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100 von 400 Mitarbeitern verlieren ihren Job – Firmengründer Scheer: Musste handeln





Saarbrücken
IDS Scheer Consulting wird saniert
100 von 400 Mitarbeitern verlieren ihren Job – Firmengründer Scheer: Musste handeln

27. September 2014, 00:00 Uhr
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Der Standort der IDS Scheer Consulting in Burbach wird wohl aufgegeben. Foto: Becker&Bredel Foto: Becker&Bredel
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August-Wilhelm Scheer
Dem stark ins Minus gerutschten Beratungsunternehmen IDS Scheer Consulting stehen harte Zeiten bevor. 100 der 400 Beschäftigten verlieren ihren Job, 25 davon in Saarbrücken.
Das Saarbrücker Beratungs- und Software-Unternehmen IDS Scheer Consulting wird in einem so genannten Schutzschirm-Verfahren saniert und restrukturiert. Dadurch verlieren 100 von 400 Mitarbeitern ihren Arbeitsplatz, davon 25 in der Zentrale im Saarbrücker IT-Park. Der Rest verteilt sich auf die sieben anderen Standorte. Das kündigten am Freitag der Eigentümer des Unternehmens, Professor August-Wilhelm Scheer, und der St. Ingberter Rechtsanwalt Franz Abel an. Insolvenz-Spezialist Abel wird neben den bisherigen Chefs Josef Bommersbach und Rudolf Keul Geschäftsführer von IDS Scheer Consulting und ist für die Neuausrichtung zuständig. Als Sachwalter hat das Amtsgericht den Saarbrücker Anwalt Günter Staab eingesetzt. Dieser hat die Aufgabe, die wirtschaftliche Lage des Unternehmens zu überprüfen und die Geschäftsführung zu überwachen.

Scheer begründete diesen harten Sanierungsschritt mit der „katastrophalen Lage des Unternehmens“, das er erst im Juni von der Darmstädter Software AG zurückgekauft hatte. Jeden Monat seien eine Million Euro Verlust aufgelaufen. Das Geld hätte nur noch bis November gereicht. Der ehemalige Hochschullehrer hatte die IDS Scheer gegründet und groß gemacht. Das Geschäftsmodell seines früheren Unternehmens beruhte auf zwei Säulen: Der Beratung von Firmen, wenn sie die Software des Walldorfer IT-Riesen SAP zum Laufen bringen wollten, und dem eigenen Software-Produkt Aris. 2009 wurde IDS Scheer an die Software AG verkauft. Es stellte sich schnell heraus, dass die Darmstädter keine Freude am Beratungsgeschäft der in IDS Scheer Consulting umgetauften Sparte hatten und sie wieder verkaufen wollten. Da sich kein Käufer fand, holte Scheer seine alte Firma wieder zurück. Bei näherem Hinsehen sei schnell klar gewesen, „dass sofort gehandelt werden muss“, sagt er heute. Es sei kaum Neugeschäft akquiriert worden. Etliche Berater hätten ein Jahr kein Projekt gehabt. „Hochbezahlte Leute saßen bei vollen Bezügen zu Hause.“

Gänzlich unberührt von dieser Sanierung seien die übrigen sechs Firmen der Scheer Group. Diese Unternehmen „wachsen und verdienen Geld.“ Sie haben ihren Sitz im Scheer Tower auf dem Saarbrücker Uni-Gelände. Das Geschäft von IDS Scheer Consulting soll stärker mit dem der anderen Firmen vernetzt werden. Die Berater sollen in den Tower ziehen. Nicht betroffen ist auch IDS Scheer Consulting Austria mit rund 80 Mitarbeitern. Scheer und Abel wollen die Sanierung bis Ende Februar 2015 abgeschlossen haben.

Das Schutzschirm-Verfahren ESUG (Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen) ist seit zwei Jahren Teil des Insolvenzrechts. Es erlaubt, die Kündigungsfristen auf maximal drei Monate zu deckeln und Sozialplan-Ansprüche auf das 2,5-fache eines Monatsgehalts. Es wird drei Monate lang Insolvenzgeld gezahlt.

Meinung:

Das große Aufräumen

Von SZ-RedakteurLothar Warscheid

Dass es dem Vorzeige-Unternehmer August-Wilhelm Scheer schwer gefallen ist, die Urzelle seiner früheren Firma IDS Scheer quasi in die Insolvenz zu schicken, kann man ihm abnehmen. Schon der Rückkauf war vermutlich mehr Herzenssache als kühl kalkulierende Unternehmer-Logik. Eine Firma, die seinen Namen trägt, konnte er nicht untätig in den Abgrund taumeln sehen. Jetzt, wo er sie unter dem Schutzschirm hat, beginnt allerdings das große Aufräumen. 100 Leute müssen gehen. Doch ohne harte Schnitte hätte IDS Scheer Consulting auch den Rest der Gruppe gefährdet.


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