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Der Besuch des deutschen Papstes in Israel wird im In- und Ausland rege kommentiert. So meint die "Neue Presse" (Hannover): Juden, Christen und Muslime verfolgen jeden Schritt, jedes Wort des Papstes - vor allem, was er nicht sagt. Seine gestrige Rede wid

Der Besuch des deutschen Papstes in Israel wird im In- und Ausland rege kommentiert. So meint die "Neue Presse" (Hannover): Juden, Christen und Muslime verfolgen jeden Schritt, jedes Wort des Papstes - vor allem, was er nicht sagt. Seine gestrige Rede wider den Antisemitismus dürfte ein erster Schritt sein, sich des belastenden Marschgepäcks zu erleichtern

Der Besuch des deutschen Papstes in Israel wird im In- und Ausland rege kommentiert. So meint die "Neue Presse" (Hannover): Juden, Christen und Muslime verfolgen jeden Schritt, jedes Wort des Papstes - vor allem, was er nicht sagt. Seine gestrige Rede wider den Antisemitismus dürfte ein erster Schritt sein, sich des belastenden Marschgepäcks zu erleichtern. Doch Israel erwartet sicher mehr, eine Entschuldigung ist längst fällig. Die Kranzniederlegung in Jad Vaschem allein kann es nicht gewesen sein. Die "Badische Zeitung" aus Freiburg schreibt dazu: Der Papst erwies den Opfern des Nazi-Terrors Respekt, warnte vor der Wiederkehr des Antisemitismus, aber schlug auch den Bogen zum Zusammenleben von Juden und Arabern. Sein Plädoyer gegen Diskriminierung und für eine Zweistaatenlösung für Israelis und Palästinenser war unüberhörbar. Neu war diese Botschaft nicht, unbequem schon. Und der in Hamm erscheinende "Westfälische Anzeiger" lobt: Es darf nie ein Leugnen, Herunterspielen oder gar Vergessen des millionenfachen Mordes an den Juden geben: Offener, deutlicher und persönlicher konnte der Papst nicht werden. Sein Bekenntnis zu diesem Zeitpunkt, an diesem Ort war bemerkenswert. Kritischer klingt die Bewertung des "Tagesanzeiger" aus Zürich: Er sprach vom Mitgefühl der Kirche für die Opfer, nicht aber von der Mitschuld der Kirche an der Katastrophe. (. . .) Stärker war sein Auftritt in Tel Aviv, wo er zum Kampf gegen die Fratze des Antisemitismus aufrief. Das kann freilich nicht vergessen machen, wie leicht Joseph Ratzinger selber über Antisemitismus hinwegsehen kann - ob bei seinen früheren Mentoren oder bei den von ihm rehabilitierten Pius-Bischöfen. Auch die "Salzburger Nachrichten" gehen auf Distanz: Seine Rede in Regensburg, in der er einen islamfeindlichen byzantinischen Kaiser zitierte, bleibt unvergessen. Die Wiedereinsetzung der alten Karfreitagsfürbitte und die Aufnahme schoahleugnender Bischöfe hat auch gemäßigte Juden entrüstet. Der Papst hat sich mehrfach für den konservativen Weg und Entfremdung entschieden. . . Sollte er nicht in letzter Minute mit einer dramatischen Geste überraschen, ist Benedikts Besuch eine verpasste Gelegenheit, die Beziehungen zwischen den drei Religionen grundlegend zu verändern.