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Über drei Millionen Bundesbürger verdienen sich etwas hinzu





Neuer Rekord bei Nebenjobs
Über drei Millionen Bundesbürger verdienen sich etwas hinzu

25. März 2014, 00:00 Uhr
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Noch nie haben sich so viele Bundesbürger neben ihrem Hauptjob noch etwas hinzu verdient wie im vergangenen Jahr. Ob aus purer Not, oder um sich ein paar Extras leisten zu können. Nachfolgend Details und Hintergründe zu den gestern bekannt gewordenen Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), der „Denkfabrik“ der Bundesagentur für Arbeit, in Frage-Antwort-Form aufbereitet von SZ-Korrespondent Stefan Vetter.


 
Wie viele Menschen arbeiten noch nebenbei?

Die Zahl Beschäftigten mit einem Nebenjob hat 2013 erstmals seit der Wiedervereinigung die Drei-Millionen-Marke (3,02 Millionen) überschritten. Allein in den vergangenen zehn Jahren hat sich ihre Zahl verdoppelt. Immerhin elf Prozent der sozialversicherungspflichtigen Frauen gehen heute zusätzlich einem Minijob nach. Bei den Männern sind es sieben Prozent.

Woher rührt der Boom?

Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung führt den Boom auf eine Gesetzesänderung im Jahr 2003 zurück, die von der damaligen rot-grünen Bundesregierung beschlossen worden war. Bis dahin galt die Regelung, dass auf Minijobs im Nebenerwerb die vollen Sozialbeiträge lasteten. Seit Streichung dieser Vorschrift sind Minijobs auch im Nebenerwerb praktisch abgabenfrei. Dadurch habe sich die Attraktivität dieser Beschäftigungskombination enorm erhöht. „Nach der Gesetzesänderung ist ein großer Sprung zu beobachten“, sagte Weber unserer Zeitung .

Gibt es noch weitere Vorteile?

Erwerbstätige, die sich neben ihrem Hauptjob noch etwas hinzuverdienen, sind auch gegenüber den Beschäftigten im Vorteil, die in ihren Betrieben bezahlte Überstunden machen. Denn Überstunden unterliegen der vollen Steuer- und Abgabenpflicht. Der zusätzliche Minijob aber nicht. Dies sei jedoch „sehr unfair gegenüber der Versichertengemeinschaft“, kritisierte die Arbeitsmarktexpertin der Grünen, Brigitte Pothmer, gegenüber unserer Zeitung. Deshalb müssten Minijobs unattraktiver werden. „Zum Beispiel durch eine Sozialversicherungspflicht ab dem ersten Euro“, meinte Pothmer. Beim Minijob können nach geltendem Recht monatlich bis zu 450 Euro steuer- und abgabenfrei hinzuverdient werde n.

Welche Branchen sind besonders betroffen?

Besonders verbreitet sind Minij obs als Nebenerwerb im Gastgewerbe. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit verdienten sich dort Mitte 2013 rund 304 000 Arbeitnehmer noch etwas hinzu. Das waren fast zwölf Prozent der Beschäftigten in dieser Branche. Im Bereich Gesundheits- und Sozialwesen arbeiteten 290 000 Personen, die gleichzeitig über einen Haupt- und einen Nebenjob verfügten. Ihr Anteil lag bei elf Prozent. Im Einzelhandel waren es 278 000 Personen. Der Anteil lag bei 10,6 Prozen t.

Sind Nebenjobs „Pflicht“ oder „Kür“?

Darüber gibt es bislang keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse. „Wenn man sich die Personen näher anschaut, dann scheinen das allerdings nicht diejenigen zu sein, die auf das zusätzliche Geld unbedingt angewiesen sind“, meinte IAB-Experte Weber. So seien unter den Nebenjobbern relativ wenige Geringqualifizierte. „Viele haben einen ordentlichen Hauptjob, der eigentlich ausreichen sollte.“ Zumindest gebe es keine Anhaltspunkte, die auf ein massenhaftes Armutsphänomen hindeuteten, sagte Weber. Bei der Linkspartei und den Grünen ist man dagegen überzeugt, dass der Hauptjob häufig nicht mehr zur Existenzsicherung reicht und Betroffene deshalb auf zusätzliche Einkün fte angewiesen sind.

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