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48 Stunden, um die Existenz zu retten

Saarbrücken. Der berührende Film „Zwei Tage, eine Nacht“ der Dardenne-Brüder erscheint auf DVD: Eine Frau kämpft um ihren Arbeitsplatz. Tobias Kessler

Die Geschichte des Films "Zwei Tage, eine Nacht" (jetzt auf DVD) ist ganz einfach - und perfide: Nach längerer Krankheit wird eine junge Mutter von ihrer Firma entlassen; ihre 16 Kollegen, die ihre Arbeit durch Überstunden miterledigten, erhalten einen Bonus von 1000 Euro. Sollten aber alle Kollegen auf das Geld verzichten, bekäme sie ihren Arbeitsplatz zurück. Die Frau versucht, die Kollegen einzeln zum Verzicht zu bewegen.

Die renommierten belgischen Regisseurs-Brüder Luc und Jean-Pierre Dardenne ("Das Kind") erzählen von einer Odyssee, in der Hauptrolle ist die Französin Marion Cotillard zu sehen, die in Hollywood Großfilme wie "Inception" dreht, sich in Europa zurzeit aber kleineren, wenig kommerziellen Filmen wie diesem widmet.

Die junge Frau begegnet bei den Gesprächen Ehrlichkeit und Lüge, Aggression, Mitgefühl und Heuchelei. Der Film beobachtet das neutral, das Klischee des empörten Sozialdramas bleibt außen vor. Dabei macht es sich der Film nicht so einfach, alle, die den Bonus vorziehen und die Entlassung der Frau in Kauf nehmen, zu verteufeln. Aber es ist eine insgesamt grausame Geschichte über Existenzangst, über Mangel an Solidarität und auch die kalte Sprache der Wirtschaft. Man werde ja nicht entlassen, heißt es etwa im Film, sondern "es wird nur der Vertrag nicht verlängert - das ist etwas ganz anderes".

Erschienen bei Alamode Film.