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Stromausfall bald Geschichte





Saarbrücken
Stromausfall bald Geschichte
17. Februar 2017, 02:00 Uhr
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Michael Küster von der VSE mit einem neu entwickelten Schaltkasten, der ferngesteuert die Energieerzeugung von Anlagen aktiviert. Foto: Oliver Dietze

Foto: Oliver Dietze
Neue Idee aus dem Saarland soll überall in Deutschland ständige Versorgung sichern.

Stromausfälle sollen in Deutschland künftig möglichst ausgeschlossen sein. Um rund um die Uhr jederzeit und möglichst überall eine verlässliche Versorgung sicherzustellen, starten die VSE AG und der Entsorgungsverband Saar (EVS) gemeinsam ein bundesweit bisher einmaliges Pilotprojekt. VSE-Vorstand Hanno Dornseifer spricht schon von einem „einmaligen Verfahren, das richtungsweisend in der Energiebranche ist“.

Das Verfahren kombiniert die Stärken konventioneller Energieträger mit denen der erneuerbaren Energien. Es soll Lücken in der bundesweiten Netz-Versorgung schließen und Netze stabilisieren, etwa wenn wenig Wind oder Sonnenenergie zur Verfügung steht. Kern des Projektes ist ein „virtuelles Kraftwerk“, das in der Zentrale der VSE in Saarbrücken im Drei-Schicht-Betrieb gesteuert wird. Es kann in der Anfangsphase rund 380 Megawatt Strom als zusätzliche Leistung für Stromnetze mobilisieren. Das entspricht der Größenordnung eines mittleren Kraftwerksblocks. Diese Leistung stammt aus den Anlagen verschiedener kleiner Stromerzeuger, die ihre Energie dem virtuellen Kraftwerk zur Verfügung stellen.

Schon jetzt sind über 100 Partner aus dem Saarland sowie anderen Regionen beteiligt am Verbund, die ihre Anlagen in das virtuelle Kraftwerk einbringen. Zum Verbund gehören verschiedenste dezentrale Anlagen wie Blockheiz- und Biomassekraftwerke, Windkraft-, Klär- und Photovoltaik-Anlagen bis hin zu Notstromaggregaten.

Letztere bieten einen besonderen Reiz, da zahlreiche Unternehmen zwar über solche Aggregate verfügen, diese bisher jedoch in der Regel nur in Ausnahmefällen zum Einsatz kamen. Sie sollen eine feste Säule im künftigen Versorgungsnetz des virtuellen Kraftwerkes bilden. Der EVS etwa bringt die Notstromaggregate zum Betreiben seiner Kläranlagen in das virtuelle Kraftwerk ein, sagt EVS-Geschäftsführer Michael Philippi. Auf die gleiche Weise beteiligen sich Unternehmen wie ZF, Globus, verschiedene Stadtwerke sowie Krankenhäuser.

Auch die Abrechnung der eingebrachten Energie aller Teilnehmer erfolgt monatlich durch die VSE. Für sie ist die Teilnahme auch deshalb attraktiv, weil sie in dem Projekt gleichzeitig zu einem umfassenden Energie-Manager werden. Zumal die Vermarktung des erzeugten Stroms auch über die Strombörse in Leipzig erfolgen kann. Technischer Kern des virtuellen Kraftwerkes ist ein kleiner Kasten als elektronische Steuerungs- und Kommunikationseinheit. Er wird vor Ort in jede beteiligte Anlage eingebaut. Die VSE hat extra bestimmte elektronische Bauteile selbst entwickelt, die zudem absolut sicher seien vor eventuellen Hacker-Angriffen, erläutert Michael Küster, Leiter für die Energiedisposition bei der VSE. Alle Daten seien doppelt abgesichert. Die Energiewende in Deutschland werde nur ein Erfolg, wenn alle an ihr beteiligten Energieerzeuger zusammenarbeiten, betont Küster, der 13 Jahre in der Energiebranche tätig ist.

VSE und EVS wollen nach ersten Erfahrungen mit ihrem virtuellen Kraftwerk auf dem deutschen Markt diese Lösung der Netz-Optimierung auch international anbieten. Gedacht ist an die Märkte Österreich, Schweiz, Belgien, Luxemburg sowie Tschechien.


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