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Briefe an Anwohner in Aachen
Wann darf die Bahn Bäume auf Privatgrundstücken fällen lassen?

Ein ICE fährt durch Deutschland (Symbolbild).
Ein ICE fährt durch Deutschland (Symbolbild). FOTO: dpa / Swen Pförtner
50 Briefe hat die Deutsche Bahn an Anwohner in Aachen verschickt. Darin fordert sie zum Fällen von „Gefahrenbäumen“ auf. Aber wann wird ein Baum zur Gefahr für Züge? Von Susanne Hamann

4700 Kilometer Bahnstrecke führen durch NRW. Die Deutsche Bahn kennt jeden Meter davon ganz genau. „Wir untersuchen das gesamte Streckennetz regelmäßig und lassen dabei auch jeden einzelnen Baum prüfen“, sagt Dirk Pohlmann, Sprecher der Deutschen Bahn. Sechs Meter von der Gleismitte aus dürfen keine Bäume stehen, sonst sind die Züge nicht sicher. „Es könnte jeder Zeit ein morscher Ast oder eine ganze Baumkrone abbrechen“, sagt Pohlmann. Über 100 von der Bahn angestellte Förster untersuchen und markieren also Bäume entlang der Schienen in NRW - auch solche, die auf privaten Grundstücken stehen.


Zuletzt ist das in der Stadt Aachen passiert. Rund 50 Anwohner bekamen ein Schreiben von der Deutschen Bahn. Darin wurden sie aufgefordert, sogenannte „Gefahrenbäume“ zu stutzen oder sogar zu fällen, weil sie auf der Strecke zwischen Köln und Aachen eine „erhebliche Unfallgefahr“ für die Züge bedeuten. Darf die Deutsche Bahn das?

„Ja“, sagt Pohlmann, „hier geht es um die Verkehrssicherungspflicht.“ Die Bahn ist demnach gesetzlich dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Schienen frei von Gefahren für die Reisenden sind. „Obwohl sich die Bahn als grünes Unternehmen versteht, müssen deshalb Bäume gefällt werden“, sagt der Sprecher.



Bäume mag zwar jeder, aber eben nicht, wenn sie auf den Schienen landen oder bei einem Sturm ein Abteil zerschmettern. Andererseits müssen sich die Anwohner in NRW darauf einstellen, dass noch mehr solche Briefe von der Bahn verschickt werden. „Wegen der vielen heftigen Unwettern mit Starkregen und Sturm, müssen die Bäume noch strenger kontrolliert werden“, sagt der Sprecher. Dafür hat die Deutsche Bahn einen „Aktionsplan Vegetation“ für 125 Millionen Euro aufgelegt. Der sieht strenge Inspektionen und Maßnahmen vor - dazu gehören auch Sparmaßnahmen. „Früher haben unsere Baumschneider die Bäume auf privatem Gelände häufig einfach mitgestutzt. Das ist aber eigentlich nicht unsere Aufgabe. Deshalb bekommen diese Anwohner nun die Aufforderung, sich selbst darum zu kümmern“, sagt Pohlmann.

Möglich ist das, indem die Anwohner entweder selbst eine Fachfirma beauftragen, die den Zustand der Bäume einschätzt und sie unter Umständen fällt. Man kann allerdings auch die Bahn beauftragen, dies zu tun - allerdings ebenfalls kostenpflichtig.

Müssen sich die Einwohner in und um Düsseldorf nun ebenfalls auf Briefe der Deutschen Bahn einstellen? „Das ist eher unwahrscheinlich“, sagt Pohlmann. „Beim Sturm Ela sind extrem viele morsche und hohe Bäume umgeknickt und bei den Aufräumarbeiten sind noch einmal kaputte Bäume gefällt worden. Deshalb dürfte es in dieser Region vorerst keine Gefahrenbäume geben.“ Ab dem Frühling müssen die Anwohner in NRW wieder mit Post rechnen. Dann gehen die Förster der Bahn das Streckennetz erneut ab. Gefällt wird in der Regel ab Anfang Oktober.