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4. Sinfoniekonzert: Verbannung, Rache und Tod in neun Minuten

Saarbrücken. Nicht mehr als neun Minuten braucht Beethoven, um das Leben des legendären Coriolan zu umreißen - die Verbannung des hochmütigen Feldherrn, sein rachsüchtiger Angriff auf die eigene Vaterstadt Rom, die flehentlichen Bitten seiner Mutter und den Preis des Verzichts: sein Tod Von SZ-Mitarbeiter Hans Bünte

Saarbrücken. Nicht mehr als neun Minuten braucht Beethoven, um das Leben des legendären Coriolan zu umreißen - die Verbannung des hochmütigen Feldherrn, sein rachsüchtiger Angriff auf die eigene Vaterstadt Rom, die flehentlichen Bitten seiner Mutter und den Preis des Verzichts: sein Tod. Ein stürmischer Einstieg gestern in dieses Sinfoniekonzert also, dem Toshiyuki Kamioka und das Staatsorchester in der Congresshalle dramatische Konturen gaben. Als Kontrast dann die Uraufführung eines Auftragswerkes des Theaters: Trombonances' für Posaunenquartett und Orchester von Theodor Burkali in Anwesenheit des Komponisten. Ein reizvolles Stück Postmoderne zwischen "Dies irae" und "Star wars", das die Eignung der Posaune zum Glissando als Stilmittel nutzt. Der Beginn düster-archaisch stampfend, der zweite im Gestus eines Trauermarschs durch die Trümmerhalden vergangener Formen und Formeln, Gesten und Tonalitäten, belebt durch Exotisches wie Taiko-Trommeln und zarte Glöckchen. Gepfefferte Taktwechsel im Schlusssatz, von Kamioka brillant dirigiert, und milde Anklänge an Jazz. Die vier Solisten (Stefan Konzett, Alex Moling, Gerald Klaunzer und Simon Seidel) überzeugten durch rhythmisch hochpräzises und klangschönes Zusammenspiel und dankten für den starken Beifall mit einer virtuosen Rossini-Zugabe.Dann Beethovens 7. Sinfonie, die dank der hohen Intensität des auswendig dirigierenden Kamioka und des gut vorbereiteten Orchesters zu einem reinen Hörvergnügen wurde. Zum Höhepunkt geriet der 2. Satz, erfreulicherweise ruhiger als vom Komponisten angegeben. Selten hat man die Holzbläser so ausdrucksvoll und gleichgestimmt erlebt und das Fugato der Streicher so feinnervig gehört. Die wohlkalkulierte Raserei des Finales setzte sich im stürmischen Beifall fort. Ein überzeugender Jahresbeginn für die Konzertreihe.