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Umfrage bei deutschen Firmen: Wirtschaftslage hat sich verbessert – Arbeitsrecht weiter zu unflexibel





Paris/Saarbrücken
Das Bild von Frankreich hellt sich auf
Umfrage bei deutschen Firmen: Wirtschaftslage hat sich verbessert – Arbeitsrecht weiter zu unflexibel

Christine Longin,Lothar Warscheid (beide SZ),  18. Oktober 2016, 02:00 Uhr
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Im Smart-Werk in Hambach konnte eine Verlängerung der Arbeitszeit durchgesetzt werden. Foto: ruppenthal

Foto: ruppenthal
Die deutschen Unternehmen in Frankreich blicken optimistischer in die Zukunft als vor zwei Jahren. Kritik gibt es weiterhin am starren Arbeitsrecht. Darunter leiden auch Saar-Firmen mit Werken im Nachbarland.

Die Wirtschaftslage in Frankreich hat sich nach Ansicht der deutschen Unternehmen verbessert. Nur 58 Prozent beurteilen sie als schlecht oder sehr schlecht, wie aus einer Studie der deutsch-französischen Industrie- und Handelskammer und der Unternehmensberatung EY hervorgeht. Vor zwei Jahren waren es noch 82 Prozent. Auch die Zukunft sieht für die deutschen Unternehmen in Frankreich rosiger aus: 30 Prozent sehen für die kommenden sechs Monate eine schlechte Entwicklung voraus gegenüber 52 Prozent 2014.

Einen ähnlichen Trend registriert auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) des Saarlandes. „Der Einbruch im Frankreich-Geschäft von rund zehn Prozent, den die saarländischen Firmen vor zwei Jahren verkraften mussten, ist fast kompensiert“, sagt Oliver Groll, IHK-Geschäftsführer für den Bereich International. Die saarländischen Unternehmen liefern jährlich Güter und Dienstleistungen für rund 1,8 Milliarden Euro ins Nachbarland. Der Außenhandel der Franzosen mit den Saar-Firmen beläuft sich auf 2,3 Milliarden Euro.

In Neueinstellungen, die Frankreich mit seiner Rekordarbeitslosigkeit dringend benötigt, schlägt sich der optimistischere Ausblick allerdings kaum nieder: 28 Prozent der befragten Firmen planen weitere Arbeitsplätze, vor zwei Jahren waren es 22 Prozent. Dass das Arbeitsrecht die deutschen Unternehmen abschreckt, bestätigt die alle zwei Jahre veröffentlichte Studie. Es sei so unflexibel, „dass alle Firmenchefs sich Sorgen um die Fähigkeit Frankreichs machen, es zu reformieren“, heißt es.

Wie stark die Widerstände sind, zeigte sich erst im Frühjahr, als die Gewerkschaften wochenlang massiv gegen das neue Arbeitsgesetz der Ministerin Myriam El Khomri protestierten, das Betriebsvereinbarungen beispielsweise zur Arbeitszeit vorsieht. „Die Straßenproteste sind eine Tradition in Frankreich“, sagt der Präsident der deutsch-französischen Industrie- und Handelskammer, Guy Maugis, im Gespräch mit dieser Zeitung. Er warnt davor, von dem neuen Arbeitsmarktgesetz, das im Sommer am Parlament vorbei verabschiedet wurde, schnelle Ergebnisse zu erwarten. „Das dauert drei bis fünf Jahre.“

Die deutschen Unternehmer fordern eine weitere Vereinfachung des Arbeitsrechts und mehr Flexibilität vor allem bei der Arbeitszeit. In diese Kerbe schlägt auch Wolfgang Meiser, geschäftsführender Gesellschafter des Schmelzer Gitterrost-Produzenten Meiser. Das Unternehmen hat in Nordfrankreich ein Werk. Daher weiß Meiser, dass „Restrukturierungen oder befristete Mehrarbeit sehr schwer durchsetzbar sind“. „Sowohl die Politik als auch die Gewerkschaften verweigern sich häufig.“ Eine ähnliche Auffassung vertritt IHK-Geschäftsführer Groll. Da es schwer sei, in Frankreich Arbeitnehmern betriebsbedingt zu kündigen, sei die Bereitschaft, neue Leute einzustellen, begrenzt. Anders sieht es Karlsberg-Chef Christian Weber. „Wenn man mit den Arbeitnehmer-Vertretern früh das Gespräch sucht, findet sich auch eine gute Lösung“, weiß er aus Erfahrung. Karlsberg betreibt mit der Brasserie Licorne eine Brauerei im Elsass. „Restrukturierung geht auch in Frankreich.“

Dass dies funktioniert, hat der Autobauer Smart im lothringischen Hambach vorgemacht. Seit kurzem arbeiten die rund 800 Beschäftigten des Smart-Werkes zwei Stunden mehr in der Woche ohne finanziellen Ausgleich. Als Gegenleistung wird der Standort vom Smart-Mutterkonzern Daimler bis 2020 gesichert. Diese Arbeitszeit-Regelung war indes sehr umstritten. Erst Einzelvereinbarungen mit den Mitarbeitern machte die Umsetzung möglich.

Insgesamt sind gut 3000 deutsche Unternehmen in Frankreich ansässig. Doch auf die Frage, ob sie sich denn wieder in Frankreich niederlassen würden, antworteten nur 53 Prozent mit Ja. 2014 waren es noch 68 Prozent gewesen.



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