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Torpedo-Gruppe aus Kaiserslautern hat die Saar-Niederlassung übernommen





Saarbrücken
Neustart für Mercedes im Saarland
Torpedo-Gruppe aus Kaiserslautern hat die Saar-Niederlassung übernommen

07. Januar 2016, 02:00 Uhr
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Maximilian Ritter ist der Geschäftsführer der Torpedo Garage Saarland. Foto: Iris Maurer Foto: Iris Maurer
Torpedo Garage Saarland heißt seit 1. Dezember die frühere Daimler-Niederlassung mit ihren sechs Standorten. Von den 370 Mitarbeitern wurden alle, die wollten, übernommen. Erste Investitionen werden geplant.


 
Der Rückzug des Daimler-Konzerns aus seiner Niederlassung an der Saar ist vollzogen. Seit 1. Dezember gehören die sechs Standorte im Saarland (Saarbrücken, Neunkirchen, Saarlouis, St. Wendel, Homburg und Wadgassen) zur Torpedo-Gruppe mit Sitz in Kaiserslautern. Die rund 370 Beschäftigten wurden, wenn sie wollten, übernommen. „Zurzeit sind wir dabei, die Mitarbeiter-Teams unserer Firmengruppe zu integrieren und aus zwei Unternehmenskulturen eine neue zu entwickeln“, sagt Maximilian Ritter, Geschäftsführer der neu gegründeten Firma Torpedo Garage Saarland. Dazu wurde ein Integrationsteam gebildet mit jeweils zwei Leuten aus der Pfalz und dem Saarland. „In rund 200 Einzelgesprächen haben wir versucht, die Sorgen und Ängste der Mitarbeiter abzubauen, die sich aus der Übernahme ergaben“, erläutert er. „Außerdem haben wir sie in Entscheidungen mit eingebunden.“

Der 29-jährige Maximilian Ritter, der an der Saar-Universität Betriebswirtschaftslehre mit Abschluss Diplom-Kaufmann studiert hat, gehört der vierten Generation des 1928 gegründeten Familienunternehmens an. An dessen Spitze stehen sein Bruder Christian (35) und sein Vater Peter Ritter (70). Der neue Geschäftsführer hofft, dass inzwischen eine gewisse Vertrauensbasis entstanden ist und „die Beschäftigten im Saarland ihre hohe Fachkompetenz in das gemeinsame Unternehmen einbringen“.

„Einfach wird das nicht“, sagt Betriebsratschef Michael Christmann. „Die Mitarbeiter müssen zum Teil spürbare Einkommenseinbußen hinnehmen, die zwischen 300 und 700 Euro liegen.“ Denn die Torpedo-Gruppe zahlt nach Angaben von Christmann und Ritter den Tarif des saarländischen Kfz-Handwerks. Vorher galt der Daimler-Industrietarif. Allerdings gewährten die Stuttgarter einen sogenannten Nachteils-Ausgleich als einmalige Abfindung. „Damit wird das verminderte Entgelt über einen Zeitraum von zehn Jahren ausgeglichen“, sagt Christmann. Derzeit verhandele der Betriebsrat mit der Familie Ritter um die künftige Eingruppierung der Mitarbeiter. „Das wird noch schwierig.“ Denn das Entgelt-Rahmenabkommen (ERA) des Daimler-Konzerns „unterscheidet sich doch wesentlich von den Entgeltgruppen des Kfz-Tarifvertrags“, sagt der Betriebsratschef. Für zehn Mitarbeiter sei eine Altersteilzeit-Regelung erreicht worden. Diese würden in ihrer aktiven Phase weiter im Saarland arbeiten, seien aber offiziell bei der Daimler-Niederlassung Mannheim beschäftigt und per Arbeitnehmerüberlassung ausgeliehen.

Maximilian Ritter setzt auf einen reibungslosen Übergang – auch in der Führungsebene. „Dort sorgen bisher bereits bekannte Ansprechpartner für Kontinuität“, sagt er. So leitet Peter Würtz den Bereich Service bei der Torpedo-Garage Saarland. „Er ist seit 41 Jahren in der früheren Daimler-Niederlassung tätig und kennt hier jeden Stein“, so der neue Chef. Für den Lkw- und Transporter-Verkauf ist Mario Westrich zuständig. Der gebürtige Landstuhler lebt seit 38 Jahren im Saarland. Er war vorher 17 Jahre bei der Mercedes-Benz-Bank in Saarbrücken beschäftigt. Den Pkw-Verkauf wird Markus Erb leiten, der bislang schon für die Sparte Gebrauchtwagen verantwortlich war.

Die Torpedo-Leute wollen außerdem in die Saar-Niederlassung investieren. „Hier sind wir dabei, für die einzelnen Standorte maßgeschneiderte Konzepte zu entwickeln“, sagt Ritter. In Saarbrücken und Neunkirchen falle dies leichter, „denn dort gehört uns das Gelände“. Allein im Saarbrücker Industriegebiet Süd verfügt das Unternehmen über 65 000 Quadratmeter Fläche. Dort liege zunächst auch der Fokus der Weiterentwicklung.

Jedoch sei nicht daran gedacht, mit den anderen Marken der Torpedo-Gruppe – Hyundai, Smart und Land Rover (siehe Hintergrund) – ins Saarland vorzustoßen, betont Ritter. „Wir konzentrieren uns an der Saar ganz auf Mercedes-Benz.“

Zum Thema:

HintergrundDie Torpedo Gruppe aus Kaiserslautern ist einer der größten Autohändler Deutschlands. Zusammen mit der Torpedo Garage Saarland beschäftigt das Familienunternehmen, das 1928 gegründet wurde, 1100 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von rund 400 Millionen Euro. Es verfügt über 22 Standorte und 31 Betriebe in vier Bundesländern. Der Schwerpunkt liegt in der Pfalz und in Sachsen – sowie neuerdings auch im Saarland. Die Hauptmarke ist Mercedes-Benz, sowohl im Pkw- als auch im Lkw- und im Nutzfahrzeug-Bereich. Weitere Vertriebsmarken sind Hyundai, Smart und in Kaiserslautern außerdem Land Rover. Diese Handelssparte firmiert unter TG Automobile. low


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