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Von der Leyen in Jordanien
Wie Deutschland den IS weiter bekämpfen will

Ministerin Ursula von der Leyen gestern in Jordanien.
Ministerin Ursula von der Leyen gestern in Jordanien. FOTO: Michael Kappeler / dpa
AL-ASRAK (dpa) Es dröhnt laut, als die F15 ihre Kreise tief über der jordanischen Wüste zieht. Geschmeidig schneidet das US-Kampfflugzeug durch den blauen Himmel. Auf dem Rollfeld ist es so laut, dass man sein eigenes Wort kaum versteht. Ursula von der Leyen steht zwischen einem Tornado und einem riesigen Tankflugzeug der Bundeswehr. Sie schüttelt den Piloten lächelnd die Hand, stellt Fragen, lässt sich informieren. Die Verteidigungsministerin ist zum ersten Mal hier, seit die Bundeswehr aus der Türkei auf den Stützpunkt Al-Asrak umgezogen ist.

Eigentlich wollte sie bereits im November nach Jordanien fliegen. Doch damals sollte ein Jamaika-Bündnis geschmiedet werden, die CDU-Politikerin wurde in Berlin gebraucht. Jetzt, nach dem Sondierungsmarathon mit der SPD, hat sich von der Leyen mit Parlamentariern auf den Weg nach Al-Asrak gemacht. Viele Verbündete führen von hier aus den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat. Die Tornados aus Deutschland machen Bilder, um IS-Ziele zu bombardieren. Von der Leyens Antrittsbesuch ist politisch aufgeladen. Schließlich ist die Bundeswehr nur wegen des monatelangen Streits mit der Türkei in dem Königreich stationiert.



Unmengen an technischem Gerät mussten nach Jordanien gebracht werden, 200 Container in zwölf Wochen. Kosten: sieben Millionen Euro. Der Aufwand war vielleicht politisch unausweichlich, militärisch sinnvoll war er nicht. Der Aufklärungseinsatz musste zwei Monate unterbrochen werden, die Bundeswehr baut immer noch Straßen und Gebäude auf dem Stützpunkt.

Nun, da die Bundeswehr sich eingerichtet hat, steht die Sinnhaftigkeit des ganzen Einsatzes im Kampf gegen den IS aber in Frage. Die Terrormiliz ist in Syrien und im Irak in der Fläche besiegt. Der deutsche Beitrag läuft nur noch auf Sparflamme. In der Türkei waren sechs Tornados stationiert, in Jordanien nur noch vier. Sechs Mal die Woche starten die Flieger und versuchen IS-Stellungen zu finden. „Je mehr sich der IS im Untergrund versteckt, desto mehr ist es eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, sagt Dominique G., der Chef der Einsatzstaffel vor Ort.

Was wird aus dem Anti-IS-Einsatz? Die Sondierer von Union und SPD wollen die Obergrenze des Mandats „deutlich“ absenken. Es gehe nun um den Aufbau staatlicher Strukturen, um Stabilisierung. Auf ihrer Reise schwört von der Leyen die Truppe aber auf einen langwierigen Kampf gegen den Islamismus ein – und auf eine dauerhafte Präsenz in der Region. „Wir werden weiter den IS bekämpfen müssen“, sagt sie. Man müsse verhindern, dass der IS sich in Rückzugsorten einniste. „Mir ist wichtig, dass Deutschland da versichert, wir sind verlässlich.“

Sie übergibt am Sonntag in Amman Dutzende Laster, Kleinbusse sowie zwei Flugzeuge an die jordanischen Sicherheitskräfte. Das Land sei ein Stabilitätsanker, den man stützen müsse, sagt von der Leyen. „Wir wissen, dass diese Region über lange Zeit nicht zur Ruhe kommen wird.“ Das klingt nicht nach einem baldigen Abzug. Aber wie viele Soldaten bleiben, darüber werde man im Parlament und mit Verbündeten reden müssen.

Der Linken-Politiker Alexander Neu wittert darin Großmachtstreben der Bundespolitik. „Ich habe den Eindruck, dass man sich festsetzen möchte“, sagt er. „Dabei hat sich das Mandat als solches erledigt.“ Selbst wenn die Soldaten wohl dauerhaft in Al-Asrak bleiben, könnte der Antrittsbesuch von der Leyens gleichzeitig eine Abschiedsreise gewesen sein: Denn wie es um ihre Zukunft steht, ist auch völlig unklar.