracht werden - oder sich eingestehen, dass es die Linie nicht mehr bedienen kann und das Feld einer anderen, zuverlässigeren Gesellschaft überlassen.

Auch der Landesregierung sind weitgehend die Hände gebunden. Das Land stellt einen funktionierenden Airport zur Verfügung, den jede Fluggesellschaft - gegen Gebühren - nutzen kann. Mehr kann und sollte das Land auch nicht tun. Es hätte zwar die Möglichkeit, aus strukturpolitischen Gründen eine Fluglinie auszuschreiben. Meist endet dies aber in einem Desaster. Denn die Gesellschaft, die den Zuschlag erhält, würde als erstes die Hand aufhalten und nachweisen, dass die Strecke nicht gewinnbringend beflogen werden kann. Im verschuldeten Saarland wäre ein solcher Zuschuss niemandem zu vermitteln und der Ärger mit der EU wäre programmiert, weil diese die Subvention als unzulässige Beihilfe interpretieren würde. Außerdem ist auch bei einer neuen Airline die Garantie auf Zuverlässigkeit nicht gegeben.

Daher kann man nur hoffen, dass Air Berlin die Zeit der Turbulenzen schnell hinter sich lässt und eine stabile Fluglage erreicht. Der Wille, die Strecke weiter zu bedienen, ist offenbar vorhanden. Ob es mit dem Können auch so ist, wird sich zeigen.