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Saar-Wirtschaft sieht Fortschritte beim Übergang von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt – IHK: Gewaltige Aufgabe





Saarbrücken
Der lange Weg zur Integration
Saar-Wirtschaft sieht Fortschritte beim Übergang von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt – IHK: Gewaltige Aufgabe

20. Oktober 2016, 02:00 Uhr
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Ein Praktikum ist oft der erste Schritt für Flüchtlinge in Ausbildung oder Beruf. Foto: dpa

Foto: dpa
Die Saar-Wirtschaft hat großes Interesse daran, auch Flüchtlinge zu beschäftigen. Die Integration in den Arbeitsmarkt braucht aber nach Einschätzung von Experten noch viel Zeit.

Die Integration von Flüchtlingen kommt im Saarland offensichtlich gut voran. Sowohl die Bundesagentur für Arbeit als auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Handwerkskammer (HWK) des Saarlandes berichten von vielen Menschen, die vor allem eines wollten: schnell arbeiten und sich eine eigene Existenz aufbauen. Doch es bleiben Hindernisse: vor allem mangelnde Deutschkenntnisse und Bildungsabschlüsse, die schwer mit denen in Deutschland zu vergleichen sind.

Die meisten jungen Menschen, die sich einen Beruf im Handwerk vorstellen können, wollten am Auto arbeiten oder auch im Elektrohandwerk, sagte HWK-Hauptgeschäftsführer Arndt Klein-Zirbes. Doch den Flüchtlingen sei nicht bewusst, dass etwa ein Elektroniker heute Häuser mit Technologie ausstatten können muss, die verschiedenste Funktionen im Haus miteinander vernetzt (Smart Home). Da seien die beruflichen Anforderungen deutlich höher als etwa in Syrien. Das Saar-Handwerk zeige aber angesichts des Fachkräftemangels in nahezu allen Berufen Interesse an Flüchtlingen. Die Tür zu einem Betrieb öffne sich für Flüchtlinge meist durch ein Praktikum, um erkennen zu können, welche Maßnahmen hin zu einer geregelten Ausbildung notwendig sind, erläutert Klein-Zirbes. Um Flüchtlinge und Unternehmen zusammenzubringen, hat die Kammer mit Steffen Sersch einen Flüchtlingsnetzwerker eingestellt (Tel. (0681) 5 80 92 42. Zwei weitere Mitarbeiter der Kammer begleiten die Flüchtlinge zusätzlich während berufsvorbereitender Kurse.

Auch Carsten Meier, IHK-Geschäftsführer Standortpolitik, verweist auf einen Bedarf an Flüchtlingen „in allen Branchen, in denen der Bewerber- und Fachkräftemangel bereits deutlich spürbar ist“. Dies betreffe insbesondere die Bauwirtschaft, aber auch Helfertätigkeiten in den Bereichen Lager/Logistik/Transport, in unternehmensnahen Dienstleistungen sowie in der Gastronomie. Meier sieht jedoch auch, dass eine erfolgreiche Integration eine gewaltige Aufgabe darstellt. Denn „es wird je nach Qualifikationsniveau bis zu acht Jahre dauern, bis aus den Flüchtlingen von heute die Fachkräfte von morgen geworden sind“. Rund 30 Prozent der Flüchtlinge müsse man sehr weit abholen. So müsse man zum Beispiel manchen zunächst das Alphabet beibringen. Zudem verfügten 80 Prozent der Flüchtlinge über ein Bildungsniveau, das unterhalb dem des deutschen Hauptschulabschlusses liege. Weitere Herausforderungen sieht Meier in der Vermittlung von Werten wie Pünktlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und einem respektvollen Verhalten gegenüber weiblichen Führungskräften und Kolleginnen.

Wichtig sei zudem, dass die Wartezeiten von Flüchtlingen für die berufsbegleitenden Kurse verkürzt werden. Dafür müsse man derzeit ein halbes Jahr und länger einkalkulieren, weil nach wie vor Lehrerpersonal fehlt. Ein Blick in die Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) für das Saarland zeigt, dass die meisten Arbeitnehmer aus Syrien derzeit in Zeitarbeitsfirmen, Unternehmen mit wirtschaftsnahen Dienstleistungen sowie im Gastgewerbe tätig sind. Unter ihnen sind auch viele Menschen aus Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan und Somalia.

Zum Thema:

Auf einen Blick Der Verein „Saar-Wirtschaft hilft Flüchtlingen“ wird heute in Saarbrücken als einer der Preisträger des bundesweiten Wettbewerbs „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ geehrt. Der Verein setzte sich laut IHK Saarland zusammen mit 99 weiteren Preisträgern unter rund 1000 Teilnehmern durch. Dem Verein gehören 15 Wirtschaftsverbände an. Er macht sich dafür stark, dass Geflüchtete so schnell wie möglich in eine Ausbildung oder einen Beruf starten. red



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