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Saarhütten-Verband: Unternehmen haben jetzt Planungssicherheit



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Saarbrücken
Mehr Geld für Stahl-Arbeiter
Saarhütten-Verband: Unternehmen haben jetzt Planungssicherheit

Thomas Sponticcia,Lothar Warscheid (SZ),  28. Januar 2016, 02:00 Uhr
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Der neue Tarifvertrag für die rund 12 000 Arbeitnehmer der saarländischen Stahlindustrie ist unter Dach und Fach. Foto: Oliver Dietze Foto: Oliver Dietze
Der neue Tarifvertrag für die rund 12 000 Beschäftigten in der saarländischen Stahlindustrie steht. Er sieht im Kern eine Entgelterhöhung von 2,3 Prozent vor. Für die Arbeitgeber ist er „gerade noch zumutbar“.


 
Schon in der ersten Verhandlungsrunde haben sich die Arbeitgeber und die IG Metall in der Nacht zum Mittwoch auf einen Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 16 Monaten geeinigt. Er orientiert sich im Wesentlichen an dem im November in Westdeutschland ausgehandelten Positionen. Demnach erhalten die rund 12 000 Beschäftigten in der saarländischen Stahlindustrie ab April 2,3 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Für Februar und März gibt es eine Einmalzahlung von 200 Euro. Auszubildende bekommen 160 Euro.

Nach Auskunft des Verhandlungsführers der IG Metall, Robert Hiry, kommt im Saarland noch eine Regelung hinzu, die im Rahmen der Mitbestimmung Betriebsräten mehr Mitspracherecht bei der Beschäftigung in Leiharbeitern in Unternehmen vorsieht. Hiry räumte gegenüber unserer Zeitung ein, die derzeitige Kostensituation in der Stahlindustrie sei insgesamt „nicht prickelnd“. Allerdings dürfe man auch die saarländischen Stahlarbeiter nicht von der allgemeinen Einkommensentwicklung in Deutschland ausschließen. Hätte man geringer abgeschlossen als im Westen Deutschlands, hätte dies nach Ansicht von Hiry auch zu Wettbewerbsverzerrungen geführt.

Der Abschluss ermögliche es zudem den Beschäftigten, mehr zu konsumieren und so auch einen Beitrag zum Wirtschaftswachstum zu leisten, sagte der erste Bevollmächtigte der IG Metall in Völklingen. Hiry bezieht sich hier auch auf Prognosen führender Wirtschaftsinstitute, die einen Aufschwung in Europa vorrangig durch eine Belebung der Binnenkonjunktur erwarten. Auch seien die 2,3 Prozent Plus angesichts der geringen Inflation vertretbar. Der Abschluss bringe den Unternehmen zudem Planungssicherheit. Der Anteil der Personalkosten am Umsatz bewege sich derzeit im „kleinen zweistelligen Bereich“, sagte Hiry. Die Belastungen für die Stahlunternehmen kämen von anderen Faktoren, insbesondere den weltweiten Überkapazitäten und der Schwemme an Billigstahl in Europa durch die Chinesen.

Der Präsident des Verbandes der Saarhütten, Albert Hettrich, betonte, dass „dieser Tarifabschluss angesichts der fortdauernd schwierigen Lage der Stahlindustrie für die Unternehmen gerade noch zumutbar ist“. Beiden Tarifvertragsparteien sei eine schnelle Einigung wichtig gewesen, um eine längere Auseinandersetzung zu vermeiden „und die tatsächlichen großen wirtschaftlichen Probleme anzugehen“. Diese seien unter anderem die von der EU-Kommission geplante Neuausrichtung des Emissionshandels mit höheren Kosten für die Zertifikate sowie die vorgesehene Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), bei dem auch die Erzeuger von Eigenstrom künftig eine EEG-Umlage zahlen sollen. Hinzu komme „die unerträgliche Zunahme von Stahlimporten zu Dumpingpreisen“. Die längere Laufzeit des Tarifvertrages gebe den Stahlkonzernen Planungssicherheit und helfe ihnen, den Problemen der Branche „gemeinsam und kraftvoll entgegenzuwirken“, sagte Hettrich.

Meinung:

Eine verlässliche Basis

Von SZ-RedakteurLothar Warscheid

Der Tarifabschluss in der Stahlindustrie an der Saar ist unter Dach und Fach. Er bietet keine Überraschung, weil er sich traditionell an dem orientiert, was zuvor in der westdeutschen Stahlindustrie ausgehandelt wurde. Daher ist es gut, dass in der ersten Verhandlungsrunde eine Einigung erzielt wurde. Der Abschluss kann sich angesichts der schwierigen Situation der Unternehmen für die Arbeitnehmer sehen lassen. Für die Stahlhütten bedeutet er eine verlässliche Basis, auf der sie ihre Planungen aufbauen können. Das ist gut, denn alle Beteiligten müssen den Kopf frei haben, um die bevorstehenden Herausforderungen zu meistern.


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