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Arbeitsdirektor Schweda: Stahlbranche fehlt wegen Billig-Konkurrenz und EU-Auflagen Geld für Investitionen



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Dillingen/Völklingen
Kampf um Saar-Hütten spitzt sich zu
Arbeitsdirektor Schweda: Stahlbranche fehlt wegen Billig-Konkurrenz und EU-Auflagen Geld für Investitionen

24. Februar 2016, 02:00 Uhr
Die deutschen Stahlhersteller sind in Qualität und Umweltschutz weltweit an der Spitze. Davon ist Peter Schweda, Arbeitsdirektor beider Saar-Hütten überzeugt. Deshalb müsse die EU ihre Pläne für eine Verschärfung der Umweltauflagen kippen.
 
„Ohne Stahlindustrie ist für mich Deutschland nicht komplett. Und das Saarland erst recht nicht.“ Peter Schweda, seit 40 Jahren in der Stahlbranche tätig, heute als Arbeitsdirektor im Vorstand der Dillinger Hütte und von Saarstahl, sieht die deutschen Stahlhersteller in der Qualität und auch beim Umweltschutz an der Spitze. „In unseren Produkten steckt viel Verfahrens- und menschliche Intelligenz. Das ist unschlagbar in der Welt“, sagt Schweda, der auch den Zusammenhalt der Stahlarbeiter, vom Mann am Hochofen bis zur Vorstandsspitze, als einen besonderen Standortvorteil ansieht. „Dieser Zusammenhalt hat sich bewährt. Es ist eine besondere, verlässliche Kultur.“

Dieser Zusammenhalt werde jetzt vor eine harte Probe gestellt. Billig-Stahl aus China, weltweite Überkapazitäten und die jüngsten Umweltpläne aus Brüssel sorgten für zusätzliche Kostenbelastungen, die nicht mehr zu verkraften seien. Eine Folge: „Durch den Billig-Stahl aus China auf unseren Märkten bekommen wir für unseren Stahl nicht mehr das Geld, um zu investieren“, sagt Schweda.

Alleine 2016 gehen in der saarländischen Stahlindustrie noch Investitionen in Höhe von 700 Millionen Euro ans Netz. Diese Einnahmen stammten aus dem laufenden Geschäft. Ermöglicht werde dies durch die strategische Ausrichtung der saarländischen Stahlindustrie vonseiten der SHS Stahlholding inklusive einer stärkeren Zusammenarbeit der Standorte Dillingen und Völklingen. Zudem sorge die Montanstiftung Saar dafür, dass das nötige Geld für Investitionen im Land bleibt. Man brauche nicht, wie andere Stahlproduzenten, große Heuschrecken zu versorgen. „Wir investieren das Geld, das hereinkommt, in die Menschen und unsere Produkte. Das macht die Einmaligkeit der saarländischen Stahlindustrie aus“, betont Schweda.

Allen Beschäftigten in den Saar-Hütten und ihren Zuliefer-Betrieben sei klar, dass es jetzt ans Eingemachte geht. Jeder Bürger müsse zudem wissen: „Stahl ist die Voraussetzung für ein komfortables Leben. Es gibt kein Produkt, das man ohne den Grundstoff Stahl herstellen kann: vom Glas bis zum Messer“, so Schweda.

Jetzt müsse die Zukunft der europäischen Stahlhersteller und der saarländischen Stahl-Industrie mit ihren 22 000 Beschäftigten abgesichert werden. Auch die weitere Strategie sei klar: „Europa bleibt unser Hauptmarkt.“

Die EU-Kommission widerspreche sich selbst. Man könne nicht durch unerfüllbare finanzielle Mehrbelastungen selbst dazu beitragen, eine komplette Industriebranche plattzumachen, und gleichzeitig fordern, jedes EU-Mitglied solle nach Möglichkeit mindestens einen Industrie-Anteil von 20 Prozent in seinem Land haben. Die europäischen Standorte seien jetzt schon weltweit die umweltfreundlichsten. In der Entwicklung neuer Produkte stoße man jetzt aber auch an physikalische Grenzen. Ein weiterer Quantensprung mit Stählen, die noch sauberer sind, benötige zehn bis 20 Jahre und weitere Milliarden-Investitionen. Dieses Geld habe man wegen der weltweiten Rahmenbedingungen derzeit nicht. Im Kampf um den Erhalt der Standorte und der Arbeitsplätze werde sowohl die Dillinger Hütte als auch Saarstahl mit allen Beschäftigten den geplanten nationalen Stahl-Aktionstag am 11. April unterstützen, kündigt Schweda an. Dieses Thema gehe alle Saarländer an.

Heute wird sich der saarländische Landtag mit der Lage der Stahlindustrie befassen. Geplant ist auch eine gemeinsame Resolution. An die Adresse der Politik, in Brüssel wie Berlin, richtet Schweda eine eindeutige Botschaft: „Bei der Energiewende hat man sich auf die Stahlindustrie als Partner verlassen können. Ich erwarte, dass die Verlässlichkeit, die wir bewiesen haben, jetzt auch bei den politischen Entscheidungen berücksichtigt wird.“
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