Abbruch statt AbschlussViele Ausbildungsplätze sind noch immer unbesetzt

Saarbrücken. Spätestens mit der Aufnahme eines Studiums oder dem Start in eine Ausbildung beginnt der sogenannte Ernst des Lebens. Doch oftmals entpuppt sich der vermeintliche Traumberuf als Sackgasse: Laut Datenreport des Bundesinstituts für Berufsbildung wurden im Berichtsjahr 2010 bundesweit 142 242 Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst - eine Quote von 23 Prozent

Saarbrücken. Spätestens mit der Aufnahme eines Studiums oder dem Start in eine Ausbildung beginnt der sogenannte Ernst des Lebens. Doch oftmals entpuppt sich der vermeintliche Traumberuf als Sackgasse: Laut Datenreport des Bundesinstituts für Berufsbildung wurden im Berichtsjahr 2010 bundesweit 142 242 Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst - eine Quote von 23 Prozent.Das Saarland liegt mit 27,9 Prozent über dem Bundesschnitt. "Spitzenreiter" ist das Handwerk mit 42,5 Prozent, dicht gefolgt von der Hauswirtschaft (41,2). In Industrie und Handel sind es immerhin noch 21,4 Prozent, während im öffentlichen Dienst nur 5,7 Prozent der Ausbildungsverträge vorzeitig enden.

Die Gründe für Vertragsauflösungen sind vielfältig: Betriebsschließungen, gesundheitliche Probleme und revidierte Berufswahlentscheidungen gehören dazu, aber auch Konflikte zwischen Ausbilder und Azubi. Dann führt der Weg oft zu Regine Janes, Juristin bei der Arbeitskammer des Saarlandes. "Teilweise ist es so, dass Azubis bewusst als billige Arbeitskraft eingesetzt werden und die Ausbildungsinhalte ganz hinten anstehen", sagt die Juristin. Es komme aber auch vor, dass ein junger Mensch vor ihr stünde und fragen würde: Wieso hat der Chef mich jetzt fristlos gekündigt? Oft stelle sich heraus, dass Abmahnungen, etwa wegen Versäumens der Berufsschulpflicht, der Kündigung vorausgegangen waren. "Doch die haben das nicht ernst genommen, weil sie von zuhause keine Konsequenzen kennen."

Viele Fälle hat Janes branchenübergreifend erlebt, hat beraten und bei der Suche nach einer Lösung oder einem neuen Ausbildungsplatz geholfen. Ein Fall ist ihr dabei besonders im Gedächtnis haften geblieben: Ein Azubi im zweiten Lehrjahr wurde von seinem Ausbilder kurzerhand als Leiter eines fünfköpfigen Facharbeiter-Teams eingesetzt - und hatte die volle Verantwortung zu tragen. "Der Azubi war gut, keine Frage. Aber trotzdem geht so etwas nicht", empört sich Janes noch immer über die Überlastung, der der junge Mann über Monate hinweg ausgesetzt war. Die Folge der massiven Überforderung - der Arbeitstag des Azubis hatte zwölf bis 14 Stunden - war ein Burn-out-Syndrom, das in einem einjährigen Krankenschein endete. "Inzwischen ist er wieder gesund und hat in einem neuen Betrieb seine Lehre erfolgreich abgeschlossen."

Nach Rechten und Pflichten des Azubis während der Lehre gefragt, weist die Juristin auf das Ausbildungslexikon der Arbeitskammer hin. Das ist im Internet zu finden. Dann zählt sie einige Punkte auf: "Der Azubi hat die Pflicht zu lernen. Die aufgetragenen Arbeiten sind sauber und sorgfältig auszuführen. Ein Berichtsheft ist zu führen. Der Azubi hat das Recht auf angemessene Vergütung, Urlaub und Arbeit, die dem Ausbildungsziel dient. Dazu gehört nicht, ständig für die Frau des Ausbilders einkaufen zu gehen. Auch das haben wir hier schon erlebt."

arbeitskammer.de

Saarbrücken. Mehr als 1000 Ausbildungsplätze in Industrie, Handel und Handwerk sind landesweit noch immer unbesetzt. Dabei reicht die Angebotspalette von A wie Anlagenmechaniker bis Z wie Zimmerer.

Die Lehrlingsbörse der Handwerkskammer (HWK) des Saarlandes bietet jungen Menschen die Möglichkeit, nach offenen Ausbildungs- und Praktikumsplätzen zu suchen. Umgekehrt können aber auch Handwerksbetriebe hier offene Stellen anbieten. Ähnlich die Lehrstellenbörse der Industrie- und Handelskammer (IHK): Auch dort können sich junge Menschen, die noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, gezielt informieren. tog

ihk-lehrstellenboerse.de

hightech-handwerk.de

Foto: Arbeitskammer

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