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Hacker-Angriff trennt 900 000 Haushalte vom Netz





Berlin
Telekom-Kunden sind abgehängt
Hacker-Angriff trennt 900 000 Haushalte vom Netz

dpa-Mitarbeiterin Renate Grimming,afp,  29. November 2016, 02:00 Uhr
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Bei vielen Telekom-Kunden ging gestern nichts mehr. Sie sind gehackt worden. Foto: dpa

Foto: dpa
Das Telefon ist tot, das TV-Programm weg und der Browser lädt nichts mehr. Fast eine Million Telekom-Kundenhaushalte waren seit dem Wochenende von massiven Netzausfällen betroffen.

Für viele Menschen gehört das Internet längst zum Alltag. Doch am Wochenende war für rund 900 000 der 20 Millionen Telekom-Kunden dieser Alltag gestört: Bei ihnen war das Internet ausgefallen – und nichts ging mehr. Stundenlang suchte die Deutsche Telekom nach der Ursache, spielte Software-Updates ins Netz ein, und bekam so die Ausfälle weitgehend in den Griff. Offen blieb die Frage: Wie konnte es dazu kommen?

Frühzeitig war auch seitens der Telekom ein möglicher Angriff von außen ins Gespräch gebracht worden. Im Laufe des gestrigen Tages verdichteten sich entsprechende Hinweise – das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) teilte mit, der Ausfall sei Folge eines weltweiten Angriffs „auf ausgewählte Fernverwaltungsports von DSL-Routern“. Über diese Zugänge können Nutzer von außen auf ihre Geräte zugreifen. Ziel sei gewesen, „die angegriffenen Geräte mit Schadsoftware zu infizieren“. Die Attacken seien auch in dem vom BSI selbst geschützten Regierungsnetz merkbar gewesen, hieß es. Warum bei einem weltweiten Angriff vor allem die Telekom für Schlagzeilen sorgte, blieb unklar.

Wie die Telekom berichtete, hatten manche Kunden seit Sonntagnachmittag Einschränkungen bei der Internet-Nutzung oder starke Qualitätsschwankungen, bei manchen ging gar nichts mehr. Die Router der Kunden wurden bei der Telekom nicht mehr erkannt. Das Unternehmen riet betroffenen Nutzern, ihr Gerät für kurze Zeit vom Strom zu trennen und es dann erneut zu versuchen. Router sind die Schaltzentralen des Netzes und sorgen dafür, dass Daten ans Ziel kommen.

Nach der Neuanmeldung und erneuten Registrierung war das Problem gestern in den meisten Fällen behoben, weil aus dem Netz der Telekom dabei ein aktualisiertes Programm auf die Router eingespielt wurde. Offenbar waren nur Router der Telekom-Marke Speedport betroffen. Die Telekom bot betroffenen Kunden mit Mobilfunkvertrag an, für eine begrenzte Zeit kostenlos über das Mobilnetz das Internet zu nutzen.

Eines der großen Rätsel dürfte bei der Aufarbeitung des Vorfalls das uneinheitliche Fehlerbild gewesen sein, schätzt Jürgen Kuri, stellvertretender Chefredakteur des Fachmagazins „c't“. Vom Konzern hieß es, mit näheren Details sei erst für die nächsten Tage zu rechnen.

Unterdessen wird die wachsende Anfälligkeit wichtiger Infrastrukturen durch den Ausfall mehr als deutlich. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich besorgt über die Zunahme von Cyberattacken auf „sensible Infrastrukturen“. „Darin liegt ein erhebliches Bedrohungspotenzial, auf das wir flexibel und innovativ reagieren müssen.“ Die Bundesregierung verwies auf die Bedeutung der Cybersicherheit. Der nötige Schutz von Datennetzen sei eine Aufgabe, die Staat, Wirtschaft und Gesellschaft sehr ernst nehmen müssten und ernst nähmen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Zum Thema:

Hintergrund Schon in den vergangenen Jahren gab es mehrere aufsehenerregende Fälle von Hacker-Angriffen: Bundestag: Im Mai 2015 fallen verdächtige Aktivitäten im Computernetz des Parlaments auf. Die Angreifer konnten sich so weitreichenden Zugang verschaffen, dass die Bundestags-IT ausgetauscht werden muss. Nahverkehr: In San Francisco konnte man am vergangenen Wochenende kostenlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, weil die rund 2000 Ticket-Automaten von Erpressungs-Software lahmgelegt wurden. Sony Pictures: Ein Angriff, hinter dem Hacker aus Nordkorea vermutet wurden, legte im November für Wochen das gesamte Computernetz des Filmstudios lahm. Ashley Madison: Eine Hacker-Gruppe stahl im Juli 2015 Daten von rund 37 Millionen Kunden des Dating-Portals. Ashley Madison hatte seinen Nutzern besondere Vertraulichkeit beim Fremdgehen versprochen. dpa



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