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Instillo-Gruppe aus Überherrn will mit neuer MJR-Technologie Medikamente und Nahrungsmittel verbessern





Überherrn
Ein Mini-Reaktor als Alleskönner
Instillo-Gruppe aus Überherrn will mit neuer MJR-Technologie Medikamente und Nahrungsmittel verbessern

30. November 2015, 00:00 Uhr
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Im Labor: Instillo-Chef Bernd Baumstümmler (r.) und die Geschäftsführer der Partner-Firma Quasaar, Markus Limberger und Christoph Jacobs (v.l.). Foto: Rolf ruppenthal Foto: Rolf ruppenthal
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Der Micro-Jet Reactor ist klein. Die Instillo-Gruppe setzt große Hoffnung auf ihn. Foto: instillo Foto: instillo
Die Instillo-Gruppe aus Überherrn will mit einem neuen Reaktionsverfahren bekannte Wirkstoffe weiterentwickeln und neue entdecken. 21,5 Millionen Euro wurden bereits als Risikokapital eingesammelt.
Er ist nur wenige Zentimeter groß, hat mehrere Eingänge sowie einen Ausgang und besteht aus hochwertigem Stahl. Die Rede ist von einem so genannten Micro-Jet Reactor (MJR). „Mithilfe dieses MJR können im Nano- und Mikro-Bereich viele neue Produkte entwickelt werden, die ein großes Zukunftspotenzial haben“, ist Bernd Baumstümmler überzeugt. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der Instillo Group. In dieser Gruppe sind mehrere Unternehmen zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, das auf Basis der MJR-Technologie neue Produkte und Verfahren erforschen und vermarkten will – sowohl für die Pharma- als auch für die Lebensmittel- und die chemische Industrie. Nanopartikel sind Winzlinge, die ein millionstel Millimeter und größer sind. Der Mikro-Bereich fängt bei einem millionstel Meter an.

„Normale chemische Reaktionen laufen in einem so genannten Batch-Verfahren ab“, erläutert Baumstümmler den Unterschied. Dabei wird ein Reaktionsgefäß befüllt, und der gewünschte chemische Prozess läuft ab. Danach wird das Gefäß geleert und erneut aufgefüllt. „Im Gegensatz zum Batch-Prozess sorgt der MJR für eine kontinuierliche Reaktion, bei dem wir die Parameter wie Temperatur, Druck oder die Durchfluss-Geschwindigkeit sowie die Konzentration der Partikel sehr leicht kontrollieren und steuern können“, sagt der promovierte Biologe.

Ausgetüftelt wurde der MJR schon im Jahr 1986 – und zwar von dem Lebacher Chemiker Bernd Penth, der zunächst auch das Patent darauf hatte. Inzwischen liegen die Rechte bei der Instillo Group. Dieses Firmen-Netzwerk hat den MJR stetig weiterentwickelt, und die ersten Produkte stehen jetzt vor der Marktreife. So im Medizin-Bereich: Federführend ist hier der Instillo-Gruppenpartner Leon Nanodrugs. Diese Firma verbessert Medikamente mit Wirkstoffen, die bereits bekannt sind – wie zum Beispiel solche, die Schmerzen lindern. „Sie wirken nicht nur schneller, sondern sie werden auch vom Körper vollständig aufgenommen und abgebaut“, sagt Baumstümmler. „Beim Aspirin wird der Turbo eingeschaltet.“ Offenbar sind auch außenstehende Investoren mit Branchenkenntnis von diesem Verfahren überzeugt. Kürzlich hat Leon Nanodrugs bei einem internationalen Risikokapital-Konsortium insgesamt 21,5 Millionen Euro einsammeln können. Bisher wurde die Instillo Group neben den eigenen Umsätzen aus Wirtschaftsfördermitteln des Landes, aus Kapitalbeteiligungen der landeseigenen Strukturbank SIKB und über Kredite der Kreissparkasse Saarlouis finanziert. Für die Entwicklung neuer Geschäftsbereiche rund um die MJR-Technologie ist die Instillo Group zur Zeit auf der Suche nach weiteren Partnern.

Dafür zuständig, dass die – im Pharma-Bereich üblichen – strengen Qualitätskriterien und Zulassungs-Vorschriften eingehalten werden, ist die Partnerfirma Quasaar. „Wir setzen die Leitplanken, damit stets eine hohe Qualität sichergestellt ist“, sagt Quasaar-Geschäftsführer Markus Limberger.

Alles, was sich außerhalb des Pharma-Bereichs tut, betreut der Gruppenpartner Nano-Saar. Hier steht ebenfalls schon ein Produkt vor dem Marktstart. Zusammen mit der Bexbacher Firma KD Pharma, das auf hochwertige Omega-3-Fettsäuren als Nahrungsergänzung spezialisiert ist, hat Nano-Saar ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, die KD Omega Health (Homburg). Dort wird mit dem MJR-Verfahren eine Paste hergestellt, die nach Zitrone und anderen Früchten schmeckt. Die Zitrus-Teilchen umschließen die winzigen Omega-3-Partikel. Diese haben einen starken Fisch-Geschmack, weil vor allem Meerestiere viel Omega-3-Fettsäure in ihrem Körper aufbauen können. „So gelangt der wertvolle Stoff in unseren Körper, ohne dass der aus Kindheitstagen verhasste Lebertran-Geschmack unseren Gaumen quält“, sagt Nano-Saar-Manager Hermann Schirra.

 

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HintergrundDie Instillo Group ist vor kurzem aus dem Starterzentrum auf dem Homburger Campus nach Überherrn in eigene, neu errichtete Gebäude gezogen. Belegt sind bereits die Büros und die Labore. Geplant ist dort aber auch der Aufbau einer Produktion. Das gesamte Areal umfasst 12 000 Quadratmeter. Bislang wurden einschließlich des Grundstückskaufs 4,5 Millionen Euro ausgegeben. Die Instillo-Gruppe plant für die Jahre 2017 und 2018 dort weitere zehn Millionen Euro zu investieren und rechnet mit bis zu 80 zusätzlichen Arbeitsplätzen. Der Netzwerk-Partner Quasaar plant Investitionen von 2,8 Millionen Euro und will 25 neue Jobs schaffen. low


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