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Ausschreibung für regionale Bahnstrecken ab 2019 bringt Beteiligte in Verlegenheit





Saarbrücken/Mainz
Wirbel um Zugverkehr im Saarland
Ausschreibung für regionale Bahnstrecken ab 2019 bringt Beteiligte in Verlegenheit

06. Januar 2017, 02:00 Uhr
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Die private regionale Bahngesellschaft Vlexx mit ihren blauen Zügen und die DB Regio konkurrieren um die Bedienung der Nahverkehrsstrecken an der Saar ab 2019. Jetzt will noch ein weiterer Bieter aus Berlin in den Saar-Nahverkehr einsteigen. Fotos: Dietze/Schedler

Wer bedient ab 2019 die regionalen Bahnstrecken im Saarland? Mehrere Bahngesellschaften haben Angebote eingereicht. Doch noch ist die Entscheidung offen. Denn hinter den Kulissen gibt es Streit.

Es sollte wohl eine Art vorgezogenes Weihnachtsgeschenk werden. Am 22. Dezember informiert der Geschäftsführer der regionalen Bahngesellschaft Vlexx, Frank Höhler, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darüber, dass das Saarland beabsichtige, die Bedienung einiger Saar-Strecken mit 2,3 Millionen Zugkilometern ab dem Jahr 2019 für die Dauer von 15 Jahren an Vlexx zu vergeben.

Das Schreiben gelangt jedoch auf verschiedenen Wegen in die Öffentlichkeit und auch in die Hände der Konkurrenz. Die ist empört. Der Betriebsratsvorsitzende von DB Regio, Ralf Damde, rechnet vor, dass zwischen 120 und 500 DB-Mitarbeiter betroffen sind, je nachdem, wie viele Strecken am Ende wirklich an Vlexx vergeben werden sollten. Die endgültige Entscheidung des Landes ist noch nicht gefallen.

Mittlerweile hat sich die Situation jedoch noch weiter zugespitzt. Denn auch die in Berlin ansässige Bahngesellschaft Transdev hat Interesse an der Bedienung einer Strecke im Saarland angemeldet. Transdev beschäftigt bundesweit 5000 Mitarbeiter, macht rund 850 Millionen Euro Umsatz und zählt etwa 250 Millionen Fahrgäste zu seinen Kunden. Die Berliner haben Einspruch gegen die offensichtlich geplante Vergabe von Strecken sowohl an Vlexx als auch an die DB Regio angemeldet. Ralf Damde bestätigt gegenüber unserer Zeitung, dass es bei der Ausschreibung der Strecken um zwei Lose geht. Die Strecken Saarbrücken-Illingen-Lebach, Saarbrücken-St. Wendel, Türkismühle-Neubrücke sowie Illingen nach Homburg über Neunkirchen und Saarbrücken-Merchweiler-Neunkirchen nach Homburg sind demnach laut Mitarbeiterinformation für Vlexx vorgesehen, während die Verbindungen von Merzig nach Kaiserslautern und Trier nach Homburg bei der DB Regio verbleiben würden.

Doch auch das ist nicht mehr sicher nach dem Einspruch gegen die Vergabepläne des Landes an Vlexx und DB Regio. Damde verweist auf eine große Verunsicherung der DB-Regio-Mitarbeiter. Wie es weitergeht, ist offen. Transdev selbst wollte sich gestern gegenüber unserer Zeitung nicht zu dem Verfahren äußern. Wolfgang Kerkhoff, Sprecher des Wirtschaftsministeriums, bestätigt den Einspruch eines Bieters gegen das Vergabeverfahren. Diesen Einspruch prüfe derzeit die Verkehrsmanagement-Gesellschaft Saar (VGS). Es sei vorgesehen, noch in der ersten Januarhälfte dem betroffenen Bahnunternehmen das Ergebnis des Einspruchs mitzuteilen.

Doch auch damit ist das Thema noch nicht erledigt. Sollte das Unternehmen mit den Ergebnissen der Prüfung des Einspruchs durch die VGS nicht einverstanden sein, kann es sich als nächste Instanz noch an eine unabhängige Vergabekammer wenden. Die ist beim Saar-Wirtschaftsministerium angesiedelt und mit zwei unabhängigen Juristen besetzt. Die Entscheidung dieser Kammer ist dann rechtskräftig. Sollte sie angerufen werden, bewertet sie erneut das Verfahren. Dabei ist die Kammer nicht an einen festen Termin gebunden. Es kann also noch einige Zeit vergehen, bis Klarheit herrscht, wer künftig welche Nahverkehrszüge im Saarland fährt.

Meinung:

Unnötiger Ärger

Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia

Die regionale Bahngesellschaft Vlexx hat sich zu früh gefreut und mit ihrer Information an die Mitarbeiter über die geplante Bedienung von Bahnstrecken an der Saar ab 2019 sehr viel unnötigen Ärger provoziert. So wurde auch die Konkurrenz alarmiert und ein weiterer Interessent zu einem offiziellen Widerspruch gegen die Vergabepläne des Landes provoziert. Verlierer des Streits sind jetzt schon die Mitarbeiter von DB-Regio, die um viele Arbeitsplätze bangen müssen. Zur Wahrheit in Zeiten des Wettbewerbs gehört aber auch: Für den Bahnnutzer ist es am Ende egal, wer die Strecken bedient. Für ihn zählen Service, Pünktlichkeit, Preis, Sicherheit und die Häufigkeit der Verbindungen.




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