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Ärger über Lohnkostenzuschüsse

Berlin. Der Rechnungshof kritisiert die Auszahlung von Lohnkostenzuschüssen an Leiharbeitsfirmen. Diese würden von der Förderung überdurchschnittlich profitieren, die Belastungen würden aber die Entleiher tragen. Stefan Vetter

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) lässt sich die Vermittlung von Jobsuchenden mit schlechter Qualifizierung viel Geld kosten. Allein 261,7 Millionen Euro wurden 2014 für Lohnkostenzuschüsse ausgegeben, um Arbeitgeber zu entsprechenden Einstellungen zu animieren. Dass auch die Zeitarbeitsbranche von dem Geldsegen profitiert, kritisiert der Bundesrechnungshof als ungerechtfertigte Begünstigung.

Rund 127 000 Arbeitskräfte wurden 2014 über die Hilfen finanziert. Laut Gesetz können Arbeitgeber für ein Jahr zwischen 30 und 50 Prozent der Lohnkosten bekommen. Für Jobsuchende über 50 sind es sogar bis zu drei Jahre. Die konkrete Förderung richtet sich nach der Problemlage des Betroffenen. Die Regeln gelten auch für Zeitarbeitsfirmen , die Mitarbeiter an andere Firmen verleihen. Laut Bundesrechnungshof allerdings entfallen auf Leiharbeitsfirmen fast 20 Prozent der Lohnkostenzuschüsse , obwohl sie nur etwa drei Prozent der Arbeitskräfte beschäftigen. Der Rechnungshof kritisiert außerdem, dass Verleihunternehmen die Unterstützung kassieren, ohne einen entsprechenden Aufwand wie etwa eine Einarbeitung zu leisten.

Derweil verwies die Zeitarbeitsexpertin Gesine Stephan vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) auf eine Untersuchung, wonach geförderte Zeitarbeiter innerhalb von dreieinhalb Jahren gut zwei Monate länger in Betrieben beschäftigt sind als Zeitarbeiter ohne Lohnzuschüsse . Auch verdienen geförderten Personen etwas mehr als jene ohne Förderung.

Nach einer aktuellen DGB-Studie endet die Hälfte der Arbeitsverhältnisse in der Zeitarbeit bereits vor Ablauf von drei Monaten. Dabei haben 40 Prozent der Leiharbeiter, die als Hilfskräfte tätig sind, eine abgeschlossene Berufsausbildung. 38 Prozent der Betroffenen rutschen bei Arbeitslosigkeit sofort in Hartz IV. Den Daten zufolge verdienen vollzeitbeschäftigte Leiharbeiter im Schnitt 1700 Euro im Monat. Das sind 43 Prozent weniger als bei den Beschäftigten insgesamt.