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In Farébersviller entsteht auf 55 000 Quadratmetern ein neues Shopping-Center mit Freizeitpark





Farébersviller
Einkaufstempel will auch Saarländer locken
In Farébersviller entsteht auf 55 000 Quadratmetern ein neues Shopping-Center mit Freizeitpark

Von  Hélène Maillasson, 
02. Dezember 2016, 02:00 Uhr
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So soll das Einkaufscenter B'est in Farébersviller einmal aussehen …
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… noch ist das Gelände ein große Baustelle. Fotos: Codic (1)/hem (1)
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Projektleiter Vincent Xolin zeigt Bürgermeister Laurent Kleinhentz (links) die Fortschritte auf dem Grundstück. Foto: hem

Foto: hem
Knapp 100 Geschäfte, mehrere Restaurants und ein großer Supermarkt gepaart mit Sport- und Freizeitaktivitäten: Das lothringische Projekt B'est soll im Frühjahr 2018 fertig sein. Die SZ hat sich auf der Baustelle umgesehen.

Das Gerüst für den Großsupermarkt und für die Shopping-Galerie steht schon. Da, wo ein Freizeitpark mit Bowlingbahn und Klettergarten entstehen soll, sieht man zurzeit nur Bagger, die im Schlamm graben. Dennoch ist Projektleiter Vincent Xolin vom Pariser Bauträger Codic zufrieden: „Wir liegen gut im Zeitplan.“ Zeit hat er noch, die Eröffnung des neuen Einkaufzentrums B'est in Farébersviller – 25 Kilometer von Saarbrücken entfernt – ist für das Frühjahr 2018 geplant. Ab dann sollen rund sechs Millionen Menschen im Jahr auf einer Gesamtfläche von 55 000 Quadratmetern (zum Vergleich Gesamtfläche Style Outlets in Zweibrücken: 30 300 Quadratmeter), einkaufen, essen und ihre Freizeit verbringen, so die Marktprognose .

Xolin, dessen Firma 150 Millionen Euro in das Projekt investiert, hat nicht nur französische Kunden im Visier. „Wir wollen auch die deutschen Nachbarn ansprechen. Wir werden ein paar deutsche Filialen haben“, sagt er. Namen nannte er jedoch nicht. Natürlich könne man, was manche Produkte angeht, wie zum Beispiel Drogerie-Artikel, nicht mit dem deutschen Markt konkurrieren. „Doch unser Angebot mit einem integrierten Freizeitpark ist ganz anders als diejenige von Einkaufszentren wie die Europa-Galerie in Saarbrücken, die Style Outlets in Zweibrücken oder Waves bei Metz“, sagt der Projektleiter. Dieser Teil des Geländes ist in zwei Bereiche unterteilt: eine Außenfläche mit einem Mini-Bauernhof und einem Kletterpark sowie eine Indoorhalle mit unter anderem Bowlingbahnen, Lasergame und Trampolinen. Dazu kommen vier Gastro-Betriebe.

Auf eine 8000-Quadratmeter große Fläche zieht die Supermarkt-Kette Auchan ein. Laut Bauträger Codic sind heute 70 Prozent der rund 100-Geschäfts parzellen bereits vergeben. Das bringt Jobs in den ehemaligen Kohlebecken. Deshalb war Farébersvillers Bürgermeister Laurent Kleinhentz von Anfang an ein Verfechter des Projekts. Um es umzusetzen, musste die Stadt Landwirten 273 Grundstücke abkaufen. Doch es habe sich gelohnt: „Während der Bauphase arbeiten rund 250 Menschen hier. Sobald B'est eröffnet, werden dadurch 750 Stellen entstehen“, sagt Kleinhentz. Man arbeite mit der örtlichen Arbeitsagentur zusammen, um Arbeitslose in die gefragten Berufe umzuschulen.

Waves, Supergreen und das neu geplante Muse in der Metzer Innenstadt – Einkaufszentren gibt es in Lothringen schon viele. Ist die Ansiedlung von B'est nicht am Bedarf vorbeigeplant? „Nein“, sagt Patrick Weiten, Präsident des Départements Moselle. „Dass B'est nach Farébersviller kommt, ist kein Zufall. Es entspricht einer Marktlücke, die im Osten der Moselle festgestellt wurde. Diese Ansiedlung soll als Zugpferd für weitere Niederlassungen dienen“, sagt Weiten. Er will auch die „Einkaufsflucht der Menschen dieses Gebietes Richtung Deutschland beschränken“. Dafür scheint die Lage gut gewählt: direkt an der Autobahn, in einem Dreieck zwischen Forbach, Saargemünd und St. Avold. Jahrelang haben sich die Einzelhandelsverbände dieser Städte gegen B'est gewehrt. Sie befürchteten ein Sterben der Innenstädte, die bereits jetzt zu kämpfen haben. Weiten sieht das anders:: „B'est wird viele Filialen nationaler Marken haben, während das Angebot der Innenstädte eher aus inhabergeführten Geschäften, Boutiquen und Handwerk besteht.“

Auch Frédéric Romac, Vorsitzender der Gewerbebetreibenden in Forbach, sieht das mittlerweile so. Aber er will nichts beschönigen. „Die Eröffnung wird uns wehtun. Die Menschen werden zunächst neugierig sein und zum Einkaufen eher dorthinfahren als in die Stadt. Diese Auswirkung wird vermutlich fünf bis sechs Monaten anhalten, bis sich das wieder normalisiert“, schätzt der Geschäftsmann. Nicht alle Geschäfte würden das überleben. Aber immerhin habe man Zeit, sich neue Ideen einfallen zu lassen, um die Menschen trotz Einkaufstempel an der Autobahn wieder in die Innenstädte zu locken.

Meinung:

Echte Konkurrenz

Von SZ-Redakteurin Hélène Maillasson

Für den von hoher Arbeitslosigkeit geplagten Raum um Farébersviller ist das Projekt B'est mit 750 Jobs eine sehr gute Nachricht. Anders für die Kaufmannschaft in Saarbrücken. In den nächsten Monaten sollte sie genau beobachten, wer dort einzieht und Konzepte gegen die neue Konkurrenz erarbeiten. 100 Geschäfte, viel Gastronomie und noch ein Kletterpark: B'est hat viel zu bieten. Umso mehr sollte Saarbrücken bei französischen Kunden für seinen städtischen Charakter werben. Inhabergeführte Boutiquen in der Mainzer Straße, ansprechende Terrassen an der Berliner Promenade und auf der Heimfahrt ein Spaziergang durch den deutsch-französischen Garten. Das gibt's eben nicht in Farébersviller.



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