Sie sind hier: HomeWirtschaftSZ-Artikel aus der Druckausgabe

Ex-HRE-Chef gibt Steinbrück die Schuld





München
Ex-HRE-Chef gibt Steinbrück die Schuld
Von  Carsten Hoefer, 
21. März 2017, 02:00 Uhr
Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten.

Zum Prozessauftakt schwieg Ex-HRE-Chef Georg Funke. Foto: Kneffel/dpa

Foto: Kneffel/dpa
Gut neun Jahre nach dem Zusammenbruch der Immobilienbank HRE steht deren früherer Chef Georg Funke nun vor Gericht.

(dpa) Zum Prozessauftakt will Georg Funke nichts sagen. Schmallippig sitzt der Ex-Banker gestern in München auf der Anklagebank. Die Weltfinanzkrise 2008/2009 haben viele Bürger angesichts neuer Bedrohungen und Ängste schon fast wieder vergessen. Doch mit mehrjähriger Verzögerung will das Landgericht Licht in das Dunkel um den teuersten Schadenfall in Deutschland bringen: den nur mit milliardenschwerer Staatshilfe abgewendeten Zusammenbruch der Immobilienbank HRE.

Ex-Vorstandschef Funke wurde Anfang 2009 für viele Bürger zur Symbolfigur des Gierbankers: Denn der heute 61-Jährige klagte nach seinem Sturz vor Gericht auf Gehalts- und Pensionszahlungen in Millionenhöhe. Dass er sich später als Immobilienmakler nach Mallorca zurückzog, taugte auch nicht zur Aufbesserung des Rufs.

Geht es nach Funke, waren zwei Faktoren beim HRE-Desaster hauptverantwortlich: der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers und der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD). Die Lehman-Pleite im September 2008 brachte die wechselseitige Kreditvergabe der Banken zum Erliegen. Der HRE ging das Geld aus. Steinbrück soll die Bank dann endgültig in den Abgrund geredet haben. „Ganz entscheidend war am Ende der Herr Steinbrück mit seiner sehr unbedachten Bemerkung, die Bank müsse abgewickelt werden“, sagt an Funkes Stelle Verteidiger Wolfgang Kreuzer. Der Ex-Bankier will sich erst heute, am zweiten Verhandlungstag, äußern. Steinbrück ist jedoch nicht als Zeuge geladen. Das Gericht wird sich keine Gedanken darüber machen, ob das Unglück vermeidbar gewesen wäre. Hypothetische Problemlösungen sind im Strafrecht nicht vorgesehen. Die Staatsanwaltschaft will auf etwas Anderes hinaus: Wie laut Anklage aus zahlreichen Protokollen des HRE-Vorstands und anderer Bankgremien hervorgeht, waren sich Funke und Kollegen schon sehr früh darüber im Klaren, in welch bedrängter Lage sie waren. So empfahl die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG den Bankern im März 2008 wegen absehbaren Geldmangels einen „Liquiditäts-Katastrophenplan“. Auch im Vorstand gab es mehrfach Diskussionen über die kritische Lage.

Doch in den HRE-Geschäftsberichten fand sich davon nur wenig, die Liquiditätslage wurde als „stabil“ dargestellt. Funke und dem mitangeklagten Finanzchef Markus Fell wird daher die Verschleierung der wahren Lage vorgeworfen, mögliche Höchststrafe drei Jahre. Fell ist darüber hinaus wegen des Verdachts der Marktmanipulation angeklagt. Er hatte noch Ende September 2008 auf einem Investorentag um Kapitalanleger geworben, obwohl die Vorbereitungen für ein erstes Rettungspaket mit staatlicher Hilfe bereits liefen.

Zum Thema:

Hilfen für die HRE (dpa) Die HRE (Hypo Real Estate) ist mit Kapitalspritzen des Bundes von knapp zehn Milliarden Euro plus Staatsbürgschaften über 124 Milliarden vor dem Kollaps gerettet worden. 2009 wurde die HRE notverstaatlicht und zerschlagen. Die dafür gegründete staatliche „Bad Bank“ FMS übernahm den schlechten Teil des Geschäfts. Die Schulden und bislang nicht einlösbaren Forderungen beliefen sich Ende Juni 2016 laut Bundesfinanzministerium auf 183 Milliarden Euro.


Landtagswahl 2017




> Alle Ergebnisse der Saar-Wahl     > Alle Berichte zum Wahl-Ergebnis




Berlin

Steinbrück und Schäuble im Kreuzverhör

Die sogenannten Cum-Ex-Deals waren über viele Jahre eine Möglichkeit, den Staat um Kapitalertragssteuer zu prellen. Mehr
Berlin

Aus für Abgeltungsteuer hat Tücken

Es ist eine seltene Einstimmigkeit unter Parteien im heraufziehenden Steuer-Wahlkampf 2017: Die Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge muss weg, fordern alle. Mehr
München

Freude am Gefahren werden

Die Zukunft hat schon begonnen: In fünf Jahren sollen die ersten Fahrzeuge in München und anderen deutschen Städten unterwegs sein, die keinen Fahrer mehr benötigen. Mehr



Teilen und diskutieren

Kommentieren Sie diesen Beitrag über Facebook, Twitter oder Google+:

FACEBOOK
GOOGLE+
TWITTER



Anzeige
Neu für Vereine:
SaarZeitung

Termin melden

Text schicken


ANZEIGE
Beilagen






Anzeige